Grü­ne wol­len Er­zie­her-Job auf­wer­ten

Die Par­tei stellt ei­nen An­trag im Rat: Er­zie­her sol­len mehr Ge­halt, Hil­fe bei Woh­nungs­su­che und Job­ti­cket für Bus und Bahn als An­rei­ze be­kom­men.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - GREVENBROICH & DORMAGEN - VON KLAUS. D. SCHUMILAS

DOR­MA­GEN Mit ei­nem Auf­se­hen er­ren­gen­den An­trag ver­ab­schie­den sich die Grü­nen En­de des Mo­nats in die po­li­ti­sche Som­mer­pau­se: Sie wol­len die Stadt für Er­zie­her at­trak­ti­ver ma­chen und zu­sätz­li­che An­rei­ze schaf­fen, da­mit jun­ge Frau­en und Män­ner sich für ei­nen Job in Dor­ma­gen ent­schei­den. Da­zu ma­chen sie drei Vor­schlä­ge, die in der Sit­zung des Stadt­ra­tes am 29. Ju­ni be­ra­ten wer­den sol­len: Er­hö­hung des Ein­kom­mens um zehn Pro­zent oder ei­ne ent­spre­chen­de Ein­stu­fung in ei­ne hö­he­re Ent­gelt­grup­pe; Grün­dung ei­nes Wohn­heims für in der Stadt tä­ti­ge Er­zie­he­rin­nen; Be­reit­stel­lung ei­nes Job­ti­ckets.

Die Grü­nen se­hen die Not­wen­dig­keit, künf­tig mehr An­rei­ze zu schaf­fen. Ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on fußt auf der Ant­wort der Ver­wal­tung auf ei­ne An­fra­ge der Frak­ti­on. „Der Um­fang zur Ver­fü­gung ste­hen­der Fach­kräf­te ist sehr stark zu­rück­ge­gan­gen“, so die Ki­ta-Ex­per­tin im Rat­haus, Eli­sa­beth Gartz. „Dem­ent­spre­chend schwie­rig ist es ge­wor­den, ge­eig­ne­te Kräf­te zu fin­den.“Ak­tu­ell lau­fen Ge­sprä­che mit den Trä­gern. „Zum jet­zi­gen Stand ist ei­ne ver­läss­li­che Aus­sa­ge zu feh­len­dem Per­so­nal schwie­rig.“Auf Nach­fra­ge der Grü­nen, ob man be­son­de­re An­rei­he schaf­fen könn­te, be­stä­tig­te Gartz, dass es da­zu be­reits „meh­re­re Tref­fen mit der Stadt­mar­ke­ting- und Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft Dor­ma­gen“ge­ge­ben ha­be. Die SWD ha­be zu­ge­sagt, so Gartz, die Auf­ga­be „Ge­win­nung und Bin­dung von Fach­kräf­ten mit in ihr Auf­ga­ben­port­fo­lio zu neh­men“. Auch die Ein­be­zie­hung ei­nes Ar­beits­ver­mitt­lungs­un­ter­neh­men ist ge­plant.

Grü­nen-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Tim Wall­raff ist Rea­list: „Na­tür­lich sind die Kos­ten das gro­ße Pro­blem. Wir wol­len das The­ma in den Fo­kus rü­cken und ei­ne Dis­kus­si­on aus­lö­sen, wie man den Be­ruf und Dor­ma­gen at­trak­ti­ver ma­chen kann, um so Er­zie­he­rin­nen und Er­zie­her hier­hin zu be­kom­men.“

Det­lef Prill sagt, woran es aus sei­ner Sicht vor al­lem ha­pert: „Das Pro­blem ist der Geld­man­gel“, sagt der Lei­ter der evan­ge­li­schen Ki­ta und des Fa­mi­li­en­zen­trums Chor­busch in Ha­cken­broich. „Ei­ne 18Jäh­ri­ge, die ge­ra­de Abitur ge­macht hat, muss zwei Aus­bil­dungs­jah­re ab­sol­vie­ren, in de­nen sie kei­nen Cent ver­dient. Erst im drit­ten Jahr, wenn es ins Be­rufs­prak­ti­kum geht, be­kommt sie Geld. Das schreckt ab. Es müs­sen, auch im Ver­gleich zu an­de­ren Aus­bil­dungs­be­ru­fen, wie die Al­ten­pfle­ge­rin, fi­nan­zi­el­le An­rei­ze ge­schaf­fen wer­den.“

2438 Be­treu­ungs­plät­ze für Kin­der von vier Mo­na­ten bis zur Ein­schu­lung hat die Stadt für das nächs­te Kin­der­gar­ten­jahr ans Land ge­mel­det; 225 da­von in (Groß-)Ta­ges­pfle­ge. Ak­tu­ell lie­gen 55 An­fra­gen von U3-Kin­dern vor, die ei­nen drin­gen­den Be­darf ha­ben, aber noch kei­nen Platz. „56 zu­sätz­li­che Plät­ze be­fin­den sich in Pla­nung oder Um­set­zung“, sagt Gartz.

Dor­ma­gen be­fin­de sich auch bei die­sem The­ma im in­ter­kom­mu­na­len Wett­be­werb, sagt Tim Wall­raff. Für rea­lis­tisch hält er die Un­ter­stüt­zung bei der Woh­nungs­su­che. „Da für könn­ten auch Part­ner wie die Bau­ge­nos­sen­schaft ge­won­nen wer­den. Oder Ver­güns­ti­gun­gen bei Kul­tur- und Sport­an­ge­bo­ten.“

FO­TO: GE­ORG SALZ­BURG

Luc Ca­ser­ta­no ist Er­zie­her im Fa­mi­li­en­zen­trum Chor­busch.

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