Erst­klas­si­ge In­stru­men­ta­lis­ten im Glo­be

Ba­rock­en­sem­ble „Scher­zi mu­si­ca­li“aus Bel­gi­en über „Göt­ter, Nym­phen und Fe­en“mit Mu­sik aus Sha­ke­speares Zei­ten..

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS - VON HANS­GE­ORG MARZINKOWSKI

NEUSS Mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tungs­aben­de beim Sha­ke­speare-Fes­ti­val fin­den ver­mehrt An­hän­ger. Nach Au­to­kenn­zei­chen ge­wer­tet war ganz Nord­rhein-West­fa­len im aus­ver­kauf­ten Thea­ter an der Renn­bahn, als das Ba­rock­en­sem­ble „Scher­zi Mu­si­ca­li“aus Brüs­sel mit Ari­en und In­stru­men­tal­mu­sik zu Sha­ke­speare-Wer­ken auf­trat.

Im Jah­re 2006 ge­grün­det, zählt die­ses Ge­sangs- und In­stru­men­tal­ensem­ble zu den in­no­va­tivs­ten jun­gen For­ma­tio­nen der in­ter­na­tio­na­len Al­te-Mu­sik-Sze­ne. Da muss er­stau­nen, dass die­ses bel­gi­sche Mu­sik­kol­lek­tiv sel­ten im Nach­bar­land zu hö­ren ist. Im April fei­er­te es sein De­büt in der Köl­ner Phil­har­mo­nie, im Mai war es bei den Ta­gen Al­ter Mu­sik in Re­gens­burg und nun al­so im Glo­be.

Ni­co­las Ach­ten (32) hat das En­sem­ble wäh­rend sei­nes Stu­di­ums von Ge­sang, Lau­te, Cem­ba­lo und Har­fe ge­grün­det. Da er über ei­nen ve­ri­ta­blen Ba­ri­ton (dem in Neuss ein we­nig an Tie­fe fehl­te) ver­fügt, er­leb­te man die al­te Pra­xis, dass der Sän­ger sich selbst an The­or­be und Ba­rock­gi­tar­re be­glei­tet. Das war ma­kel­los, aber auch die an­de­ren In­stru­men­ta­lis­ten wa­ren erst­klas­sig: Va­rou­jan Do­ney­an und Pa­tri­zio Ger­mo­ne spiel­ten Vio­li­ne, Edouard Ca­ta­lan die Bass­gei­ge, und Phil­ip­pe Gris­vard war stets zu­ver­läs­si­ger Cem­ba­list.

In die Mu­sik muss­te man sich erst hin­ein­hö­ren, denn die tro­cke­ne Akus­tik im Glo­be bei zu­sätz­lich hei­ßen Tem­pe­ra­tu­ren und na­he­zu vol­lem Haus ist sprö­de. Dar­an muss­te sich vor al­lem auch De­bo­rah Ca­chet ge­wöh­nen, die mit ih­rem fei­nen ly­ri­schen So­pran zu­nächst ge­hemmt schien. So rich­tig zu­pa­ckend sang sie dann aber bei dem Du­ett zwi­schen Am­phi­tri­te und Nep­tun bei der Oper „The Tem­pest“(Der Sturm). Sha­ke­speare hat die Ko­mö- die 1611 ge­schrie­ben, die Urauf­füh­rung der Oper war 1695. Da­bei wird die Mu­sik dem eng­li­schen Ba­rock­meis­ter Hen­ry Pur­cell zu­ge­schrie­ben, woran in jüngs­ter For­schung Zwei­fel be­ste­hen. Es wa­ren wohl meh­re­re Kom­po­nis­ten be­tei­ligt.

Zwei­fel­los aber stammt „The Fai­ry Queen“(nach Sha­ke­speares „Som­mer­nachts­traum“) aus der Fe­der Pur­cells. Nach der Pau­se ka­men wun­der­ba­re Ari­en und Tanz­stü­cke aus al­len fünf Ak­ten zur Auf­füh­rung. Auch in die­ser Oper war die er­fri­schends­te Sze­ne, zu­dem stark ge­spielt, das Du­ett zwi­schen dem be­trun­ke­nen Dich­ter (Fill up the Bowl) und der El­fe.

Rein in­stru­men­ta­le Tän­ze und Prä­lu­di­en lo­cker­ten die Schil­de­rung auf. Bei der wun­der­ba­ren Arie „If Love’s a Sweet Pas­si­on“aus dem drit­ten Akt, die ganz be­wusst zum Fi­na­le in Neuss er­klang, ver­miss­te man zwar das weh­mü­ti­ge Obo­en­vor­spiel, aber schöns­tes Piz­zi­ca­to in den Strei­chern ließ den Abend im Glo­be eben­falls at­trak­tiv aus­klin­gen.

FO­TO: CHRIS­TOPH KREY

„Scher­zi mu­si­ca­li“spiel­ten im Glo­be.

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