Thea­ter oh­ne vier­te Wand er­le­ben

Für „Guck­kas­ten“-Schau­spie­ler ist ein Glo­be-Gast­spiel et­was Be­son­de­res. Auch für die des RLT.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS -

NEUSS (hbm) Wenn das RLT den Spiel­ort wech­selt, über die Stra­ße geht und al­les ins Glo­be räumt, was zu­vor noch die Büh­ne im Schau­spiel­haus aus­mach­te, ist das nicht nur ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung für die Tech­ni­ker des Hau­ses. Mag der Büh­nen­bild­ner auch schon im Vor­feld „klein“ge­dacht, das Glo­be im Kopf ge­habt ha­ben – bis es passt, muss selbst im Fal­le der Glo­be-ähn­li­chen Ar­chi­tek­tur der Ins­ze­nie­rung von „Wie es euch ge­fällt“noch ei­ni­ges ge­än­dert wer­den. Auch für die Schau­spie­ler, die durch die Ab­ste­cher zwar un­ter­schied­li­che Büh­nen ge­wohnt sind, ist das Glo­be ein be­son­de­rer Ort. Für Ste­fan Schleue der jetzt zum vier­ten Mal im Glo­be spie­len wird, im­mer noch.

Wenn es da et­was gibt, was ihm miss­fällt, dann nur die­ses: „Wir spie­len dort meis­tens am En­de der Sai­son und ha­ben zu we­nig Zeit, um uns auch die an­de­ren Trup­pen an­zu­schau­en.“Als Schau­spie­ler aber war es ihm bis­her „je­des Mal ei­ne Freu­de, weil ich das Stück plötz­lich ganz an­ders er­lebt ha­be“, sagt er, der als Puck im „Som­mer­nachts­traum“2010 da­bei war, dann wie­der in „Sie­ben So­net­te“(2012), und in „Richard III.“(2016).

Und so wirkt er über­haupt nicht ab­ge­klärt, wenn er sei­ner Kol­le­gin Jo­han­na Frey­ja Ia­co­no-Sem­britz­ki das Be­son­de­re des Gast­spiels „um die Ecke“er­klärt. Denn sie, die in der Ko­mö­die „Wie es euch ge­fällt“die Ro­sa­lind spielt, lernt das Glo­be erst ken­nen, steht heu­te Abend dort zum ers­ten Mal auf der Büh­ne – und freut sich dar­auf wie ein klei­nes Kind. „Ich fin­de das to­tal span­nend“, sagt sie und lacht Schleue an, als der er­zählt, dass im Glo­be das Pu­bli­kum ganz an­de­res re­agiert. „Die Dis­tanz ist ge­ring, und ins Glo­be kom­men die Men­schen, um wirk­lich ein Thea­ter­fest zu fei­ern“, sagt er und er­gänzt: „Im RLT steht die Kunst auf dem Prüf­stand, im Glo­be geht es um ein Mit­ein­an­der, das ge­mein­sa­me Er­le­ben. Das ist ei­ne ganz an­de­re Spiel­ver­ein­ba­rung.“Ja, das ha­be sie schon ge­hört, sagt Ia­co­no-Sem­britz­ki, die aber auch gro­ßen Re­spekt da­vor hat, dass es kei­ne vier­te Wand gibt, die Zu­schau­er sehr nah sit­zen. „Wie fühlt sich das an?“fragt sie, Schleue ant­wor­tet mit ei­nem Schmun­zeln – und ei­nem Tipp. „Mir kann man auf mei­ne be­gin­nen­de Glat­ze gu­cken. Du darfst nicht ver­ges­sen, dass oben Leu­te sit­zen!“Auch wenn es die Auf­ga­be ei­nes Schau­spie­lers sei, sich auf je­den Raum ein­zu­stel­len: „Man kann man sich auf ei­ner Glo­be-Büh­ne nicht ver­ste­cken.“

Schon die Akus­tik ist ei­ne an­de­re. „Mar­tins­horn, Don­ner­schlä­ge – all das dringt ja rein“, sagt er. Kann auch ab­len­ken, aber sei­ne Kol­le­gin schreckt das nicht. „Hab ich von ge­hört“, sagt sie ver­gnügt und ist sich auch si­cher, dass es ihr ge­län­ge, „im Rah­men der Re­gie“dar­auf zu re­agie­ren. „Angst ist auch ei­ne Ka­te­go­rie, die de­fi­ni­tiv nicht ins Glo­be ge­hört“, meint Schleue,

Und so be­glei­ten bei­de sei­ne Er­zäh­lun­gen von klei­nen Pan­nen im Spiel mit viel Ge­läch­ter. „Man ver­gisst schon mal den Weg“, sagt er, „ich konn­te mal ei­nen Kol­le­gen auf der Ga­le­rie nicht fin­den, ha­be mich fast schwin­de­lig ge­dreht, bis ich ihn hat­te. Und dann sah ich auch noch die Ir­ri­ta­ti­on in sei­nem Ge­sicht ...“

FOTO: B. HICKMANN

Jo­han­na Frey­ja Ia­co­no-Sem­britz­ki ist Ro­sa­lind und Ste­fan Schleue der Narr Touchs­to­ne.

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