Letz­tes Stör­feu­er für die Me­tro-Plä­ne

Vor der Ein­tra­gung der Auf­spal­tung ins Han­dels­re­gis­ter muss der Kon­zern un­er­war­tet noch ei­ne Hür­de neh­men.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

DÜS­SEL­DORF Auf dem Weg zur ge­plan­ten Auf­spal­tung hat der Han­dels­kon­zern Me­tro ei­ne wich­ti­ge Hür­de ge­nom­men, aber sei­ne Zie­le noch nicht voll er­reicht. Nach ei­nem Be­schluss des Ober­lan­des­ge­rich­tes Düs­sel­dorf kön­nen zwar meh­re­re An­fech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­gen ge­gen die Ent­schei­dung der Haupt­ver­samm­lung, den Kon­zern zu tei­len, ei­ne Ein­tra­gung ins Han­dels­re­gis­ter nicht mehr ver­hin­dern. Ob dies aber auch für so­ge­nann­te Fest­stel­lungs­kla­gen gilt, mit der zwei Ak­tio­nä­re ge­gen die Wirk­sam­keit des Spal­tungs­ver­tra­ges vor­ge­hen, konn­te der sechs­te Zi­vil­se­nat am OLG aus for­ma­len Grün­den nicht ent­schei­den. Das muss nun ein Rich­ter am Amts­ge­richt tun. Ex­per­ten ge­hen al­ler­dings da­von aus, dass die­ser Re­gis­ter-Rich­ter zu­guns­ten der Me­tro ent­schei­den wird, nach­dem das OLG schon an­ge­deu­tet hat, dass es die Kla­gen für un­be­grün­det hält. In dem Spal­tungs­ver­trag geht es um die De­tails, wie der heu­ti­ge Kon­zern auf­ge­teilt wird.

For­mal hat der Re­gis­ter-Rich­ter nun das letz­te Wort. Und so bleibt das Fa­zit: Es gibt ein letz­tes Stör­feu­er für die Me­tro-Plä­ne. Bin­nen drei Wo­chen muss das OLG den Be­tei­lig­ten den Be­schluss von ges­tern schrift­lich mit­tei­len. Vor­her wird es mög­li­cher­wei­se auch kei­ne Ent­schei­dung beim Re­gis­ter­ge­richt ge­ben. Ob der Rich­ter/die Rich­te­rin dort ei­ne Frist ein­hal­ten muss, war ges­tern un­klar.

Die klei­ne Hän­ge­par­tie könn­te theo­re­tisch zu­min­dest den Zeit­plan der Me­tro ein we­nig nach hin­ten ver­schie­ben. Ge­plant ist, vom jet­zi­gen Kon­zern die künf­ti­ge Me­tro – das sind das Groß­han­dels­ge­schäft (Cash & Car­ry) und die SB-Wa­ren­haus­ket­te Re­al – ab­zu­spal­ten und die al­te Me­tro in die Ce­co­no­my um­zu­tau­fen. Die­ser Teil soll das Elek­tro­nik­han­dels­ge­schäft um­fas­sen, der­zeit im We­sent­li­chen die Me­di­aSa­turn-Hol­ding mit den Ket­ten Me­dia-Markt und Sa­turn. Vor dem Start am Ak­ti­en­markt muss noch ein Bör­sen­pro­spekt ver­öf­fent­licht wer­den, ei­ne Road­show steht an, eben­so die Fest­le­gung des Emis­si- on­s­prei­ses und die Zu­tei­lung der Ak­ti­en. Das Zu­tei­lungs­ver­hält­nis be­trägt 1:1 – für je­de Stamm­ak­tie der jet­zi­gen Me­tro gibt es ei­ne zu­sätz­li­che Stamm­ak­tie des Le­bens­mit­tel­händ­lers. Zehn Pro­zent der An­tei­le an der neu­en Me­tro lie­gen bei der Ce­co­no­my.

Die Ver­ant­wort­li­chen der Me­tro ga­ben sich ges­tern nach der Ver­hand­lung be­tont zu­ver­sicht­lich: „„Wir er­war­ten den Bör­sen­gang der künf­ti­gen Me­tro Mit­te Ju­li“, er­klär­te Kon­zern­chef Olaf Koch, der von ei­nem Mei­len­stein sprach. „95 Pro­zent der Ern­te“sei­en ein­ge­fah­ren, sag­te Me­tro-An­walt Andre­as Aust­mann.

Das ju­ris­ti­sche Ver­fah­ren auf dem Weg zur Spal­tung ist we­gen des Streits mit meh­re­ren Ak­tio­nä­ren in­des hoch kom­pli­ziert. Vor­aus­ge­gan­gen sind ein­gangs er­wähn­te An­fech­tungs-, Nich­tig­keits- und Fest­stel­lungs­kla­gen meh­re­rer Ak­tio­nä­re, un­ter an­de­rem der In­vest­ment­ge­sell­schaft Con­ver­gen­ta des Me­dia-Mark­tG­rün­ders Erich Kel­ler­hals. Die­se Kla­gen lie­gen beim Land­ge­richt Düs­sel­dorf. Das OLG hat­te ges­tern zu­nächst „nur“dar­über zu ent­schei­den, ob sie die Frei­ga­be der Ein­tra­gung ins Han­dels­re­gis­ter ver­hin­dern könn­ten. Die Frei­ga­be wie­der­um hat­te die Me­tro be­an­tragt, um mög­lichst schnell die Auf­spal­tung und die No­tie­rung der neu­en Me­tro und der Ce­co­no­my an der Bör­se vor­an­trei­ben zu kön­nen.

Die wei­te­ren Aus­sich­ten der Klä­ger: Nach ei­ner Ein­tra­gung ins Han­dels­re­gis­ter könn­ten Kel­ler­hals und Co. nur noch Scha­den­er­satz for­dern, aber die Tei­lung nicht mehr rück­gän­gig ma­chen. Egal, zu wes­sen Guns­ten das Land­ge­richt Düs­sel­dorf dann ent­schei­den wür­de – der Geg­ner könn­te beim OLG in Be­ru­fung ge­hen. Da dort er­neut der sechs­te Zi­vil­se­nat ent­schei­den müs­se, dür­fe man da­von aus­ge­hen, dass dort wie­der die Me­tro ge­win­nen wür­de, heißt es in Han­dels­krei­sen. So oder so blie­be dem Ver­lie­rer die Mög­lich­keit, den Bun­des­ge­richts­hof an­zu­ru­fen. Bis zu des­sen Ent­schei­dung könn­ten al­ler­dings noch ei­ni­ge Jah­re ver­ge­hen.

Erich Kel­ler­hals Fo­to: dpa

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