Qui­ri­nus: El­tern kri­ti­sie­ren Schul­lei­tung für Kol­lek­tivstra­fe

Die Maß­nah­me, aus der gest­ri­gen Abi­fei­er ei­ne Zeug­nis­aus­ga­be zu ma­chen, sorgt für Un­mut. Der Pres­se wur­de die Teil­nah­me un­ter­sagt.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - HOCHSCHULE - VON SI­MON JANS­SEN

NEUSS Son­der­lich eu­pho­risch war die Stim­mung bei den meis­ten El­tern und Schü­lern, die ges­tern zur „Abitur­fei­er“des Qui­ri­nus-Gym­na­si­ums er­schie­nen sind, nicht. Das Wort Abitur­fei­er wur­de in die­sem Fall in An­füh­rungs­stri­che ge­setzt, weil es ei­gent­lich kei­ne war. Schließ­lich hat­te die Be­zirks­re­gie­rung be­reits vor Wo­chen mit­ge­teilt, dass in die­sem Jahr auf das üb­li­che Rah­men­pro­gramm ver­zich­tet und le­dig­lich ei­ne Zeug­nis­aus­ga­be statt­fin­den wird.

Die Maß­nah­me ist ei­ne Re­ak­ti­on auf den Streich ei­ni­ger Q2-Schü­ler, der bun­des­weit Auf­se­hen er­reg­te. Sie hat­ten im Foy­er des Gym­na­si­ums ei­ne zwei Me­ter gro­ße Ab­bil­dung ei­nes männ­li­chen Ge­schlechts­teils an die Wand ge­klebt. Die eben­falls auf­ge­kleb­ten Sper­mi­en be­deck­ten die Fotos ei­ni­ger Leh­rer. Zu­dem wur­de ein 20 Zen­ti­me­ter gro­ßes männ­li­ches Ge­schlechts­teil un­ter ei­ner Glas­vi­tri­ne vor dem Ver­wal­tungs­gang plat­ziert. Drei Lehr­kräf­te leg­ten dar­auf­hin ih­re Be­reit­schaft zur frei­wil­li­gen Mit­wir­kung in der Vor­be­rei­tungs- grup­pe für den Abit­ur­got­tes­dienst im Qui­ri­nus-Müns­ter nie­der. Der Got­tes­dienst fand ges­tern je­doch statt. Der Pres­se wur­de die Teil­nah­me an der „Abitur­fei­er“je­doch ver­wei­gert. Zwei Schil­der mit der Auf­schrift „Die heu­ti­ge Ver­ga­be der Abitur­zeug­nis­se ist ei­ne nicht-öf­fent­li­che Ver­an­stal­tung. Pres­se­ver­tre­ter sind des­halb nicht zu­ge­las­sen“wie­sen deut­lich dar­auf hin.

„Das ha­ben wir in Ab­spra­che mit der Be­zirks­re­gie­rung so ent­schie­den, um zu ver­hin­dern, dass das The­ma noch ein­mal hoch­kocht“, sag­te Schul­lei­ter Ul­rich Dau­ben auf Nach­fra­ge. Da die Ver­ur­sa­cher bis heu­te nicht er­mit­telt wer­den konn­te, hät­ten die Ver­ant­wort­li­chen kei­ne an­de­re Wahl ge­habt, als das Pro­gramm ab­zu­spe­cken. „Lei­der muss­ten wir so vor­ge­hen“, sagt Dau­ben.

Trotz des aus­ge­spro­che­nen Pres­se­ver­bots schil­der­ten ei­ni­ge Schü­ler und El­tern, die na­ment­lich nicht ge­nannt wer­den möch­ten, ges­tern ih­re Mei­nun­gen zu der Stra­fe. „Ich fin­de es ein­fach scha­de, dass für et­was, das ein paar Schü­ler ver­ur­sacht ha­ben, die gan­ze Stu­fe be­straft wird“, sag­te ei­ne Mut­ter. Ein Schü­ler ging auch auf die für ges­tern ab- ge­sag­te Ver­lei­hung der Theo­dorSchwann-Pla­ket­te ein, die die Ver­ei­ni­gung der Heimatfreunde tra­di­tio­nell vor­nimmt. „Auch in die­sem Jahr gab es Schü­ler, die tol­le Leis­tun­gen in den na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Fä­chern ab­ge­lie­fert ha­ben. Für sie ist es be­son­ders scha­de.“

Ei­ne Mut­ter be­zog sich di­rekt auf den vor­an­ge­gan­ge­nen Got­tes­dienst: „Wir ha­ben ge­ra­de ge­hört, dass es christ­lich ist, zu ver­zei­hen. Die Schü­ler ha­ben sich ent­schul­digt, dar­um hal­te ich die Stra­fe für un­an­ge­mes­sen. Ir­gend­wann ist es auch mal gut.“

FOTO: JASI

Der Pres­se wur­de ges­tern der Zu­tritt ver­wei­gert.

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