„Tour d’Eu­ro­pe“vor Re­kord-Ku­lis­se

Mit der tra­di­tio­nel­len Klas­sik­nacht im Ro­sen­gar­ten ver­ab­schie­de­te sich Chef­di­ri­gent La­vard Sk­ou Lar­sen von der Kam­mer­aka­de­mie.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS - VON HANSGEORG MARZINKOWSKI

NEUSS Die Klas­sik­nacht im Ro­sen­gar­ten hat­te so vie­le Be­su­cher wie noch nie – und das trotz zwei­er eben­falls im Neus­ser Zen­trum statt­fin­den­der wei­te­rer Groß­ver­an­stal­tun­gen. Bis weit in die An­la­gen hin­ter dem bo­ta­ni­schen Schmuck­stück hat­ten sich Tau­sen­de nie­der­ge­las­sen, bei viel Ker­zen­schein, der mit Ein­bruch der Dun­kel­heit vol­le Wir­kung ent­fal­te­te.

Vie­le Zu­hö­rer wa­ren der Mei­nung, dass der Be­su­cher­re­kord La­vard Sk­ou Lar­sen galt, der de­fi­ni­tiv zum letz­ten Mal die Deut­sche Kam­mer­aka­de­mie Neuss (DKN) als Chef­di­ri­gent lei­te­te. Dank des er­fah­re­nen und freund­li­chen Se­cu­ri­ty-Ser­vices IS­SA (Es­sen) gab es trotz drang­vol­ler En­ge kei­ne Hek­tik. Die Mit­ar­bei­ter räum­ten zu­nächst als Ti­sche zweck­ent­frem­de­te Bän­ke ab und schu­fen so für zig Be­su­cher Sitz­plät­ze.

Der 1962 in Por­to Al­leg­re (Bra­si­li­en) ge­bo­re­ne La­vard Sk­ou Lar­sen er­füll­te sich zu­nächst ei­nen Her­zens­wunsch mit der Ou­ver­tü­re zur Oper „Il Gua­ra­ny“von Car­los Go­mes. Der Kom­po­nist schrieb die ers­te bra­si­lia­ni­sche Oper im ro­man­ti­schen Stil à la Ver­di. In opu­len­ter sin­fo­ni­scher Be­set­zung mit glän­zen­den Blä­sern und Har­fe schuf die DKN voll­kom­men auf der Hö­he ein Ton­bild mit glit­zern­den Ef­fek­ten, ei­ner herz­er­wei­chen­den Bal­la­de und ei­ner wil­den Stret­ta. Dar­über hin­aus war die Mu­sik als „Tour d’Eu­ro­pe“kon­zi­piert mit Ti­teln aus et­li­chen eu­ro­päi­schen Län­dern.

Kennt­nis­reich und hu­mor­voll führ­te der Mo­de­ra­tor Da­ni­el Fin­ker­na­gel (un­ter an­de­rem Au­tor beim WDR) in die Mu­sik ein. Da­bei ist der Dort­mun­der längst im Rhein­land an­ge­kom­men: „Wenn wir die Fan­ta­sie für Vio­li­ne und Orches­ter, die Ro­bert Schu­mann in sei­ner Zeit als städ­ti­scher Mu­sik­di­rek­tor in Düs­sel­dorf schrieb, ver­ste­hen wol­len, müs­sen wir Fan­ta­sie ha­ben. Und nur dann kön­nen wir mit Em­pa­thie das Le­ben auf der an­de­ren Sei­te des gro­ßen Flus­ses nach­emp­fin­den.“

Als So­lis­tin be­grüß­te er Loui­se Chis­son „aus der gro­ßen Rad­fah­rer­na­ti­on“. Die Vio­li­nis­tin blüh­te auch in vir­tuo­sen Pas­sa­gen emp­find­sam auf und glänz­te spä­ter mit der „Mo­ses-Fan­ta­sie“, in der Ni­colò Pa­ga­ni­ni sein re­vo­lu­tio­nä­res Ver­ständ­nis von Gei­gen­spiel an­hand ei­nes be­kann­ten The­mas aus der Oper „Mo­ses“von Gioac­chi­no Ros­si­ni de­mons­triert..

Der 1983 in Tbi­bi­li­si (Ge­or­gi­en) ge­bo­re­ne Kla­ri­net­tist Le­van Tskha­dad­ze kommt aus den Rei­hen der DKN und spiel­te sei­ne Klas­se bei Mo­zarts be­rühm­tem „Ad­a­gio“aus dem Kla­ri­net­ten­kon­zert A-Dur aus.

Der weit­aus meis­te Ap­plaus aber galt an die­sem Abend La­vard Sk­ou Lar­sen, der mit Ra­vels „Bo­lé­ro“und El­gars Orches­ter­marsch aus „Pomp and Cir­cum­stan­ces“die Nacht be­en­de­te. Ein zur Mu­sik per­fekt cho­reo­gra­phier­tes Feu­er­werk und Tau­sen­de schun­keln­de Lich­ter lie­ßen kurz vor Mit­ter­nacht ei­nen fan­tas­ti­schen Abend aus­klin­gen.

Vor dem Fi­na­le hat­te Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breu­er dem nach 13 Jah­ren schei­den­den Chef­di­ri­gen­ten das Neus­ser Stadt­sie­gel in Sil­ber ver­lie­hen: „Sie ha­ben sich in die Her­zen der Neus­ser ge­spielt und als Bot­schaf­ter mit der DKN den Na­men der Stadt in die Welt ge­tra­gen.“

La­vard Sk­ou Lar­sen ver­ab­schie­det sich als Chef­di­ri­gent von Neuss.

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