Schüs­se an Ha­fen­stra­ße blei­ben un­ge­sühnt

Es ging um Geld und Schüs­se fie­len, als im April 2016 Tür­ken und Al­ba­ner an der Ha­fen­stra­ße an­ein­an­der ge­rie­ten. Vor Ge­richt war drei Män­nern, die ei­ne Mau­er des Schwei­gens er­rich­te­ten, nicht bei­zu­kom­men. Es gab Frei­sprü­che.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - GESELLSCHAFT - VON CHRIS­TOPH KLEINAU

NEUSS Die blu­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung vor ei­nem Wett­bü­ro an der Ha­fen­stra­ße, wo An­fang April 2016 Al­ba­ner und Tür­ken zum Teil mit Schlag­werk­zeu­gen auf­ein­an­der los­ge­gan­gen wa­ren, ist auf­ge­klärt, bleibt aber un­ge­sühnt. Die Mau­er des Schwei­gens, die die Be­tei­lig­ten auch ges­tern in der Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt auf­bau­ten, blieb un­über­wind­lich. „Es ist nicht auf­klär­bar, was wirk­lich pas­siert ist“, stell­te die Rich­te­rin nach St­un­den fest. Für zwei An­ge­klag­te hieß das am En­de: Frei­spruch.

Die Kos­ten des Ver­fah­rens über­nimmt die Staats­kas­se. Ein 45-jäh­ri­ger Sport- und Fit­ness­kauf­mann aus Neuss darf auch mit ei­ner Haft­ent­schä­di­gung rech­nen. Der tür­kisch­stäm­mi­ge Neus­ser war un­ter dem Ver­dacht in Un­ter­su­chungs­haft ge­nom­men wor­den, an je­nem spä­ten Sonn­tag­abend vier Schüs­se auf ei­nen heu­te 40-jäh­ri­gen al­ba­ni­schen Koch aus Mönchengladbach, der ges­tern als Ne­ben­klä­ger auf­trat, ab­ge­feu­ert und ihn am Bein schwer ver­letzt zu ha­ben. Hat er aber of­fen­sicht­lich nicht.

Für den Schüt­zen hält die Staats­an­walt­schaft sei­nen heu­te 30-jäh­ri­gen Bru­der, der in Hand­schel­len vor­ge­führt wur­de. Der Weck­ho­ve­ner sitzt in Es­sen ei­ne Haft­stra­fe in an­de­rer An­ge­le­gen­heit ab. Und da wird er vor­erst auch noch blei­ben müs­sen. Weil zwei Zeu­gen nicht er­schie­nen wa­ren und das Ver­fah­ren ge­gen ihn ab­ge­kop­pelt und auf den 3. Ju­li ver­tagt wur­de, hat er vor­erst kei­ne Aus­sich­ten, in den of­fe­nen Straf­voll­zug wech­seln zu kön­nen. Ob­wohl es sein An­walt drin­gend mach­te: „Er geht da zu­grun­de.“

Ob­wohl: So zer­brech­lich sah der 30-Jäh­ri­ge nicht aus. Wie über­haupt die meis­ten Män­ner auf der An­kla­ge­bank, im Zeu­gen­stand und im Zu­schau­er­raum nach Kraf­t­ath­le­ten aus­sa­hen. Nur: Zu sa­gen hat­ten sie we­nig bis gar nichts. Ein­zi­ge Aus­nah­me war der gro­ße Bru­der des al­ba­ni­schen Kochs, der An­ge­klag­te und Ne­ben­klä­ger kri­mi­nell nann­te und von Schutz­geld sprach.

In der Tat ging es bei dem Streit um 25.000 Eu­ro, die sich der Koch von ei­nem 36-jäh­ri­gen Tür­ken ge­lie­hen ha­ben soll – aber nicht zu­rück­zahl­te. Die­ser Geld­ge­ber saß mit auf der An­kla­ge­bank, be­stritt aber, den Koch durch Dro­hun­gen zur Zah­lung ge­drängt zu ha­ben. Das wird auch den bei­den Neus­ser Brü­dern vor­ge­wor­fen. Nur: Nach­zu­wei­sen war die vor­ge­wor­fe­ne Nö­ti­gung kei­nem der An­ge­klag­ten. Des­halb ver­ließ auch der „Geld­ge­ber“das Ge­richt un­be­schol­ten.

Die Schüs­se vor Ge­richt zu ahn­den, hat­te die Staats­an­walt­schaft schon vor dem gest­ri­gen Ter­min auf­ge­ge­ben. Das al­ba­ni­sche Op­fer hat­te sich nach An­sicht der Staats­an­walt­schaft auf den „Mahn­be­such“vor­be­rei­tet und war nicht we­ni­ger ag­gres­siv. Folg­lich konn­te ei­ne Not­wehr­si­tua­ti­on nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.

Wenn der Prozess ge­gen den Weck­ho­ve­ner fort­ge­setzt wird, geht es um den Vor­wurf des un­er­laub­ten Waf­fen- und Mu­ni­ti­ons­be­sit­zes. Was üb­rig bleibt? Die ges­tern nicht er­schie­ne­nen Zeu­gen hat­ten bei der Po­li­zei zu Pro­to­koll ge­ge­ben, kei­ne Waf­fe bei ihm ge­se­hen zu ha­ben.

FO­TO: L. BERNS

Mit ih­ren Pflicht­ver­tei­di­gern, die sich der Hil­fe ei­ner Dol­met­sche­rin be­die­nen muss­ten, er­schie­nen ges­tern drei An­ge­klag­te vor dem Neus­ser Amts­ge­richt. Zwei ver­lie­ßen das Haus un­be­schol­ten. Ein drit­ter An­ge­klag­ter, der ge­ra­de ei­ne Haft­stra­fe ver­büßt, muss noch ein­mal vor­ge­la­den wer­den.

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