„An­ti­kes“Di­enst-Fahr­rad wird aus­ge­stellt

Das Rad des ehe­ma­li­gen Ge­mein­de­di­rek­tors Wil­helm Haas ist bei der Tour-Aus­stel­lung zu se­hen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KAARST/KORSCHENBROICH - VON DAG­MAR FISCH­BACH

BÜTT­GEN Es ist schwarz, hat kei­ne Gang­schal­tung und ein we­nig Rost an­ge­setzt. „Nie­mand wür­de dar­an et­was Be­son­de­res er­ken­nen“, sagt sein Be­sit­zer Hel­mut Haas. Doch das al­te Fahr­rad ist ein Stück Bütt­ge­ner Ge­schich­te. Denn dem Va­ter von Hel­mut Haas ist es in den 50er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts für sei­ne Di­enst­fahr­ten von der Ge­mein­de zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den. Wil­helm Haas war bis 1962 Ge­mein­de­di­rek­tor von Bütt­gen.

„Ich er­in­ne­re mich ge­nau dar­an, wie ich mit mei­nem klei­nen Räd­chen man­ches Mal ne­ben ihm her Rich­tung Rat­haus ge­fah­ren bin“, er­zählt Hel­mut Haas. Im Jahr 1948 sei sein Va­ter als Ge­mein­de­di­rek­tor in Bütt­gen ein­ge­setzt wor­den. „Zu­vor war er seit 1931 Bür­ger­meis­ter“, er­in­nert sich Haas. Im Jahr 1945 wur­de er von der ame­ri­ka­ni­schen Be­sat­zungs­macht ab­ge­setzt. „Mein Va­ter war im­mer viel mit dem Fahr­rad un­ter­wegs. Ich weiß noch, dass er sich als Bür­ger­meis­ter im­mer auf sein pri­va­tes Rad ge­schwun­gen hat und zum Scha­dens­ort ge­fah­ren ist. Meis­tens war das die Bahn­stre­cke am Nord­ka­nal“, be­rich­tet Hel­mut Haas. War­um sei­nem Va­ter spä­ter ein Di­enst­fahr­rad zur Ver­fü­gung ge­stellt wur­de, weiß er nicht. „Aber nach­dem mein Va­ter ei­nen Schlag­an­fall er­lit­ten hat­te, bat mich die Ge­mein­de, sei­nen Schreib­tisch aus­zu­räu­men und frag­te, ob ich auch das Rad mit­neh­men woll­te. Selbst­ver­ständ­lich tat ich das“, er­zählt er.

Fort­an sei das Fahr­rad der Mar­ke „Bis­marck“als ein rich­ti­ges Fa­mi­li­en­rad ge­nutzt wor­den. „Ich bin selbst viel da­mit ge­fah­ren. Spä­ter auch mei­ne En­kel. Aber ir­gend­wann stand es nur noch in der Ga­ra­ge.“Ins Be­wusst­sein sei ihm das al­te Fahr­rad wie­der ge­rückt, als die Flücht­lings­hil­fe aus­ran­gier­te Rä­der als Spen­de such­te. „Wir ha­ben zwei Fahr­rä­der ab­ge­ge­ben – aber von die­sem konn­ten wir uns nicht tren­nen“, so Hel­mut Haas. Zu­fäl­lig ha­be er spä­ter mit dem Prä­si­den­ten des VfR Bütt­gen, Franz-Jo­sef Kal­len, über das Rad ge­spro­chen. „Er be­rich­te­te von der Aus­stel­lung zur Tour de Fran­ce und hat­te die Idee, das Rad da­zu zu stel­len“, be­rich­tet Haas. In der städ­ti­schen Ga­le­rie Bütt­gen steht das Di­enst­fahr­rad des ehe­ma­li­gen Ge­mein­de­di­rek­tors nun zu­sam­men mit rund 80 Kunst­wer­ken von Horst Bro­zy und 20 Kaars­ter Künst­lern in der Aus­stel­lung „Fas­zi­na­ti­on Tour de Fran­ce“. Zu se­hen nach Schüt­zen­fest zu fol­gen­den Zei­ten: Mon­tag bis Mitt­woch von 9 bis 16 Uhr, don­ners­tags von 9 bis 18 Uhr, Frei­tag und Sams­tag von 9 bis 12 Uhr und sonn­tags von 11 bis 17 Uhr.

FO­TO: STADT KAARST

Ge­mein­de­di­rek­tor Wil­helm Haas im Jahr 1956 bei sei­nem 25-jäh­ri­gen Orts­ju­bi­lä­um.

NGZ-FO­TO: LBER

Das ehe­ma­li­ge Di­enst­fahr­rad aus den frü­hen 50er Jah­ren wird Teil der Tour-Aus­stel­lung.

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