Bun­te Kunst­wer­ke aus der Sprüh­do­se

Tho­mas Pan­zer sprüht le­ga­le Graf­fi­ti und will ver­hin­dern, dass Ju­gend­li­che in die Il­le­ga­li­tät rut­schen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KAARST - VON DAG­MAR FISCH­BACH

HOLZBÜTTGEN Ge­malt hat Tho­mas Pan­zer schon als Kind gern. „Im Te­enager­al­ter ha­be ich dann das Spray­en für mich ent­deckt“, er­in­nert sich der 35-Jäh­ri­ge. Im Bau­markt ha­be er da­mals Sprüh­far­be ge­kauft, sei mit Freun­den durch die Ge­gend ge­zo­gen. „Wir ha­ben nicht nur le­ga­le Flä­chen be­sprüht“, ge­steht er. Dumm­heit sei das ge­we­sen und da­für ha­be er dann auch die Stra­fe be­kom­men. „Ich muss­te zur Po­li­zei, stand so­gar vor Ge­richt“, er­zählt er. Von dem ha­be er dann Ar­beits­stun­den im Al­ten­heim auf­ge­brummt be­kom­men. „Da­nach war es vor­bei mit dem il­le­ga­len Spray­en von Schrift­zü­gen“, stellt Pan­zer fest.

Doch von der Sprüh­do­se konn­te der ge­lern­te Gestal­tungs­tech­ni­ker und Dru­cker nicht las­sen. „Statt Schrift­zü­ge zu schmie­ren, ha­be ich aber Bil­der ent­wor­fen“, sagt er und zeigt sein „Black Book“aus den 90er Jah­ren: ei­ne ab­ge­grif­fe­ne schwar­ze Kl­ad­de vol­ler Zeich­nun­gen. Fan­ta­sie­gestal­ten und wil­de Farb­kom­po- si­tio­nen aber auch Por­träts sind dar­in zu fin­den. „Da­mals ha­be ich die Mo­ti­ve noch vor­ge­zeich­net und erst spä­ter auf mei­ne aus Bett­la­ken und Dach­lat­ten selb­ge­bas­tel­ten Lein­wän­de ge­sprüht“, er­zählt er. Heu­te ha­be er die Mo­ti­ve im Kopf. „Oder ich er­stel­le Auf­trags­ar­bei­ten“, sagt Pan­zer, der un­ter dem Na­men „Mad One“sprüht. Für ei­ne Düs­sel­dor­fer Kampf­sport­schu­le hat er schon ge­ar­bei­tet, Stell­wän­de für ei­ne Tat­tooCon­ven­ti­on ge­stal­tet. „Oft wün­schen sich auch Freun­de, dass ich Bil­der auf ih­re Wohn- oder Kin­der­zim­mer­wän­de sprü­he“, er­zählt der Künst­ler, von dem auch ein Bild im Kaars­ter Rat­haus hängt. „Das ha­be ich vor vie­len Jah­ren bei ’Kaarst to­tal’ ge­macht“, be­rich­tet er. Dort will er in die­sem Jahr wie­der da­bei sein und sei­ne Kunst den Be­su­chern vor­stel­len. „Ich möch­te das Image von Spray­ern ver­bes­sern“, er­klärt er.

Auch beim in­te­gra­ti­ven „Spray Day“des Kunst­ca­fés „Ein­blick“ist er je­des Mal da­bei. „Es macht mir Spaß, den Men­schen die Tech­ni­ken des Spray­ens zu er­klä­ren, wie sie die Do­se hal­ten müs­sen, mit wel­chen Auf­sät­zen sie bei ver­schie­de­nen Mo­ti­ven ar­bei­ten soll­ten“, sagt er. Be­son­ders ge­fal­len hat ihm auch die Ar­beit mit den Kin­dern und Ju­gend­li­chen der Ki­ta ‚Aben­teu­er­land’ und des Ju­gend­zen­trums ‚KiJuZe’ in Neuss-Al­ler­hei­li­gen. „Wir ha­ben ei­ne schmuck­lo­sen La­ger­hal­len­wand mit far­bi­gen Bil­dern ver­schö­nert – die Jungs und Mä­dels hat­ten im we­sent­li­chen „nie­der­schwel­li­ge“Auf­ga­ben zu lö­sen, wie et­wa Küm­me­rer und Hel­fer bei der Er­stel­lung von Ver­fü­gun­gen und Voll­mach­ten, Hil­fe bei der Su­che nach ge­eig­ne­ten am­bu­lan­ten Di­ens­ten, Hil­fe­stel­lung bei all­ge­mei­nen klei­ne Woh­nungs­und Um­welt­fra­gen. Der Se­nio­ren­bei­rat, der ei­gent­lich po­li­tisch neu­tral ist, könn­te sich um „Ganz Kaars­ter Auf­ga­ben“küm­mern, zum Bei­spiel die Ver­net­zung al­ler Se­nio­ren­ak­ti­vi­tä­ten, ak­ti­ve In­for­ma­tio­nen an al­le Se­nio­ren­or­ga­ni­sa­tio­nen, Ver­kehr und Mo­bi­li­tät in der Zu­kunft, ge­mein­sa­me Vor­trags und Ge­mein­schafts­ver­an­stal­tun­gen, Be­su­che von Se­nio­ren re­le­van­ten Ver­an­stal­tun­gen und an­de­ren über­ge­ord­ne­ten Ak­ti­vi­tä­ten. Dies na­tür­lich auch in Zu­sam­men­ar­beit mit der Funk­ti­on Se­nio­ren­be­auf­trag­ter. Das al­les soll­te die Po­li­tik auch ver­in­ner­li­chen und auch die­ses zum bes­se­ren Ver­ständ­nis bei­tra­gen. Man­fred Stranz Kaarst un­glaub­lich viel Spaß“, be­rich­tet Pan­zer, der haupt­be­ruf­lich als Schmel­zer und Gie­ßer bei Alu Norf tä­tig ist. Auch Grund­schu­len ha­ben den Va­ter ei­ner acht­jäh­ri­gen Toch­ter schon in den Kunst­un­ter­richt ein­ge­la­den. „Die Kin­der sind fas­zi­niert vom Han­tie­ren mit Sprüh­do­sen und be­geis­tert, welch tol­le Bil­der man da­mit ma­chen kann“, er­zählt er. Doch bei al­lem Spaß ha­ben sei­ne Ak­tio­nen auch ei­nen erns­ten Hin­ter­grund. „Ich möch­te nicht, dass die jun­gen Leu­te in die Il­le­ga­li­tät ab­rut­schen. Des­halb er­klä­re ich im­mer wie­der, dass Haus­wän­de oder Brü­cken­pfei­ler zu be­sprü­hen, kein Dum­mer-Jun­gen-Streich ist, son­dern Sach­be­schä­di­gung und straf­bar. Und ich zei­ge ih­nen, wel­che le­ga­len Mög­lich­kei­ten zum Spray­en es gibt“, sagt er. Tho­mas Pan­zer ist auch per E-Mail er­reich­bar un­ter graf­fi­ti­art­work@gmx.de.

FOTO: GE­ORG SALZ­BURG

Tho­mas Pan­zer mit ei­nem Frau­en-Por­trät im Co­mic-Stil, das er für das Kunst­ca­fé Ein­blick ge­schaf­fen hat.

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