Öku­me­ni­sche Umar­mun­gen

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - POLITIK -

ten, dass wir im Blick auf un­ser Heil ganz auf die ret­ten­de Gna­de Got­tes an­ge­wie­sen sei­en. Ich durf­te da­mals Au­gen­zeu­ge der fei­er­li­chen Ei­ni­gung sein. Spür­te die Zu­ver­sicht, die sich zur Eu­pho­rie stei­ger­te, als sich zum Ab­schluss Bi­schof Walter Kas­per und Ish­ma­el No­ko, Ge­ne­ral­se­kre­tär des Lu­the­ri­schen Welt­bun­des, herz­lich um­arm­ten. Es war die­se Ges­te, die man­chen Kum­mer ver­ges­sen mach­te. Es war die­se Umar­mung, die der Zu­kunft ge­wid­met war. Viel schien jetzt mög­lich zu wer­den, was lan­ge schon nö­tig war. Die Stim­mung trüb­te sich spä­ter ein; es gab Vor­be­hal­te hier und da, Fuß­no­ten wur­den aus­ge­legt und als miss­ver­ständ­lich emp­fun­den. Den­noch: Die Ge­mein­sa­me Er­klä­rung war nicht mehr aus der Welt zu schaf­fen. Sie wirk­te fort­an im Stil­len: 2006 schloss sich der Welt­rat Me­tho­dis­ti­scher Kir­chen der Er­klä­rung an; 2016 be­grüß­te der an­gli­ka­ni­sche Kon­sul­ta­tiv­rat das Pa­pier. Der Kreis wur­de grö­ßer. Und viel­leicht wächst mit ihm auch der Mut, be­hut­sam über die Äm­ter der Kir­che und Mög­lich­kei­ten des ge­mein­sa­men Abend­mahls zu re­den. Mag sein, dass vie­les bloß Träu­me­rei ist, doch oh­ne Träu­me steht die Welt still. Und manch­mal be­gin­nen sie mit ei­ner ein­fach, rea­len Umar­mung.

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