On­li­ne-Ban­king: Ex­tra-Kos­ten für SMS?

Der BGH muss ent­schei­den, ob Ban­ken für TAN, die per Kurz­mit­tei­lung ver­schickt wer­den, Geld ver­lan­gen dür­fen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT - VON JAN DAFELD UND GE­ORG WINTERS

DÜS­SEL­DORF Et­wa 38 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land nut­zen das On­li­ne-Ban­king – für Über­wei­sun­gen, für Kon­to­ab­fra­gen, fürs Geld­an­le­gen in Ak­ti­en oder an­de­ren Wert­pa­pie­ren. Da­mit Ha­cker es so schwer wie mög­lich ha­ben, an die Zu­gangs­da­ten der Kun­den zu kom­men, gibt’s für je­den Ge­schäfts­vor­gang ei­ne ei­ge­ne Num­mer, die Trans­ak­ti­ons­num­mer (Tan). Und um die ist Streit aus­ge­bro­chen. Ver­brau­cher­schüt­zer ha­ben die Kreis­spar­kas­se Groß-Gerau ver­klagt, weil sie für je­de Tan, die sie an Kun­den ver­schickt, neun Cent be­rech­net. Seit ges­tern liegt der Fall beim Bun­des­ge­richts­hof (BGH), der sein Ur­teil für den 25. Ju­li an­ge­kün­digt hat. Der Aus­gang scheint of­fen. In der Ver­hand­lung ges­tern er­klär­ten die Rich­ter, sie hät­ten den Fall nicht vor­be­ra­ten (Ak­ten­zei­chen XI ZR 260/15). Wer hat ge­klagt? Der Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len (vz­bv). Nach des­sen Mei­nung müs­sen mit den Ge­büh­ren, die Kun­den für ein be­stimm­tes Kon­to zah­len, auch al­le Kos­ten für Si­cher­heits­ab­fra­gen ge­deckt sein. „Das Ver­schi­cken der Tan ist aus un­se­rer Sicht kei­ne Ex­tra-Leis­tung der Ban­ken, son­dern ein not­wen­di­ger Vor­gang beim On­li­ne-Ban­king“, sagt Ban­ken­ex­per­te Fran­kChris­ti­an Pau­li. Was sagt die Be­klag­te? Die Kreis­spar­kas­se Groß-Gerau hat nach An­ga­ben ih­res An­walts fünf ver­schie­de­ne Tan-Über­mitt­lungs­ver­fah­ren an­ge­bo­ten. Nur für die SMS-Va­ri­an­te hät­ten Kun­den zah­len müs­sen, es ha­be al­so ge­nug Al­ter­na­ti­ven oh­ne Zu­satz­kos­ten ge­ge­ben, er­klär­te der An­walt. Wel­che Ver­fah­ren zur Tan-Über­mitt­lung gibt es?

Der Tan-Ge­ne­ra­tor ist nach An­ga­ben des Deut­schen Spar­kas­sen­und Gi­ro­ver­ban­des (DSGV) die meist­ge­nutz­te Va­ri­an­te. Der Kun­de nutzt ein ta­schen­rech­ner­ähn­li­ches Ge­rät, an das die Tan bei ei­nem er­teil­ten Auf­trag ge­sen­det wird. Die Num­mer kann dann mit­hil­fe der Gi­ro­kar­te ab­ge­le­sen wer­den. Die Num­mern-Er­stel­lung er­folgt kos­ten­los, der Ge­ne­ra­tor kos­tet in der An­schaf­fung – bei Volks­ban­ken ab 9,80 Eu­ro, bei Spar­kas­sen ab 10,56 Eu­ro.

Bei der Tan-SMS, um die es bei dem vor dem BGH ver­han­del­ten Der Kun­de er­hält ei­ne per­sön­li­che Lis­te mit Num­mern und da­zu­ge­hö­ri­gen Tans. Bei je­der Trans­ak­ti­on be­kommt man an­schlie­ßend ei­ne Num­mer aus dem Do­ku­ment ge­nannt und muss die pas­sen­de Tan beim On­li­neBan­king ein­tra­gen. Ge­richts­streit geht (und auf die laut DSGV rund ein Drit­tel der Nut­zer zu­greift) er­hält der Kun­de un­mit­tel­bar nach dem Er­tei­len ei­nes Ban­kauf­trags ei­ne SMS, die die Tan und wei­te­re De­tails der Über­wei­sung (zum Bei­spiel die Kon­to­num­mer) zur Kon­trol­le er­hält.

Die Tan-App ist für Smart­pho­neNut­zer be­son­ders at­trak­tiv. Sie kön­nen die Tan di­rekt auf dem Smart­pho­ne ab­le­sen. Vor­teil: Kun­den brau­chen kein zu­sätz­li­ches Ge­rät. Die App kön­nen sie bei al­len Ban­ken und Spar­kas­sen, die das Ver­fah­ren an­bie­ten, so­wohl im App Sto­re als auch im Play Sto­re kos­ten­los her­un­ter­ge­la­den wer­den. Der Nut­zer er­hält ei­ne SMS, die die Tan und wei­te­re De­tails der Über­wei­sung ent­hält. Für je­de Trans­ak­ti­on er­hält er ei­ne ei­ge­ne Kurz­mit­tei­lung.

Bei der Tan-Über­mitt­lung per Post er­hält der Kun­de ei­ne per­sön­li­che Lis­te mit Num­mern und da­zu­ge­hö­ri­gen Tans. Bei je­der Trans­ak­ti­on be­kommt die­ser an­schlie­ßend ei­ne Num­mer aus dem Do­ku­ment ge­nannt und muss die pas­sen­de Num­mer beim On­li­ne-Ban­king ein­tra­gen. Die­se Va­ri­an­te wird un­ter an­de­rem noch von der Targo­bank und der Com­di­rect Bank an­ge­bo­ten. Vie­le an­de­re In­sti­tu­te ha­ben das Ver­fah­ren schon ab­ge­schafft. Was kos­tet das al­les bei an­de­ren In­sti­tu­ten? Teil­wei­se wird der SMS-Ser­vice kos­ten­los an­ge­bo­ten, manch­mal sind nur ei­ne be­stimm­te An­zahl von Nach­rich­ten pro Mo­nat kos­ten­frei und ei­ni­ge Ban­ken be­rech­nen schon für die ers­te SMS ei­ne Ge­bühr von bis zu 10 Cent. Die Tan per Kurz­mit­tei­lung kos­tet bei­spiels­wei­se bei der Stadt­spar­kas­se Düs­sel­dorf und der Spar­kas­se Kre­feld so­wie bei der Deut­schen Bank neun Cent je Mit­tei­lung. Bei der Spar­kas­se Kre­feld gilt das aber nur für Alt­kun­den; seit Sep­tem­ber des ver­gan­ge­nen Jah­res bie­tet das In­sti­tut die­se Me­tho­de nicht mehr an. Bei der Com­merz­bank ist die Tan-Über­mitt­lung per SMS ge­ne­rell kos­ten­los, bei der Targo­bank eben­falls.

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