Was Neuss von Schwarz-Gelb er­war­tet

Rot-Grün war ges­tern. Im Land re­giert nun Schwarz-Gelb. Was wird sich än­dern? Was muss sich än­dern? Die NGZ hat nach­ge­fragt. Bür­ger­meis­ter und Frak­ti­ons­spre­cher sa­gen, auf wel­che Ent­schei­dun­gen sie als Kom­mu­nal­po­li­ti­ker hof­fen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON LUD­GER BA­TEN

NEUSS Ges­tern wur­den die neu­en Lan­des­mi­nis­ter ver­ei­digt. Das Wo­che­n­en­de ge­hört hier­zu­lan­de der Tour de Fran­ce, aber am Mon­tag be­ginnt der po­li­ti­sche All­tag im Düs­sel­dor­fer Land­tag wie­der. Rot-Grün ist nach sie­ben Jah­ren Ver­gan­gen­heit. Re­gie­rungs­wech­sel, Schwar­zGelb über­nimmt. Ein Po­li­tik­wech­sel? Was wird sich än­dern? Was muss sich än­dern? Die NGZ hat ge­fragt, wel­che Ent­schei­dun­gen aus Sicht von Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breu­er und den Spre­chern der Rats­frak­tio­nen in Düs­sel­dorf ge­trof­fen wer­den soll­ten, da­mit Po­li­tik in den Städ­ten und Ge­mein­den (bes­ser) ge­stal­tet wer­den kann.

So­zi­al­de­mo­krat Breu­er be­dient als Rat­haus-Chef die Ab­tei­lung Atta­cke: „Schwarz-Gelb muss jetzt lie­fern.“Beim An­tritts­be­such vom di­rekt in Neuss ge­wähl­ten Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Jörg Geer­lings (CDU) mach­te der Bür­ger­meis­ter das nach ei­ge­nen An­ga­ben deut­lich. Für Breu­er sind Ant­wor­ten auf die Fra­ge, wie schnell und wie vie­le Flä­chen für Woh­nen und Ge­wer­be aus­ge­wie­sen wer­den, be­son­ders wich- tig. „Der Nach­fra­ge­druck in Neuss ist ex­trem.“Er er­war­te auch, dass die Lan­des­re­gie­rung das Er­rich­ten von be­zahl­ba­rem Wohn­raum in­ten­si­ver för­de­re und nicht bei der „Ei­gen­tums­för­de­rung mit der Gieß­kan­ne“die Ak­zen­te set­ze. Mit Blick auf Ab­schaf­fung des Kom­mu­nalSo­lis sei Ei­le ge­bo­ten, so Breu­er, an­sons­ten müs­se Neuss von der Ge­wer­be­steu­er-Zah­lung in Hö­he von 152 Mil­lio­nen Eu­ro al­lein 10 Mil­lio­nen in den So­li-Topf ab­füh­ren. Da stimmt Helga Koene­mann zu, doch die Vor­sit­zen­de der CDU-Frak­ti­on kann sich ei­nen Sei­ten­hieb nicht ver­knei­fen: „Rei­ner Breu­er war da­bei, als im Land­tag der So­li be­schlos­sen wur­de.“Koene­manns Wun­sch­lis­te ist lang: mehr Lan­des­hil­fen für OGSund Ki­ta-Be­treu­ung, mehr Leh­rer, mehr Ru­he an den Gym­na­si­en durch die Rück­kehr zu G9, hö­he­re In­ves­ti­tio­nen in die Di­gi­ta­li­sie­rung, we­ni­ger Bü­ro­kra­tie und ein schlan­ke­res Ver­ga­be­recht: „Der Ab­ar­bei­tungs­stau beim Neus­ser Ge­bäu­de­ma­nage­ment geht auch auf die sehr um­fang­rei­chen Aus­schrei­bungs­vor­schrif­ten zu­rück.“

Wie sein Par­tei­freund Breu­er geht SPD-Frak­ti­ons­chef Ar­no Jan­sen in Rei­ner Breu­er (SPD) die Of­fen­si­ve: „Ar­min La­schet hat zu Op­po­si­ti­ons­zei­ten den Mund zu voll ge­nom­men und kann jetzt nicht lie­fern.“Noch im De­zem­ber ha­be La­schet er­klärt, die In­te­gra­ti­ons­pau­scha­le des Bun­des müs­se voll­stän­dig an die Kom­mu­nen wei­ter­ge­lei­tet wer­den: „Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag fin­det sich hier­zu nichts mehr.“Für Neuss ge­he es da­bei um drei bis vier Mil­lio­nen jähr­lich. Glei­ches gel­te für die Wei­ter­füh­rung der Schul­so­zi­al­ar­beit und die Sen­kung der Grund­er­werbs­steu­er, die nicht den Weg in den Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­fun- den hät­ten: „Die schwarz-gel­be Re­gie­rung be­ginnt mit ei­ner Rei­he ge­bro­che­ner Wahl­ver­spre­chen.“Heu­te bei dem Kreis­par­tei­tag in Ans­tel wird Jan­sen die „An­for­de­run­gen an die neue Lan­des­re­gie­rung“aus Sicht der Kreis-SPD for­mu­lie­ren.

In Düs­sel­dorf aus der Re­gie­rungs­ver­ant­wor­tung ge­wählt, sind Bünd­nis 90/Die Grü­nen in Neuss Ko­ali­ti­ons­part­ner der CDU. Micha­el Klin­kicht, Grü­nen-Chef im Rat, er­war­tet, dass Schwarz-Gelb im Land nicht die Rol­le rück­wärts macht: „Ich wünsch mir wei­ter­hin den Aus- bau der re­ge­ne­ra­ti­ven Ener­gi­en und das Aus­lau­fen der fos­si­len Brenn­stof­fe.“Den sau­be­ren Strom aus Wind­rä­dern sol­le die neue Re­gie­rung nicht ver­teu­feln und die Ab­stands­flä­chen der Wind­rä­der zur Wohn­be­bau­ung nicht ver­grö­ßern, da sonst der Bau wei­te­rer Wind­rä­der im dicht be­sie­del­ten NRW ein­ge­schränkt und tau­sen­de Ar­beits­plät­ze ge­fähr­det wür­den.

An die­sem Punkt hakt Man­fred Bo­de­wig ein, der im Rat die FD­PF­rak­ti­on führt. Die Neu­ori­en­tie­rung der er­neu­er­ba­ren Ener­gie müs­sen ne­ben dem Um­welt­schutz stär­ker auch den Men­schen­schutz be­rück­sich­ti­gen. Der Li­be­ra­le sieht in der Ab­schaf­fung des Kom­mu­nal-So­li ei­ne Be­loh­nung für Kom­mu­nen, die gut wirt­schaf­ten und ei­nen Ab­schied vom Den­ken, das Schul­den so­li­da­ri­siert wer­den. Auch müs­se es ein­fa­cher wer­den, Flä­chen für Woh­nen und Ge­wer­be aus­zu­wei­sen.

Für Roland Sper­ling, Frak­ti­ons­chef der Lin­ken, wird sich die Si­tua­ti­on für Men­schen in Neuss ver­schlech­tern. Je­des fünf­te Kind in Neuss le­be von Hartz IV, und preis­wer­ter Wohn­raum sei Man­gel­wa­re. Die CDU/FDP-Re­gie­rung han­de­le nicht, son­dern zie­he sich zu­rück: „Da zeigt der Ko­ali­ti­ons­ver­trag die deut­li­che Hand­schrift der Pri­vat­vor-Staat-Ideo­lo­gie der FDP.“

„Die schwarz­gel­be Re­gie­rung in Düs­sel­dorf muss jetzt lie­fern“ Neus­ser Bür­ger­meis­ter

FOTOS (2): WOI

Koene­mann: Ver­ein­fach­te Aus­schrei­bung löst Ver­ga­be­stau auf.

Breu­er: Fällt schnell der Kom­mu­nal­So­li, spart Neuss zehn Mil­lio­nen.

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