Se­bas­ti­an Puf­paff schlägt ver­bal er­bar­mungs­los zu

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KAARST -

KA­ARST (keld) Se­bas­ti­an Puf­paffs Na­me ist echt – laut sei­ner Aus­sa­ge auf Schwarz­pul­ver­händ­ler zu­rück­zu­füh­ren – und gleich­zei­tig Pro­gramm: Bei sei­nem in­tel­li­gen­ten Ka­ba­rett der Spit­zen­klas­se schoss er pau­sen­los Wort­s­al­ven ins aus­ver­kauf­te Al­bert-Ein­stein-Fo­rum. Im schwar­zen An­zug („Dar­un­ter wach­sen mir schon Pil­ze, so warm ist es hier“) und Turn­schu­hen brauch­te er nur ein Mi­kro­fon, um das Pu­bli­kum in sei­nen Bann zu zie­hen.

Der aus der Heu­te-Show be­kann­te Künst­ler möch­te gern die ge­sam- te Ge­sell­schaft und ih­re Pro­ble­me „Auf An­fang“set­zen – so der Na­me sei­nes ak­tu­el­len Pro­gramms. „Denn wir ver­ste­hen uns nicht mehr, trotz des Glöck­ner-Bu­ckelns aufs Han­dy“, be­klag­te er. Je­der soll­te am Mor­gen mit ei­nem Lä­cheln auf­ste­hen, denn al­les sei ir­gend­wie gut. Das hör­te sich ei­gent­lich ganz ver­nünf­tig an – ei­gent­lich.

Denn dann schlug Puf­paff ver­bal er­bar­mungs­los zu und ent­larv­te das deut­sche We­sen. „Als Deut­scher brau­che ich die Kri­se – ich muss mich auf­re­gen! Als Ka­ba­ret­tist be- kom­me ich auch noch Geld da­für“, sag­te er und ließ sein be­kann­tes sar­do­ni­sches La­chen fol­gen. Kli­ma­er­wär­mung fand er gut, denn die schmel­zen­den Polklap­pen sorg­ten für ge­nug Trink­was­ser in Afri­ka. Die Ge­sell­schaft po­si­tiv zu ver­än­dern, heißt bei ihm: Al­ten Men­schen die Rol­la­to­ren weg­neh­men und sie bei ei­ner Schlä­ge­rei mit ein­be­zie­hen, frem­den Kin­dern Eis spen­die­ren, da­mit sie die We­spen an­lo­cken. Puf­paff gab zu, dass er im Bau­markt we­gen des dort in Zim­mer­spring­brun­nen ge­fan­ge­nen Was­sers heu- le: „Ich lei­de un­ter Em­pa­thietou­ret­te!“Er ent­larv­te Aus­tern als „Po­pel mit Salz und Zi­tro­ne“und reg­te sich über die mensch­li­che Dumm­heit auf.

Sei­ne Spon­ta­nei­tät stell­te er bei Zu­ru­fen des Pu­bli­kums un­ter Be­weis und be­zog auch des­sen The­men­vor­schlä­ge mit ein. Selbst bei der Aus­bil­dung von Selbst­mord­at­ten­tä­tern ge­lang Puf­paff die Kur­ve zur ka­ba­ret­tis­ti­schen Über­zeich­nung. Das Pu­bli­kum quit­tier­te sei­ne sehr kurz­wei­li­ge zwei­stün­di­ge Vor­stel­lung mit be­geis­ter­tem Bei­fall.

AR­CHIV­FO­TO: FOTOATELIER SUED

Ka­ba­ret­tist Se­bas­ti­an Puf­paff be­geis­ter­te im AEG.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.