So viel Neuss steckt in der Tour de Fran­ce

13 der 16 deut­schen Fah­rer, die mor­gen in Düsseldorf den Grand Dé­part be­strei­ten, wa­ren schon bei der Tour de Neuss am Start.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - SPORT IM RHEIN-KREIS - VON VOL­KER KOCH

NEUSS Wenn am Sonn­tag ge­gen 13.45 Uhr 198 Fah­rer auf der zwei­ten Etap­pe der Tour de Fran­ce durch Neuss rol­len, wird mehr als ei­nem Dut­zend ein kur­zer Stre­cken­ab­schnitt der ins­ge­samt elf Ki­lo­me­ter durch das Stadt­ge­biet be­kannt vor­kom­men: die knapp 200 Me­ter der Kai­ser-Fried­rich-Stra­ße zwi­schen Ka­nal­stra­ße und Dru­su­s­al­lee.

Denn dort schlägt seit 2003 das Herz der ein Jahr zu­vor von Fried­helm Ha­ma­cher be­grün­de­ten Tour de Neuss – und 13 der ins­ge­samt 16 deut­schen Tour­pro­fis, die mor­gen beim Grand Dé­part in Düsseldorf an der Start­li­nie ste­hen, wa­ren schon bei der „klei­nen Tour“, die im­mer drei Ta­ge nach der Ziel­an­kunft ih­rer gro­ßen Schwes­ter auf den Champs Ely­séés im Ka­len­der steht, da­bei. Der Lu­xem­bur­ger Ben Gastauer, im ver­gan­ge­nen Ach­ter, kom­plet­tiert das Feld der „Neus­ser Fah­rer“im Pe­lo­ton.

Von de­nen drei schon ganz oben auf dem Sie­ger­trepp­chen stan­den bei der Tour de Neuss: To­ny Mar­tin, Mit-Fa­vo­rit für das am Sams­tag im Ein­zel­zeit­fah­ren über 14 Ki­lo­me­ter ver­ge­be­ne ers­te Gel­be Tri­kot die­ser Tour, ge­wann 2010. An­dré Grei­pel, der zum sieb­ten Mal in Fol­ge bei der Tour de Fran­ce star­tet und seit sei­ner Pre­mie­re 2011 in je­dem Jahr min­des­tens ei­nen Etap­pen­sieg (im ver­gan­ge­nen Jahr so­gar den pres­ti­ge­träch­ti­gen letz­ten auf den Champs-Ely­séés) fei­ern konn­te, sieg­te 2011 auf der Kai­ser-Fried­rich­Stra­ße. Der in Hürth le­ben­de Ros­to­cker wie­der­hol­te die­sen Er­folg zwei Jah­re spä­ter – und ist da­mit bis- her der ein­zi­ge Fah­rer über­haupt, der sich zwei Mal in die Sie­ger­lis­te der Tour de Neuss ein­tra­gen konn­te.

Drit­ter im Bun­de ist Chris­ti­an Knees: Der Bon­ner ge­wann 2012 und ge­hört seit­her zum „le­ben­den In­ven­tar“der Tour de Neuss. Mit sei­nen in­zwi­schen 36 Jah­ren schaff­te er noch ein­mal den Sprung ins Tour-Auf­ge­bot des Team Sky, wo er als Hel­fer vor al­lem auf den Flach­etap­pen sei­nem Ka­pi­tän Chris­to­pher Froo­me zum vier­ten Tour-Sieg ver­hel­fen soll. Auf den nied­ri­ge­ren Stu­fen des Sie­ger­po­des­tes stan­den in Neuss noch an­de­re Tour-Teil­neh­mer: Grei­pels Edel­hel­fer Mar­cel Sie­berg wur­de 2014 Zwei­ter, Tour-De­bü­tant Ni­ki­as Arndt, der eben­so wie Si­mon Geschke (6. in 2014) für das Team Sun­web fährt, ge­lang die­se Plat­zie­rung 2015 und 2016 so­gar zwei Mal in Fol­ge.

Da­mit wä­re der 25-Jäh­ri­ge, dem sein Te­am­ma­na­ger Iwan Spee­ken­brink zu­traut, „ei­ner der bes­ten Sprint­an­fah­rer der Welt zu wer­den“, ei­gent­lich lo­gi­scher Fa­vo­rit für die 16. Auf­la­ge des Neus­ser Rad­spek­ta­kels, die am 26. Ju­li (Mitt­woch) auf dem Pro­gramm steht. „Na­tür­lich wä­re es schön, dann so vie­le Tour­fah­rer wie mög­lich in Neuss wie­der­zu­se­hen“, sagt Ste­phan Hil­gers. Doch das, weiß der Vor­sit­zen­de des Neus­ser Rad­fah­rer­ver­eins nur all­zu ge­nau, „ist nicht nur, aber auch ei­ne Fra­ge der Fi­nan­zen.“

In die­ser Hin­sicht sieht es, sagt Hil­gers, „dank des En­ga­ge­ments mei­ner Vor­stands­kol­le­gen Bart­hel Wi­n­ands und Heinz Heg­ger“zwar nicht so schlecht aus, „was nicht heißt, dass wir nicht noch wei­te­re Spon­so­ren und Un­ter­stüt­zer ge- brau­chen könn­ten“, sagt Hil­gers. Aber auch wenn die Fah­rer ih­re – im Ver­gleich zu an­de­ren Sportarten eher ge­rin­ge – Ga­ge selbst aus­han­deln, be­dür­fen sie der Er­laub­nis ih­res Te­am­chefs, um drei Ta­ge nach En­de der Tour de Fran­ce in Neuss zu star­ten. Und weil es mit Bo­ra Hans­gro­he nur noch ein deut­sches Team gibt – aus dem wa­ren der ak­tu­el­le Deut­sche Stra­ßen­meis­ter Mar­cus Burg­hardt (2. in 2014) und sein VorVor­gän­ger Ema­nu­el Buch­mann (4. in 2016) schon in Neuss am Start – ist die Fah­rer­ver­pflich­tung nicht ein­fa­cher ge­wor­den.

Da ist es gut, dass der NRV seit An­be­ginn auch an den Nach­wuchs denkt und dem Haupt­ren­nen stets zwei Ju­gend­ren­nen vor­schal­tet. Die sind über die Jah­re zu ei­ner ech­ten Ta­l­ent­schau ge­wor­den – und manch ei­ner der da­mals „Klei­nen“hat in­zwi­schen den Sprung zu den Gro­ßen ge­schafft: Rick Za­bel zum Bei­spiel, 2007 vier Jah­re nach dem Sieg sei­nes Va­ters Zwei­ter im Ren­nen der U15. Oder Nils Po­litt, einst un­ter der Re­gie von Hans-Pe­ter Nil­ges auch er­folg­reich im „Team Sport­fo­rum Kaarst-Bütt­gen“ak­tiv, der 2011 Zwei­ter im Ju­gend­ren­nen hin­ter Nils Schom­ber wur­de. Bei­de fei­ern im Team Ka­tu­sha/Al­pe­cin ih­re Pre­mie­re bei der Tour de Fran­ce.

Für Neuss als de­ren Etap­pen­ort warb der NRV üb­ri­gens schon 2005. Zur „Vor­bei­fahrt“am Sonn­tag hat er Spon­so­ren und Gön­ner auf die Wie­se an der Kai­ser-Fried­rich-Stra­ße ge­la­den – da, wo 24 Ta­ge spä­ter das Herz der Neus­ser Tour schlägt.

NGZ-FO­TO: -WOI

Die Tour de Fran­ce in Neuss, das hät­te Fried­helm Ha­ma­cher ger­ne er­lebt. Der viel zu früh ver­stor­be­ne „Er­fin­der“der Tour de Neuss (2.v.l.) warb schon 2005 mit Uwe Pom­mer, Mar­kus Fo­then, Ste­phan Hil­gers und Rudi Hah­ne (v.l.) da­für.

NGZ-FO­TO: -WOI

Fährt am Sonn­tag viel­leicht in Gelb über die Kai­ser-Fried­rich-Stra­ße, auf der er vor sie­ben Jah­ren sei­nen Sieg bei der Tour de Neuss fei­er­te: To­ny Mar­tin.

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2011 Zwei­ter im Ju­gend­ren­nen hin­ter Nils Schom­ber: Nils Po­litt.

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Ge­wann bis­her als ein­zi­ger zwei Mal in Neuss: An­dré Grei­pel.

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Stamm­gast in Neuss: Mar­cel Sie­berg vom Team Lot­to Sou­dal.

NGZ-FO­TO: -WOI

2015 und 2016 Zwei­ter bei der Tour de Neuss: Ni­ki­as Arndt.

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Bö­ser Sturz: Paul Mar­tens mit Ste­phan Hil­gers und Tour-Teu­fel.

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Mar­cus Burg­hardt und Ema­nu­el Buch­mann (v.l.).

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Setzt die er­folg­rei­che Fa­mi­li­en­tra­di­ti­on fort: Rick Za­bel.

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Tour-Etap­pen­sie­ger und Sechs­ter in Neuss: Si­mon Geschke.

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2013 wur­de er Vier­ter bei der Tour de Neuss: Ro­bert Wa­gner.

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DM im Zeit­fah­ren: Sie­ger To­ny Mar­tin und Vi­ze Ja­sha Süt­ter­lin (v.l.).

ARCHIVFOTO: H. ROTH

Im Vor­jahr auf Rang acht: der Lu­xem­bur­ger Ben Gastauer.

NGZ-FO­TO: -WOI

Ge­hört in Neuss zum le­ben­den In­ven­tar: Chris­ti­an Knees.

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