Mer­tens will Kreis den Rü­cken keh­ren

Ge­mein­de­ver­wal­tung will bei Stra­ßen­ver­kehr und Bau­ord­nung zu­künf­tig mit Nach­bar­kom­mu­nen zu­sam­men­ar­bei­ten und so un­ab­hän­gig vom Kreis wer­den.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - DORMAGEN - VON BERND RO­SEN­BAUM

ROM­MERS­KIR­CHEN Der Ge­mein­de­ver­wal­tung ist die Ab­hän­gig­keit vom Rhein-Kreis Neuss in Be­zug auf die Stra­ßen­ver­kehrs­re­ge­lung schon lan­ge ein Dorn im Au­ge. Im­mer wie­der ge­rät Bür­ger­meis­ter Mar­tin Mer­tens mit der Kreis­ver­wal­tung an­ein­an­der. Ein Bei­spiel: die lan­ge ge­plan­te Am­pel an der Kreu­zung der B 59 mit der K 26 zwi­schen Sin­ste­den und All­rath. „Der Kreis hat die Er­rich­tung der Am­pel grund­los ver­zö­gert“, regt sich Mer­tens auf.

Da­her plant er jetzt ei­nen be­son­de­ren Coup: Zu­künf­tig will er bei Stra­ßen­be­schil­de­rung und Bau­ord­nung mit ei­ner Nach­bar­kom­mu­ne zu­sam­men­ar­bei­ten, statt sich wei­ter mit dem Kreis her­um­zu­schla­gen. „Ich bin über­zeugt, dass wir dann viel ef­fek­ti­ver ar­bei­ten könn­ten“, so Mer­tens. Die Auf­ga­ben selbst über­neh­men darf Rom­mers­kir­chen nicht, weil es mit 14.000 Ein­woh­nern zu klein ist. Das kön­nen nur mitt­le­re kreis­an­ge­hö­ri­ge Städ­te mit min­des­tens 20.000 Ein­woh­nern. Bis­her war man in der Ver­wal­tung da­von aus­ge­gan­gen, dass nur der Kreis die­se Auf­ga­ben wahr­neh­men dür­fe. Doch ein von Mer­tens beim Städ­te- und Ge­mein- de­bund in Auf­trag ge­ge­be­nes Rechts­gut­ach­ten kommt zu dem Schluss, dass die Ge­mein­de statt­des­sen auch mit Nach­bar­kom­mu­nen zu­sam­men­ar­bei­ten kann.

Ers­te Ge­sprä­che mit Bür­ger­meis­tern an­de­rer Städ­te im Rhein-Kreis über mög­li­che Ko­ope­ra­tio­nen ha­ben be­reits statt­ge­fun­den. „Ich bin zu­ver­sicht­lich, dass wir ei­nen Part­ner fin­den wer­den“, so Mer­tens.

Für den Land­rat des Rhein-Krei­ses Neuss, Hans Jür­gen Pe­t­rausch­ke, kommt das An­sin­nen von Mer­tens völ­lig über­ra­schend. Er hält es auch nicht für er­folg­ver­spre­chend: „Rom­mers­kir­chen ist gar nicht zu­stän­dig für die­se bei­den Auf­ga­ben­ge­bie­te. Des­halb kön­nen sie die­se auch nicht an an­de­re ab­ge­ben. Nur der Kreis kann Ko­ope­ra­tio­nen mit an­de­ren Kom­mu­nen für Rom­mers­kir­chen ver­ein­ba­ren, aber nicht die Ge­mein­de selbst.“

Das Rechts­gut­ach­ten je­doch kommt zu ei­nem ge­gen­tei­li­gen Schluss: „Nach § 3 Abs. 5 GO NRW kann ei­ne Ge­mein­de zur Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung mit ei­ner be­nach­bar­ten Ge­mein­de ge­mäß §§ 23 ff. des Ge­set­zes über kom­mu­na­le Ge­mein­schafts­ar­beit ver­ein­ba­ren, dass ihr ge­mäß § 3 Abs. 2 über­tra­ge­ne Auf­ga­ben von der be­nach­bar­ten Ge- mein­de über­nom­men oder für sie durch­ge­führt wer­den.“

Und be­son­ders pi­kant: Die Ge­mein­de braucht kein „Ein­ver­neh­men“mit dem ab­ge­ben­den Kreis her­zu­stel­len, son­dern muss nur des­sen „Be­neh­men“ein­ho­len. Dass heißt, der Kreis kann laut Gut­ach­ten kein Ve­to­recht gel­tend ma­chen.

Als Prä­ze­denz­fall dient in dem Pa­pier die Stadt Zül­pich, die be­reits seit 2009 bei der Bau­auf­sicht mit der Nach­bar­stadt Me­cher­nich im Kreis Eus­kir­chen zu­sam­men­ar­bei­tet und gu­te Er­fah­run­gen ge­macht hat. „Un­se­re Ko­ope­ra­ti­on hat nur Vor­tei­le ge­bracht“, be­stä­tigt der Zül­pi­cher Ab­tei­lungs­lei­ter für Pla­nen und Bau­en, Chris­toph Hart­mann.

Zur­zeit er­le­digt der Rhein-Kreis Neuss die Bau­auf­sicht nur für die bei­den Ge­mein­den Jü­chen und Rom­mers­kir­chen. Al­le an­de­ren Kom­mu­nen er­le­di­gen die­se Auf­ga­be sel­ber. Soll­te Jü­chen nun, wie ge­plant, dem­nächst Stadt­rech­te er­hal­ten und die Bau­auf­sicht eben­falls dem Kreis ent­zie­hen und an ei­ne Nach­bar­kom­mu­ne über­tra­gen, stün­de die Bau­auf­sicht der Kreis­ver­wal­tung plötz­lich oh­ne Auf­ga­ben da. Auch in Jü­chen lau­fen laut Mer­tens be­reits ent­spre­chen­de Pla­nun­gen.

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