200 Mi­ni-Woh­nun­gen im Rhein­park­cen­ter

Ein In­ves­tor aus Mal­ta hat das leer­ste­hen­de ehe­ma­li­ge Lan­des­be­sol­dungs­amt im Rhein­park­cen­ter ge­kauft. Er will dort ein Ma­xi­mum an Kleinst-Woh­nun­gen ein­rich­ten. Dem Stadt­teil­bü­ro „Treff 3“der Dia­ko­nie wur­de schon ge­kün­digt.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR - VON CHRIS­TOPH KLEIN­AU

NEUSS Schon lan­ge leer­ste­hen­de Bü­ro­ge­bäu­de in zen­tra­ler La­ge von Groß­städ­ten sind be­son­ders be­gehr­te Im­mo­bi­li­en für die „So­li­da­re Re­al Esta­te Hol­ding plc“, die sich auf die Schaf­fung so­ge­nann­ter Mi­cro-Apart­ments spe­zia­li­siert hat. Et­wa 200 sol­cher Kleinst­woh­nun­gen mit ei­ner Grö­ße von 20 bis 50 Qua­drat­me­ter will sie im ehe­ma­li­gen Lan­des­amt für Be­sol­dung und Ver­sor­gung im Rhein­park­cen­ter schaf­fen, das die bör­sen­no­tier­te Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft mit Sitz auf Mal­ta vor kur­zem kau­fen konn­te. Die Ent­ker­nungs­ar­bei­ten zum Um­bau lau­fen, 2018 will man fer­tig sein.

Fir­men­spre­cher Tors­ten Graf ver­tei­digt die Mi­cro-Apart­ments als Mög­lich­keit ei­ner ma­xi­ma­len Wohn­raum­aus­nut­zung und nennt als Kern­ziel­grup­pe Singles, Pend­ler und vor al­lem Stu­den­ten. Aber Teil der Wahr­heit dürf­te auch sein, dass auch das Ziel ei­ner ma­xi­ma­len Ren­di­te ver­folgt wird. Was das heißt, er­lebt der­zeit die Dia­ko­nie Neuss. Sie hat im Erd­ge­schoss des sie­ben­ge­schos­si­gen Bü­ro­kom­ple­xes, in dem bis Ja­nu­ar 2010 das Lan­des­amt für Be­sol­dung und Ver­sor­gung NRW an­ge­sie­delt war, ih­ren „Treff 3“eta­bliert – und jetzt die (vor­sorg­li­che) Kün­di­gung zu En­de Ok­to­ber er­hal­ten. Die neu­en Ver­mie­ter hät­ten „ganz an­de­re preis­li­che Vor­stel­lun­gen“und ein „ho­hes Ver­wer­tungs­in­ter­es­se“, er­klärt Dia­ko­nieVor­stand Chris­toph Har­vers. Man sei aber mit dem In­ves­tor und der Stadt im Ge­spräch, um über die Kon­di­tio­nen und die Fort­set­zung der Stadt­teil­ar­beit zu spre­chen.

Ralf Hör­sken be­stä­tigt ei­ne ent­spre­chen­de Ver­ab­re­dung En­de kom­men­der Wo­che. Die Stadt ha­be gro­ßes In­ter­es­se dar­an, die Ge­mein­we­sen­ar­beit fort­zu­set­zen, sagt er: „Ich ma­che sol­che An­ge­bo­te nir- gend­wo ka­putt. Im Ge­gen­teil: Wir bau­en neue auf“, sagt er.

Für Bea­te Bo­gon, die Lei­te­rin des „Treff 3“, ist die Fort­set­zung die­ser Ar­beit genau­so wich­tig wie für den im Rhein­park­cen­ter le­ben­den Stadt­ver­ord­ne­ten Micha­el Zie­ge (SPD). In dem Quar­tier am Rhein wür­den 1750 Men­schen le­ben, aber es gä­be für sie kei­nen Treff, kei­ne Kn­ei­pe, kei­ne so­zia­le In­fra­struk­tur. Das Shop­ping-Cen­ter glei­chen Na­mens sei kom­mer­zi­ell aus­ge­rich­tet und kein Ort, wo man Men­schen aus der Nach­bar­schaft ken­nen­lernt.

Zie­ge zählt meh­re­re Be­sit­zer­wech­sel seit dem Aus­zug des Lan­des­be­sol­dungs­am­tes vor sechs Jah- ren. Ei­ner da­von woll­te dort Se­nio­ren­woh­nun­gen schaf­fen. Die da­für er­teil­te Bau­ge­neh­mi­gung soll nach Aus­kunft von So­li­da­re nun ab­ge­wan­delt wer­den. Ziel: ei­ne ge­misch­te Wohn- und Ge­wer­be­nut­zung. Dem Ver­neh­men nach soll auch ein Fit­ness­cen­ter dort ein­zie­hen.

Das Haus Gör­lit­zer Stra­ße 3 war von der Stadt als Flücht­lings­un­ter­kunft für 100 bis al­ler­höchs­tens 300 Men­schen ge­prüft aber ver­wor­fen wor­den. Die La­ge sei at­trak­tiv, sagt Zie­ge, aber nicht für Stu­den­ten. Wer zur Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf will, müs­se zwei­mal um­stei­gen, nennt er ei­nen Grund. Neu ist der Ruf nach Stu­den­ten­woh­nun­gen in Neuss aber auch nicht. Al­ler­dings: Als die Stadt das Stu­den­ten­werk als Part­ner für ein sol­ches Vor­ha­ben ge­win­nen woll­te, wink­ten die Düs­sel­dor­fer ab.

FO­TOS: CH. KLEIN­AU/AR­CHIV

Zwi­schen der UPS-Zen­tra­le (l.) und den nicht un­pro­ble­ma­ti­schen Wohn­tür­men liegt das ehe­ma­li­ge Lan­des­be­sol­dungs­amt. Das hat ei­nen neu­en Be­sit­zer, der dort bis En­de 2018 gut 200 Mi­cro-Apart­ments plant.

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