Stadt will den Ur­nen-Trend stop­pen

In die­sem Jahr wer­den sich die Fried­hofs­ge­büh­ren nicht mehr ver­än­dern. Da­für tritt ab 2018 das „Köl­ner Mo­dell“in Kraft. Das sieht un­ter an­de­rem vor, dass die Flä­chen­kos­ten für Ur­nen und Erd­be­stat­tun­gen gleich­ge­setzt wer­den.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON SI­MON JANS­SEN

NEUSS 51,7 Pro­zent der Be­stat­tun­gen in Neuss wa­ren 2016 Ur­nen­bei­set­zun­gen. Im Jahr 1999 wa­ren es le­dig­lich 23,83 Pro­zent. Die­sen Trend zur Ur­ne möch­te die Stadt nun stop­pen – und hat sich des­halb für das so­ge­nann­te „Köl­ner Mo­dell“ent­schie­den, über das der Um­welt­aus­schuss jetzt grund­sätz­li­che Ei­ni­gung er­ziel­te. Auch, wenn noch De­tails ab­ge­stimmt wer­den müs­sen.

Das neue Mo­dell, das 2018 in Kraft tre­ten soll, be­inhal­tet: Je­de Grabart – egal, ob Ur­ne oder Sarg­be­er­di­gung – wird gleich be­han­delt und die Fix­kos­ten wer­den un­ab­hän-

„Wir brau­chen ei­ne gül­ti­ge Sat­zung und müs­sen zu­min­dest wis­sen, wo­hin die Rei­se geht“

Mat­thi­as Welp­mann gig vom Flä­chen­ver­brauch auf al­le Ster­be­fäl­le ver­teilt. Das heißt: Ur­nen­be­stat­tun­gen wer­den in Zu­kunft teu­rer und Erd­be­stat­tun­gen güns­ti­ger. „Auf­grund der Kos­ten­struk­tur auf ei­nem Fried­hof ist die Sicht­wei­se, Ur­nen­be­stat­tun­gen deut­lich preis­güns­ti­ger an­zu­bie­ten, nicht ziel­füh­rend“, sagt Um­welt­de­zer­nent Mat­thi­as Welp­mann.

Das Er­geb­nis des noch ak­tu­el­len Kon­zep­tes sei, dass die Stadt nur die klei­ne Ur­nen­flä­che ab­rech­ne, den Fried­hof je­doch in sei­ner ge­sam­ten In­fra­struk­tur mit­fi­nan­zie­ren müs­se. „Da­durch ha­ben wir ei­ne Schief­la­ge in der Ge­büh­ren­sys­te­ma­tik. Die Flä­che ist schließ­lich nur ein klei­ner Fak­tor von vie­len“, sagt Welp­mann, der von zu­sätz­li­cher „Ge­büh­ren­ge­rech­tig­keit“spricht.

Ju­dith Kauf (Die Lin­ke) woll­te das The­ma er­neut ver­ta­gen: „Wir ha­ben er­heb­li­chen Be­ra­tungs­be­darf und bräuch­ten zu­min­dest ei­ne Über­schlags­rech­nung, aus der bei­spiels­wei­se her­aus­zu­le­sen ist, was ein Ur­nen­grab vor­her ge­kos­tet hat und nach­her kos­ten soll.“Ihr Ver­ta­gungs­vor­schlag fand ges­tern aber kei­ne Mehr­heit. Zur Freu­de des Um­welt­de­zer­nen­ten. „Uns läuft die Zeit weg. Wir brau­chen zum 1. Ja­nu­ar 2018 ei­ne gül­ti­ge Sat­zung und müs­sen zu­min­dest wis­sen, wo­hin die Rei­se geht. Wie sich das Kon­zept im ein­zel­nen auf die Ge­büh­ren aus­wirkt, kann noch dis­ku­tiert wer­den, wenn die Vor­la­ge da ist.“In die­sem Zu­sam­men­hang bat In­grid Schä­fer (CDU) dar­um, gleich­zei­tig mit der Vor­la­ge der neu­en Fried­hofs­ge­büh­ren­ord­nung ei­nen Ver­gleich mit um­lie­gen­den Kom­mu­nen vor­zu­le­gen. Dies wur­de vom Um­welt­aus- schuss auch so be­schlos­sen. Die Fest­le­gung auf das neue Kon­zept be­deu­tet eben­falls: In die­sem Jahr wer­den sich die Fried­hofs­ge­büh­ren nicht mehr än­dern. „Es hat we­nig Sinn, Mit­te die­ses Jah­res die Ge­büh­ren nach der al­ten Struk­tur an­zu­pas­sen und dann ein hal­bes Jahr spä­ter auf ein an­de­res Mo­dell um­zu­stei­gen“, sagt Mat­thi­as Welp­mann.

Zu­vor sorg­te ein Faux­pas für Un­mut bei den Aus­schuss-Mit­glie­dern. Denn auf­grund ei­nes „Bü­ro­feh­lers“, wie Welp­mann sag­te, konn­te dem Wirt­schafts­plan für 2017 nicht zu­ge­stimmt wer­den. Ver­se­hent­lich war den Mit­glie­dern die­sel­be Vor­la­ge zu­ge­sandt wor­den, die sie be­reits im März er­hiel­ten. Da sich die Zah­len in der Aus­tau­schTisch­vor­la­ge je­doch der­art von den al­ten un­ter­schie­den, wur­de das The­ma auf die nächs­te Sit­zung ver­scho­ben. Schä­fer: „Bei ei­ner Tisch­vor­la­ge mit solch ei­ner Ab­wei­chung se­he ich mich nicht in der La­ge, sie di­rekt zu be­wer­ten oder heu­te wei­ter zu be­han­deln.“Auch der Um­welt­aus­schuss­vor­sit­zen­de Micha­el Klin­kicht be­ton­te: „Das ir­ri­tiert mich schon ein biss­chen.“

Um­welt­de­zer­nent

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51,7 Pro­zent der Be­stat­tun­gen in Neuss wa­ren 2016 Ur­nen­bei­set­zun­gen. 1999 wa­ren es le­dig­lich 23,83 Pro­zent. Mit die­ser Ent­wick­lung soll nun Schluss sein.

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