Auf­tritt im ZDF bringt We­ve­ling­ho­ve­ner in Not

In der Trö­del-Show „Ba­res für Ra­res“woll­te Holger Pfeif­fer (52) ei­nen Krug ver­kau­fen. Jetzt will ihn ein Samm­ler vor Ge­richt zie­hen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - GREVENBROICH - VON MARC PESCH UND MAR­KUS PLÜM

WE­VE­LING­HO­VEN Die Ge­schich­te ist glei­cher­ma­ßen skur­ril wie span­nend: Der We­ve­ling­ho­ve­ner Holger Pfeif­fer muss sich dem­nächst mög­li­cher­wei­se vor Ge­richt ver­ant­wor­ten. Er woll­te in der ZDF-Show „Ba­res für Ra­res“von Star­koch Horst Lich­ter ei­nen wohl 100 Jah­re al­ten „Re­ser­vis­ten­krug“ver­kau­fen. Jetzt soll er Scha­dens­er­satz in Hö­he von 2500 Eu­ro zah­len.

„Ich bin da­mals in Ver­tre­tung mei­ner Schwes­ter zum ZDF“, so Pfeif­fer, „Sie woll­te dort bei Horst Lich­ter ei­nen so ge­nann­ten Ei­sen­bah­ner-Re­ser­vis­ten­krug aus dem Jahr 1912 ver­kau­fen, war aber im Ur­laub.“Al­so mach­te sich der 52 Jah­re al­te Ver­triebs­lei­ter auf den Weg. In der Show wur­de der Krug dann von ZDF-Ex­per­te und Kunst­händ­ler Al­bert Mai­er un­ter die Lu­pe ge­nom­men.

Sein Ur­teil: Der Krug ist nicht echt. „In den acht­zi­ger Jah­ren sind in Ost­deutsch­land zahl­rei­che Pla­gia­te ent­stan­den“, er­klär­te Mai­er in der Sen­dung, „Wä­re der Krug echt, so wä­re er rund 500 Eu­ro wert. Als Pla­gi­at hat er ei­nen Wert von 50 Eu­ro.“Ei­ne Fäl­schung woll­te der ge­bür­ti­ge Rom­mers­kir­che­ner Horst Lich­ter in sei­ner Sen­dung aber nicht ver­kau­fen, Holger Pfeif­fer zog mit sei­nem Krug wie­der von dan­nen. In den Ta­gen nach der Aus­strah­lung An­fang Ja­nu­ar stand dann plötz­lich sein Te­le­fon nicht still. „Da mel­de­ten sich et­li­che Samm­ler, die den Krug un­be­dingt ha­ben woll­ten“, sagt der We­ve­ling­ho­ve­ner. „Ih­rer Mei­nung nach war er wohl doch echt.“Pfeif­fer ei­nig­te sich letzt­lich mit ei­nem Samm­ler aus Weil­heim am Starn­ber­ger See auf ei­nen Preis von 100 Eu­ro. „Er hat di­rekt über­wie­sen“, so Pfeif­fer. „Mei­ne Schwes­ter woll­te den Krug aber nicht mehr los wer­den. Ihr war der gan­ze Auf­tritt im Fern­se­hen in­zwi­schen pein­lich, sie woll­te kei­ne Fäl­schung ver­kau­fen.“Der We­ve­ling­ho­ve­ner über­wies dem Samm­ler aus der Nä­he von Mün­chen den Kauf­preis zu­rück, die Sa­che schien zu­nächst er­le­digt. Dann aber ha­be der In­ter­es­sent sich wie­der ge­mel­det und Pfeif­fer am Te­le­fon übel be­schimpft und ihm mit ei­ner Kla­ge ge­droht.

Die hat der 52-Jäh­ri­ge jetzt tat­säch­lich auf dem Tisch lie­gen. „Der Mann for­dert 2500 Eu­ro Scha­dens­er­satz. An­geb­lich woll­te er den Krug für die­se Sum­me wei­ter­ver­kau­fen.“Ak­tu­ell be­rät Pfeif­fer mit sei­nem Rechts­an­walt das wei­te­re Vor­ge­hen, schon in den nächs­ten Mo­na­ten könn­te es in Ober­bay­ern zum Pro­zess kom­men. Noch ist der We­ve­ling­ho­ve­ner op­ti­mis­tisch. „Mein An­walt ist gu­ter Din­ge. Un­ter an­de­rem ist wohl das Vor­ge­hen des Kauf­in­ter­es­sen­ten sehr frag­wür­dig – mir bie­tet er 100 Eu­ro, an­de­ren will er den Krug an­geb­lich für 2500 Eu­ro wei­ter­ver­kau­fen.“

Pfeif­fers An­walt Pe­ter Win­gerath kann al­ler­dings noch kei­ne kon­kre­te Ein­schät­zung ab­ge­ben: „Es gibt je­man­den, der be­haup­tet, dass der Krug echt sei. Um die Echt­heit zu be­wei­sen, muss erst ein­mal ein Gut­ach­ten her­an­ge­zo­gen wer­den.“Da­von hän­ge dann im wei­te­ren Ver­lauf vie­les ab. „Strei­tig ist zu­dem, ob zwi­schen dem Käu­fer und Herrn Pfeif­fer über­haupt ein Ver­trag zu­stan­de ge­kom­men ist“, so Win­gerath.

Das Ob­jekt der Be­gier­de steht der­weil wei­ter bei Holger Pfeif­fer zu­hau­se. „Das ist für uns auch ei­ne Prin­zip­sa­che“, sagt er. „Nach­her heißt es noch, wir wür­den Pla­gia­te ver­kau­fen.“Die gan­ze Ent­wick­lung ist für ihn na­tür­lich höchst ku­ri­os. „Un­glaub­lich, was aus die­ser Sa­che ge­wor­den ist. Wir hat­ten ge­hofft, in der ZDF-Sen­dung ma­xi­mal 80 Eu­ro für den Krug zu be­kom­men“, kann er nur den Kopf schüt­teln. Im Fal­le ei­ner Ver­ur­tei­lung muss er mög­li­cher­wei­se tief in die Ta­sche grei­fen.

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