Ein Tag mit Sha­ke­speares Fi­gu­ren

Von mor­gens bis abends wa­ren das Glo­be und die Wett­hal­le beim Sha­ke­speare-Fes­ti­val fest in Kin­der­hand. Das Edu­ca­ti­on-Team un­ter Va­nes­sa Schor­mann hat­te sich ei­ne Fül­le von Pro­gramm­punk­ten aus­ge­dacht.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS - VON PE­TRA SCHIFFER

NEUSS An­to­nia ver­wan­delt sich auf der Büh­ne in ei­ne fau­chen­de Kat­ze, Kas­par bas­telt aus Pap­prol­le, Zahn­sto­chern und Stroh ein Mo­dell des Glo­be-Thea­ters, Kon­stan­tin po­siert in ei­nem Wolfs­kos­tüm in der Fo­toecke, wäh­rend im Zelt ne­ben­an 15 Kin­der beim Bil­der­buch­ki­no der Ge­schich­te vom „Som­mer­nachts­traum“lau­schen: Erst­mals stand beim Sha­ke­speare-Fes­ti­val ein Kin­der-Tag auf dem Pro­gramm.

Zum 450. To­des­tag von Wil­li­am Sha­ke­speare 2016 woll­te das Fes­ti­val­team zum ers­ten Mal nicht nur Er­wach­se­ne und Ju­gend­li­che, son­dern schon Kin­der für den Au­tor und sei­ne Stü­cke be­geis­tern. Im Auf­trag der Neus­ser zeig­te das Sei­fen­bla­sen-Fi­gu­ren­thea­ter ei­ne kind­ge­rech­te Ver­si­on des Dra­mas „Der Sturm“. Al­le zehn Auf­füh­run­gen wa­ren aus­ver­kauft, Kin­der und El­tern be­geis­tert. „Da war uns klar, dass wir wie­der et­was für das ganz jun­ge Pu­bli­kum ma­chen wol­len“, sagt Fes­ti­val-Lei­ter Rai­ner Wiertz.

So ent­stand ein Tag, an dem Sechs- bis Zwölf­jäh­ri­ge den Au­tor und sei­ne Wer­ke ken­nen­ler­nen kön­nen – mit ho­hem Spaß­fak­tor. „Wir woll­ten Kin­der be­geis­tern, aber eben kein Hüpf­burg-Pro­gramm ma­chen, son­dern et­was, das mit Sha­ke­speare zu tun hat“, er­klärt Bar­ba­ra Kem­pen, beim Fes­ti­val für den Be­reich Or­ga­ni­sa­ti­on zu­stän­dig. Das Er­geb­nis war ein ge­nau­so viel­sei­ti­ges wie span­nen­des Pro­gramm, bei dem kei­ne Mi­nu­te Lan­ge­wei­le auf­kam.

Je­des Kind konn­te sich drei bis vier Sha­ke­speare-Sta­tio­nen aus­su­chen. Die Pfer­de­bo­xen wur­den zu Bas­tel­sta­tio­nen für Glo­be-Mo­del­le in un­ter­schied­li­chen Ver­sio­nen. Ei­ne Kis­te mit Ko­s­tü­men stand in der Wett­hal­le für klei­ne Ent­de­cker be­reit, die in ver­schie­de­ne Rol­len schlüp­fen woll­ten – Er­in­ne­rungs­fo­to in­klu­si­ve. Die Ge­le­gen­heit, selbst Thea­ter zu spielen, bot sich nicht nur wäh­rend ei­ner Füh­rung durch das Glo­be, son­dern auch un­ter thea­ter­päd­ago­gi­scher An­lei­tung.

„Be­son­ders freu­en wir uns, dass wir mit der Com­panhia do Ch­a­pi­to aus Lis­s­a­bon auch Schau­spie­ler des Fes­ti­vals ge­win­nen konn­ten mit­zu­ma­chen“, sagt Kem­pen. Sehr cool für die et­was äl­te­ren Be­su­cher des Kin­der­tags: Die Ak­teu­re aus Por­tu­gal ga­ben ih­re Kom­man­dos im Work­shop auf Eng­lisch. Und selbst im 3D-Bil­der­buch-Zelt der Stadt­bi­blio­thek, in dem nicht Ac­tion, son­dern Zu­hö­ren ge­fragt war, war es nie leer. Zum Ab­schluss zeig­te das Sei­fen­bla­sen-Thea­ter er­neut den „Sturm“.

Das Fa­zit: „Die Füh­rung durch das Glo­be war be­son­ders toll, wir durf­ten so­gar hin­ter die Büh­ne“, sagt Ma­ja (10). Ih­re Freun­din Ju­le (10) kann sich kaum ent­schei­den. „Es war wirk­lich al­les su­per, am bes- ten fand ich das Thea­ter bei Den­nis Pal­men. Wir ha­ben zu Wör­tern, die wir uns aus­ge­dacht ha­ben, ei­ne Ge­schich­te ge­spielt“, er­zählt sie. Auch die Or­ga­ni­sa­to­ren sind zu­frie­den. „Über­all wur­de ge­lacht und ak­tiv mit­ge­macht“, be­schreibt Char­lot­te Kons, die das Pro­gramm mit Va­nes­sa Schor­mann zu­sam­men kon­zi­piert hat.

Ei­ne Neu­auf­la­ge ist den­noch un­ge­wiss, vor al­lem aus fi­nan­zi­el­len Grün­den. „Die­ser Tag war schon ein hef­ti­ges Zu­schuss­ge­schäft“, sagt er. Dass der Fes­ti­val­lei­ter bei der Pla­nung des Thea­ter­pro­gramms in Zu­kunft auch schon Grund­schul­kin­der fest im Blick hat, dürf­te al­ler­dings nach den bei­den so über­zeu­gen­den For­ma­ten im ver­gan­ge­nen und die­sen Jahr ge­setzt sein.

FO­TO: CHRIS­TOPH KREY

Die klei­ne Büh­ne auf dem Vor­platz mach­ten die jun­gen Teil­neh­mer kur­zer­hand zu ih­rer ei­ge­nen (und gro­ßen) Büh­ne.

NGZ-FO­TO: WOI

Die drei Darstel­ler der Com­panhia do Ch­a­pitô aus Lis­s­a­bon mach­ten auch mit und zeig­ten den jun­gen „Kol­le­gen“ei­ni­ge Tricks.

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