Klei­ne­rer Rat – we­ni­ger De­mo­kra­tie?

Für die Kom­mu­nal­wahl müs­sen Wahl­be­zir­ke neu ein­ge­teilt wer­den. Es wird auch ge­prüft, ih­re Zahl zu re­du­zie­ren.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON CHRIS­TOPH KLEIN­AU

NEUSS Wie vie­le ge­wähl­te Ver­tre­ter braucht das Volk? Die­se Fra­ge will die Stadt ge­klärt se­hen, be­vor die Par­tei­en da­mit an­fan­gen, ih­re Di- rekt­kan­di­da­ten in den der­zeit 29 Wahl­be­zir­ken auf­zu­stel­len. De­ren Zahl könn­te näm­lich auch um bis zu drei re­du­ziert wer­den. Weil über die Wahl­krei­se ex­akt die Hälf­te der Sit­ze im Stadt­rat ver­ge­ben wird, könn­te sich da­mit das Gre­mi­um um bis zu sechs Köp­fe ver­klei­nern. Bür­ger­meis­ter Breu­er hält das für ver­tret­bar. „Wel­ches De­mo­kra­tie­de­fi­zit ist da zu er­war­ten?“, frag­te er am Don­ners­tag­abend im Haupt­aus­schuss. Doch na­ment­lich die CDU will an der Ma­xi­mal­zahl von 58 Man­dats­trä­gern für Städ­te die­ser Grö­ßen­ord­nung noch fest­hal­ten. Mög­lichst vie­le Bür­ger, ar­gu­men­tiert die CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Hel­ga Koene­mann, soll­ten die Mög­lich­keit ha­ben, mit den Po­li­ti­kern di­rekt in Kon­takt zu tre­ten.

Durch­schnitt­lich re­prä­sen­tiert ein di­rekt ge­wähl­ter Kan­di­dat der­zeit 5517 Men­schen in sei­nem Wahl­kreis. Al­ler­dings kann die­se Kopf­zahl pro Man­dats­trä­ger um 25 Pro­zent nach oben oder un­ten ab­wei­chen. Min­des­tens re­prä­sen­tiert er als 4088, höchs­tens aber im­mer­hin 6896 Bür­ger. Aber na­ment­lich im schnell wach­sen­den Neus­ser Sü­den reicht die­se Ober­gren­ze nicht mehr aus. Die Stimm­be­zir­ke Al­ler­hei­li­gen und Ro­sel­len wä­ren – blie­ben sie un­ver­än­dert – zu be­völ­ke­rungs­reich. Ein drit­ter Wahl­kreis für den Sü­den müss­te her – aber wo­her neh­men, wenn die Höchst­zahl schon er­reicht ist?

Zwei Mög­lich­kei­ten wä­ren vor­stell­bar und sol­len jetzt bis zum Sep­tem­ber in ei­nem neu­en Ar­beits­kreis dis­ku­tiert wer­den. Ers­tens: Die Ein­füh­rung ei­nes Wahl­krei­ses im Sü­den, für den an an­de­rer Stel­le im Stadt­ge­biet ei­ner ge­stri­chen und die dort le­ben­den Men­schen auf an­gren­zen­de Be­zir­ke ver­teilt wer­den. Der Do­mi­no-Ef­fekt, den das aus­lö­sen könn­te, ist nicht ab­schätz­bar, warn­te zum Bei­spiel der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Ar­no Jan­sen.

Ein­fa­cher wä­re es viel­leicht, die Zahl der Wahl­be­zir­ke zu re­du­zie­ren – und die ver­blei­ben­den da­durch zu ver­grö­ßern. Das könn­te so weit ge­trie­ben wer­den, dass der drit­te Bezirk im Sü­den nicht be­nö­tigt wird und man, wie es Jan­sen for­mu­liert, „im gro­ßen Zu­schnitt bleibt“.

Mit der An­pas­sung der Wahl­be­zir­ke soll auch das Ziel er­reicht wer­den, Ge­biet­über­schnei­dun­gen in Be­zug auf Be­zirks­aus­schüs­se zu- rück­zu­füh­ren. Weil die Wahl­krei­se Ro­sel­len und Al­ler­hei­li­gen schon ein­mal zu groß ge­wor­den wa­ren, wur­den zum Bei­spiel ein­zel­ne Stra­ßen­zü­ge aus dem Stadt­be­zirk Ro­sel­len in den Wahl­be­zirk De­ri­kum ver­scho­ben. Fol­ge: Für die­se Ro­sel­le­ner ist heu­te der BZA Norf zu­stän­dig. Glei­ches gilt für El­vekum.

Dass es sich da­bei nicht nur um Kos­me­tik han­delt, macht ein wei­te­rer Vor­stoß deut­lich, der die Ein­rich­tung wei­te­rer Be­zirks­aus­schüs­se und de­ren Auf­wer­tung zum Ziel hat. Sie sol­len ei­ge­ne Zu­stän­dig­kei­ten und ein ei­ge­nes Bud­get er­hal­ten. Ziel: mehr Bür­ger­nä­he und mehr Ak­zep­tanz für die Po­li­tik vor Ort. Der Rat, sagt Breu­er, „muss ler­nen, los­zu­las­sen“.

AR­CHIV: WOI

Bür­ger­meis­ter Breu­er: „Der Rat muss ler­nen, los­zu­las­sen.“

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