In der An­ti­ke war der Nach­ruf po­li­ti­sches Mit­tel

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - STIMME DES WESTENS -

Schrift­li­che Über­lie­fe­run­gen der Rhe­to­ren Dio­ny­si­os von Ha­li­kar­nas­sos und Men­an­der be­le­gen, dass es in der An­ti­ke fest­ge­leg­te Re­geln für das Ver­fas­sen ei­nes Nach­ru­fes gab. Lei­chen­re­den wa­ren ne­ben Ge­richts­re­den ein wich­ti­ges Mit­tel der an­ti­ken Po­li­tik. Ju­li­us Ca­e­sar et­wa star­te­te sei­ne po­li­ti­sche Kar­rie­re mit ei­nem öf­fent­li­chen Nach­ruf für sei­ne ver­stor­be­ne Ehe­frau Cor­ne­lia auf dem Fo­rum Ro­ma­num.

Ne­ben Lei­chen­re­den gab es im Mit­tel­al­ter gan­ze To­ten­ver­zeich­nis­se, die auch als Ne­kro­lo­gi­en be­zeich­net wer­den. Die­se ka­len­der­ar­ti­gen Ver­zeich­nis­se wur­den in Klös­tern und Stif­ten ge­führt. Dar­in wur­den die Na­men der ver­stor­be­nen Per­so­nen nie­der­ge­schrie­ben, die in den Ge­be­ten be­dacht wer­den soll­ten.

Zu Zei­ten Mar­tin Lu­thers bis in die Ba­rock­zeit wa­ren Lei­chen­pre­dig­ten Be­stand­teil ad­li­ger und bür­ger­li­cher Be­gräb­nis­se. Be­kannt wur­de Lu­thers Lei­chen­pre­digt aus dem Jahr 1525 auf Kur­fürst Fried­rich den Wei­sen von Sach­sen (Fried­rich III.)

Im spä­ten 18. Jahr­hun­dert be­gann Fried­rich von Sch­lich­te­groll (1765–1822) mit der Pu­bli­ka­ti­on ne­kro­lo­gi­scher Jahr­bü­cher zu ver­stor­be­nen Deut­schen.

FO­TO: DPA

Lu­thers Trau­er­schrift auf Fried­rich III. (Bild) gilt als die ers­te „klas­si­sche“ge­druck­te Lei­chen­pre­digt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.