So in­ter­na­tio­nal ist die Stadt

Der Grand Dé­part macht Düs­sel­dorf end­gül­tig zur Welt­stadt. Wir tra­fen Be­su­cher aus ver­schie­de­nen Län­dern.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - LANDESHAUPTSTADT DÜSSELDORF - VON J. BAN­DEL, J. DAGG, T. HERMANNS, J. JANS­SEN, UND B. WANNINGER

Da­ve Wood steigt ober­halb der Kase­mat­ten von sei­nem Trek-Rad. „Mit so was war auch Lan­ce Arm­strong un­ter­wegs“, sagt er und lä­chelt laus­bü­bisch. Dann schaut er Rich­tung Lam­ber­tus-Ba­si­li­ka. „Ei­ne schö­ne und sym­pa­thi­sche Stadt mit sehr en­ga­gier­ten frei­wil­li­gen Hel­fern, aber oh­ne Tour de Fran­ce wä­ren wir nicht hier­her ge­kom­men“, sagt der 63-jäh­ri­ge aus Staf­ford mit dem für En­g­län­der ty­pi­schen Hu­mor.

Ge­mein­sam mit sei­nem Kum­pel Jo­seph Hi­lu­ta (65), der wie er pen­sio­nier­ter Leh­rer ist, will er nach dem Grand Dé­part dem Tour-Tross etap­pen­wei­se hin­ter­her­ra­deln. „Das Event ist gut für ei­ne Re­gi­on. York­shire, wo wir das 2014 mit­er­lebt ha­ben, pro­fi­tiert bis heu­te da­von“, sagt er, setzt den Helm auf und tritt in die Pe­da­le.

Helm ist das Stich­wort für Iwan Tol. Der 43-Jäh­ri­ge aus Ams­ter­dam ist als Re­por­ter für die nie­der­län­di­sche Zei­tung „de Volkskrant“im Ein­satz. Ei­ner von 2000 Jour­na­lis­ten, die für rund 300 Zei­tun­gen, 90 Fo­to­agen­tu­ren, 68 Ra­dio- und mehr als 90 TV-Sta­tio­nen im Ein­satz sind. „Hier fah­ren al­le mit Helm, weil es für Rad­ler im Stadt­ver­kehr of­fen­bar ein biss­chen ge­fähr­lich ist. Bei uns macht das fast nie­mand, weil wir ge­trenn­te Fahr­we­ge für Au­tos und Rad­ler ha­ben“, sagt er. Düs­sel­dorf be­glück­wünscht er zum Grand Dé­part. „Die Tour er­lebt nach Jah­ren der Kri­se ei­nen Neu­start, die Per­spek­ti­ven sind gut, und der Na­me Düs­sel­dorf wird da­mit ver­bun­den sein“, sagt er.

Über­haupt sind die rad­be­geis­ter­ten Nie­der­län­der sehr prä­sent. So tra­fen ges­tern 175 ra­deln­de Le­ser der Zei­tung „Tu­ban­tia“aus En­sche­de an der Ju­gend­her­ber­ge in Ra­tin­gen ein: Na­tür­lich wol­len auch sie sich die Tour de Fran­ce an­schau­en. „Tuk­kers naar de Tour“heißt die Le­ser-Ak­ti­on der „Tu­ban­tia“. Tuk­ker nen­nen sich die Ein­woh­ner der Re­gi­on Twen­te. Ex-Rad­pro­fi Joost Post­hu­ma, der die Ak­ti­on ko­or­di­niert, sagt: „Ich freue mich zwar, dass die Tour in ei­ner so schö­nen Stadt wie Düs­sel­dorf star­tet. Aber an die­sem Wo­che­n­en­de wer­de ich mir nur die Tour an­schau­en.“Be­geis­tert sind auch Schü­ler vom „Het Wil­lem van Oran­je Col­le­ge“. Sie ma­chen bis zum 5. Ju­li ih­re ei­ge­ne Tour durch Hol­land, Deutsch­land und Bel­gi­en.

200 Ki­lo­me­ter lie­gen zwi­schen ih­rem Start in Waal­wi­jk und dem ers­ten Etap­pen­ziel, das sie ges­tern er­reich­ten: der Bo­ni­fa­ti­us-Grund­schu­le in Fle­he, in der sie über­nach­ten dür­fen. Na­tür­lich schau­en sie sich den Grand Dé­part an, aber es geht ih­nen um mehr: Sie wol­len um die 15.000 Eu­ro von Spon­so­ren er­ra­deln. Mit dem Geld un­ter­stüt­zen sie „new ge­ne­ra­ti­on Bra­sil“, ein Schul­pro­jekt in Bra­si­li­en, und die„Vil­la Par­does“, ein Fe­ri­en­haus für schwer­kran­ke Kin­der.

Zu den Hel­fern, die bei Da­vid Wood ei­nen blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen ha­ben, zählt auch Micha­el Po­plaw­ski. Der 49-Jäh­ri­ge Ka­na­di­er ist sport­ver­rückt, al­ler­dings nicht als Ak­ti­ver, son­dern als Hel­fer. Sei­nen Ur­laub hat er in die­sem Jahr rund um sport­li­che Top-Events in Deutsch­land ge­plant. „Ei­gent­lich woll­te ich der Eis­ho­ckey- und der Tisch­ten­nis-WM und beim TourStart als Vol­un­te­er hel­fen. Doch lei­der war nur beim Grand Dé­part ein Platz frei“, er­zählt er. Trotz­dem setz­te er sich in ei­nen Flie­ger und jet­te­te die 7958 Ki­lo­me­ter über den gro­ßen Teich. Der Re­gie­rungs­an­ge­stell­te hat deut­sche Wur­zeln. In der Stadt ist er zum ers­ten Mal, den­noch weiß er et­was über Düs­sel­dorf. So kennt er Per­sil, Lö­wen­senf und hört auch „die To­ten Ho­sen“.

Be­geis­tert vom Rad­sport ist auch die Salz­bur­ge­rin Bri­git­te Wa­schl. Schon vor Mo­na­ten hat sie mit ih­ren Düs­sel­dor­fer Freun­den über den Grand Dé­part ge­spro­chen und die Ein­la­dung ger­ne an­ge­nom­men, das Wo­che­n­en­de in Ober­kas­sel zu ver­brin­gen. Ges­tern Abend ist sie mit ih­rem Mann Ger­hard (üb­ri­gens kein Rad­ler) nach Düs­sel­dorf ge­flo­gen. Das Zeit­fah­ren zu se­hen, ist Pflicht. In der Alt­stadt Bier trin­ken eben­falls. Und als Sou­ve­nir möch­te sie sich ein Tour-de-Fran­ce-T-Shirt kau­fen. Die zwei­te Etap­pe schaut sie sich mor­gen mit Ehe­mann und Freun­den an der Lue­gal­lee an – bei Cré­mant und fran­zö­si­schen De­li­ka­tes­sen. Über­nächs­te Wo­che ra­delt die 56-Jäh­ri­ge mit Freun­den von Salz­burg aus 1200 Ki­lo­me­ter in den El­sass – mit dem Renn­rad. Ehe­mann Ger­hard kommt auch mit. Er fährt den Ba­ga­ge­wa­gen.

RP-FOTO: JÖRG JANS­SEN

Sto­ßen mit fran­zö­si­schem Wein auf die Tour an: Lu­kas (27), Mar­kus (33), Marco (34) und Ste­fan (27) aus der Schweiz.

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