Ein Au­tor mit Sinn für den tem­pe­ra­ment­vol­len Vor­trag

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS -

NEUSS (Ni­ma) Pas­send zum Ju­bi­lä­um „500 Jah­re Re­for­ma­ti­on“hat der Neus­ser Au­to­ren­kreis un­ter Eleo­no­re Hil­de­brand in Zu­sam­men­ar­beit mit der Bü­che­rei der Qui­ri­nus­pfar­rei und dem Bü­cher­haus am Müns­ter den Schrift­stel­ler Til­man Röh­rig (72) zu Le­sung und Ge­spräch ins Frings-Haus ein­ge­la­den. Der aus­ge­bil­de­te Schau­spie­ler ar­bei­tet seit 1973 als frei­er Au­tor und ist be­son­ders mit sei­nen his­to­ri­schen Ro­ma­nen be­kannt ge­wor­den. Pünkt­lich zum Lu­ther­jahr 2017 leg­te er sei­nen Ro­man „Die Fü­gel der Frei­heit“vor, in dem es ihm dar­um geht, den ge­fei­er­ten Re­for­ma­tor als Mensch mit all sei­nen Schwä­chen und Zwei­feln zu schil­dern.

Til­man Röh­rig hat fast drei Jah­re an dem Buch ge­ar­bei­tet, ein Jahr in Thü­rin­gen und Sach­sen re­cher­chiert. „Ich war be­müht, den Mensch Mar­tin Lu­ther ken­nen­zu­ler­nen. Sei­ne Lieb­lings­spei­se Bra­the­ring mit kal­tem Erbs­brei ha­be ich pro­biert und mich nach der Mahl­zeit wie­der mal ge­fragt: Was war Lu­ther nur für ein Mensch?“In sei­ner Le­sung – tem­pe­ra­ment­voll und in span­nen­den Be­to­nun­gen war die­se weit­aus bes­ser als die Er­zäh­le­rin auf dem ent­spre­chen­den E-Book – macht er mit den wich­tigs­ten Per­so­nen sei­nes Ro­mans be­kannt.

„Und er ließ ei­nen lan­gen Furz. ‚Wei­che Sa­tan!’, so fleh­te Mar­tin Lu­ther, ‚so fah­re aus mir.’“Def­tig und de­tail­ver­liebt be­ginnt der Ro­man. In der Le­sung be­schränkt sich der Au­tor auf zwei wei­te­re Epi­so­den. Lu­cas Cra­nachs Bo­te Bart­hel soll Brie­fe an Mar­tin Lu­ther über­brin­gen. Dar­auf­hin kehrt Lu­ther am Ta­ge nach Ascher­mitt­woch 1522 nach Wit­ten­berg zu­rück, um sich mit star­ken Ge­gen­spie­lern der Re­for­ma­ti­on aus­ein­an­der­zu­set­zen. Vor al­lem sein eins­ti­ger Weg­ge­fähr­te Tho­mas Mün­zer ist zum lei­den­schaft­li­chen Geg­ner ge­wor­den.

Im an­schlie­ßen­den Ge­spräch er­läu­ter­te der Au­tor be­son­ders des­sen Rol­le. Sehr schö­ne mu­si­ka­li­sche Le­se­pau­sen bot Har­ry Meschke auf sei­nem Hang. Die­ses erst im Jahr 2000 in der Schweiz ent­wi­ckel­te Stahl­blech­in­stru­ment pass­te, fi­li­gran die „Zo­nen har­mo­ni­scher Ord­nung“auf der Ober­flä­che be­spielt, wun­der­bar zur Au­to­ren­le­sung.

Pfar­rer Se­bas­ti­an Ap­pel­fel­ler, Vor­sit­zen­de des Ver­ban­des der evan­ge­li­schen Kir­chen­ge­mein­den, hat­te zu­vor be­tont: „Ich freue mich, dass es mög­lich ist, im Schat­ten von St. Qui­rin tro­cke­ne re­for­ma­to­ri­sche Kir­chen­ge­schich­te in Ro­man­form zu be­han­deln.“

ARCHIVFOTO: CKA

Til­man Röh­rig las im Kar­di­nal-Frings­Haus.

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