Das Klos­ter Gna­den­tal

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KIRCHLICHE NACHRICHTEN -

Die­sen ko­lo­rier­ten Kup­fer­stich er­hielt das Cle­men­sSels-Mu­se­um Neuss zu­sam­men mit ei­nem Ge­mäl­de, das nach dem Stich ge­ar­bei­tet wur­de, 2015 als Schen­kung. Der 1587 von Franz Ho­gen­berg her­aus­ge­ge­be­ne Kup­fer­stich zeigt das Klos­ter Gna­den­tal, in dem sich im 16. Jahr­hun­dert ein wich­ti­ges Er­eig­nis der Neus­ser Stadt­ge­schich­te und zu­gleich des Truch­ses­si­schen Krie­ges ab­spiel­te: Am 1. Au­gust 1586 be­kam Alex­an­der Far­ne­se, der Her­zog von Par­ma, bei ei­nem Dank­got­tes­dienst im Klos­ter vom päpst­li­chen Nun­ti­us Bo­no­mi für sei­ne Ver­diens­te bei der Ero­be­rung von Neuss Eh­ren­ga­ben über­reicht. Bei der Fei­er wa­ren auch der Köl­ner Kur­fürst und Erz­bi­schof Ernst von Bay­ern so­wie Her­zog Jo­hann von Jü­lich an­we­send. Kurz zu­vor hat­te Far­ne­se mit Un­ter­stüt­zung ka­tho­lisch-spa­ni­scher Sol­da­ten die Stadt Neuss von den pro­tes­tan­ti­scher Trup­pen zu­rück­er­obert. Das Klos­ter Gna­den­tal hat­te ihm da­bei als Haupt­quar­tier ge­dient.

Das im 13. Jahr­hun­dert ge­grün­de­te Klos­ter an der Erft, das un­ter der Auf­sicht des Zis­ter­zi­en­ser­klos­ters Heis­ter­bach stand, war im Spät­mit­tel­al­ter ei­nes der wich­tigs­ten in der Re­gi­on. Heu­te ist je­doch über sein Aus­se­hen we­nig be­kannt: Der ge­zeig­te Kup­fer­stich stellt prak­tisch die ein­zi­ge Quelle dar, die Aus­kunft über sei­ne bau­li­che Struk­tur gibt. Zu se­hen ist ei­ne für Zis­ter­zi­en­ser­k­lös­ter un­ge­wöhn­li­che Ar­chi­tek­tur: Die ein­schif­fi­ge früh­go­ti­sche Kir­che mit Kreuz­grat­ge­wöl­be be­sitzt statt ei­nes Turms nur ei­nen Dach­rei­ter und steht schein­bar frei auf dem Klos­ter­ge­län­de. Die Klau­sur- und Wirt­schafts­ge­bäu­de be­fin­den sich öst­lich des Chors. Um das Klos­ter her­um ist ei­ne Schan­ze zu se­hen, sie wur­de ver­mut­lich erst wäh­rend des Truch­ses­si­schen Krie­ges an­ge­legt.

1802 wur­de das Klos­ter un­ter na­po­leo­ni­scher Herr­schaft auf­ge­löst. Sei­ne Aus­stat­tung – Mö­bel, Sa­kral­ge­rä­te, Ge­mäl­de – wur­de ver­kauft, die Kir­che ab­ge­ris­sen. Die Län­de­rei­en und die ver­blie­be­nen Ge­bäu­de wan­del­te man in ei­nen Guts­hof um.

BILD: CSM

Ein Kup­fer­stich aus dem Be­siz des Cle­mens-Sels-Mu­se­ums ist die ein­zi­ge Quelle zur frü­hen Bau­ge­schich­te des Klos­ter Gna­den­tal.

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