Bahn er­probt in Neuss Lärm­schutz-In­no­va­ti­on

Drei Jah­re nach Ab­schluss der Lärm­sa­nie­rung an be­ste­hen­den Stre­cken sorgt ein Zu­kunfts­pro­gramm des Bun­des für ei­ne Neue­rung.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - HOCHSCHULE - VON CHRIS­TOPH KLEINAU

NEUSS Die Bahn ex­pe­ri­men­tiert wie­der. Auf ei­nem Stre­cken­ab­schnitt par­al­lel zur Jahn­stra­ße wird ab Sep­tem­ber auf dem Damm zwi­schen Rhe­ydter Stra­ße und Preu­ßen­stra­ße auf 330 Me­ter Län­ge ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus neu­ar­ti­ger Mi­niSchall­schutz­wand und Schie­nen­stegdämp­fern ein­ge­baut und er­probt. Schie­nen­stegdämp­fer sei­en be­reits an Stre­cken ein­ge­baut wor­den, er­klärt Luise Gun­ga vom Re­gio­nal­bü­ro der Bahn in Düs­sel­dorf. In Neuss, er­gänzt sie, „ist erst­ma­lig die Kom­bi­na­ti­on mit der Mi­ni-Schall­schutz­wand vor­ge­se­hen.“

Mit dem Pi­lot­pro­jekt greift die Bahn wie­der das The­ma Schall­schutz an be­ste­hen­den Stre­cken auf, das ei­gent­lich seit dem Jahr 2014 als ab­ge­ar­bei­tet galt. Da­mals wur­de – zum Ab­schluss – in El­vekum ei­ne auf 104 Me­tern klaf­fen­de Lü­cke ge­schlos­sen. Sechs Jah­re hat­te die ört­li­che Bür­ger­initia­ti­ve „Pro El­vekum“dar­um kämp­fen müs­sen.

Schon in El­vekum soll­te ein neu­er Typ Lärm­schutz­wand er­probt wer­den – nicht ein­mal halb so hoch wie die üb­li­cher­wei­se ver­bau­ten, da­für aber Rich­tung Gleis ge­krümmt, um so den Lärm ein­zu­fan­gen. Der Test war der Ver­such nach­zu­bes­sern, denn in dem Pro­gramm „Lärm­schutz an be­ste­hen­den Stre­cken“, das die Bahn frei­wil­lig – al­ler­dings mit Bun­des­mit­teln fi­nan­ziert – auf­ge­stellt hat­te, war die­se Lü­cke ge­blie­ben. Der Ver­such platz­te, die Lü­cke selbst wur­de dann doch ge­schlos­sen – nach po­li­ti­scher In­ter­ven­ti­on. Ins­ge­samt er­rich­te­te die Bahn da­mit in den Jah­ren 2008 bis 2014 in Neuss 7,6 Ki­lo­me­ter Lärm­schutz­wän­de. Kos­ten: mehr als 11,5Mil­lio­nen Eu­ro.

Auch an der Self­kant­stra­ße hat­ten An­woh­ner da­mals mit Un­ter­stüt­zung der Ver­wal­tung die Bahn zu be­we­gen ver­sucht, et­was in Lärm­schutz zu in­ves­tie­ren. Doch weil man dort knapp un­ter den für ei­ne Sa­nie­rung fest­ge­leg­ten Lärm­grenz­wer­ten blieb, lehn­te die Bahn ab. „In­no­va­ti­ve be­zie­hungs­wei­se noch im Er­pro­bungs­sta­di­um be­find­li­che Lärm­schutz­maß­nah­men sind nicht Ge­gen­stand der Lärm­sa­nie­rung“, teil­te die Bahn da­mals der Stadt schrift­lich mit. Die er­hoff­te Al­ter­na­ti­ve war kei­ne.

Dass nun an der Jahn­stra­ße ge­baut wird, hängt mit dem Zu­kunfts­in­ves­ti­ti­ons­pro­gramm des Bun­des zu­sam­men. Der gibt Geld, da­mit Lärm­schutz­tech­ni­ken wei­ter­ent­wi­ckelt, er­probt und an­ge­wandt wer­den kön­nen. Bei den Schie­nen­stegdämp­fern han­delt es sich um Stahl­plat­ten mit Gum­mium­man­te­lung, die an der Schie­ne mon­tiert wer­den und die ab­strah­len­den Schall­wel­len ab­dämp­fen, er­klärt Gun­ga. Die Schall­schutz­wän­de wie­der­um sind nied­ri­ger als die üb­li­chen und wer­den di­rekt auf die Schwel­len mon­tiert. Das er­mög­licht aus Sicht der Bahn ei­ne schnel­le und un­kom­pli­zier­te Mon­ta­ge, weil kein ei­ge­nes Fun­da­ment nö­tig ist.

Sa­scha Kar­bo­wi­ak, Stadt­ver­ord­ne­ter im Sta­di­on­vier­tel, nennt nied­ri­ge Lärm­schutz­wän­de an Stre­cken auf ei­ner er­höh­ten Damm­la­ge wie am Jahn­sta­di­on sinn­voll. An­sons­ten wür­den sie nur Ver­bes­se­run­gen für die Be­woh­ner im Erd­ge­schoss brin­gen, ist er über­zeugt.

Im Rat­haus war das The­ma noch nicht be­kannt. Die Bahn hat zwar schon ein Bau­stel­len­schild an der Jahn­stra­ße auf­ge­stellt. Aber an­sons­ten – das lehrt die Ver­gan­gen­heit – ist sie nicht be­son­ders mit­teil­sam.

FOTO: WOI

Auf dem Damm Jahn­stra­ße er­probt die Bahn neu­en Lärm­schutz.

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