Was von der Tour üb­rig bleibt

Die Tour de Fran­ce in Neuss ist Ge­schich­te. Bil­der von der Qui­ri­nus­stadt wur­den am Sonn­tag in 190 Län­der über­tra­gen. Doch hat das wich­tigs­te Rad­ren­nen der Welt ei­ne nach­hal­ti­ge Wir­kung? Die Mei­nun­gen ge­hen aus­ein­an­der.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON SI­MON JANSSEN

NEUSS Und nach rund drei Mi­nu­ten war es dann auch schon vor­bei. Für die Men­schen, die am Stra­ßen­rand bei eng­li­schen Wet­ter­ver­hält­nis­sen auf das Pe­lo­ton war­te­ten, war es das er­war­tet kur­ze Ver­gnü­gen. Ein biss­chen ju­beln, ein biss­chen klat­schen, ein biss­chen knip­sen. Doch ist die Tour mehr als nur der blan­ke Blick auf die Stars auf den dün­nen Sat­teln? Ist es Neuss wo­mög­lich so­gar ge­lun­gen, dank der Fern­seh­bil­der, die in 190 Län­der über­tra­gen wur­den, nach­hal­tig im Ge­dächt­nis der Zu­schau­er zu blei­ben?

Jür­gen Braut­mei­er, ehe­ma­li­ger Di­rek­tor der Lan­des­an­stalt für Me­di­en Nord­rhein-West­fa­len, hat Zwei­fel. „Es war ein schö­ner Tag für die Stadt, ih­re Be­woh­ner und die Gas­tro­no­mie, aber me­di­al bleibt nicht viel üb­rig. Es war ein­fach zu kurz, um ei­ne nach­hal­ti­ge Wir­kung auf das Image der Stadt zu ha­ben“, sagt der 62-Jäh­ri­ge, der Kit­tel und Co. in der Nä­he des Kehl­turms zu­schau­te. Auf ei­ner LED-Lein­wand konn­te Braut­mei­er zwar „schö­ne, be­ein­dru­cken­de Bil­der“von Neuss se­hen – wie das Qui­ri­nus­müns­ter, das vom ARD-Kom­men­ta­tor fälsch­li­cher­wei­se als „Qui­ri­ni­us­müns­ter“be­zeich­net wur­de –, „aber das war es dann auch schon.“

Als Bei­spiel nennt er die Stadt Cam­bridge. Dort ha­be er be­reits vor drei Jah­ren ei­ne Durch­fahrt der Tour de Fran­ce mit­er­lebt: „Das war für die Stadt und für die Rad­sport­fans ein schö­nes Er­leb­nis. Aber nie­mand fährt heu­te nach Cam­bridge, weil dort vor drei Jah­ren ein Rad­ren­nen statt­ge­fun­den hat.“

Sport­de­zer­nent Mat­thi­as Welp­mann zieht ein po­si­ti­ves Fa­zit und sieht das Ziel der Stadt, rund um die Tour das The­ma Fahr­rad­fah­ren brei­ter zu be­leuch­ten, er­reicht. „Das Kon­zept ist auf­ge­gan­gen. Die An­ge­bo­te rund um das ei­gent­li­che Er­eig­nis wur­den gut an­ge­nom­men und die Stim­mung war über­all gut“, sagt der Bei­ge­ord­ne­te, der ins­be­son­de­re den hoch fre­quen­tier­ten fran­zö­si­schen Markt her­vor­hebt. Zu­dem wur­de auf dem Müns­ter­platz für das Stadt­ra­deln ge­wor­ben. Zeit­gleich fand der Nie­der­rhei­ni­sche Rad­wan­der­tag statt.

An­ge­spro­chen auf das The­ma Nach­hal­tig­keit, be­ur­teilt Welp­mann nicht die in­ter­na­tio­na­le Wir­kung der Fern­seh­bil­der, die er als „sehr gut“be­zeich­net: „Für mich be­steht die Nach­hal­tig­keit dar­in, dass die Neus­ser Bür­ger mehr Fahr­rad fah­ren. Da kann so ei­ne Spit­zen­leis­tung der teil­neh­men­den Ath­le­ten schon ein Ansporn sein.“

Für Rei­ner Breu­er hat die Stadt „al­les rich­tig ge­macht“: „Es war ein erst­klas­si­ges Stadt­fest und wir ha­ben uns wun­der­bar prä­sen­tiert in den Fern­seh­me­di­en. Auch wenn sich der Mar­ke­tin­geffekt in Geld nicht mes­sen lässt.“

Jür­gen Sturm, Ge­schäfts­füh­rer von Neuss Mar­ke­ting, spricht von ei­nem „er­leb­nis­rei­chen Tag“: „Vie­le sind in der In­nen­stadt ge­blie­ben. Und trotz des Re­gens wa­ren die Stra­ßen voll. Es hat­te fast schon et­was von Volks­fest­stim­mung.“

Nach ei­ni­gen kri­ti­schen Stim­men über die an­geb­lich zu in­for­ma­ti­ons­ar­me TV-Über­tra­gung ver­tei­digt Sturm die Ver­ant­wort­li­chen. „Es ist im­mer noch ei­ne Sport­sen­dung und kein Rei­se­jour­nal“, sagt der Neuss-Mar­ke­ting-Ge­schäfts­füh­rer. Doch was bleibt von der Tour? Sturm er­hofft sich von dem Event, dass es den Gäs­ten auch das nächs­te Rad­ren­nen in der Qui­ri­nus­stadt – die Tour de Neuss am 26. Ju­li – schmack­haft ge­macht hat. „Da ha­ben die Zu­schau­er die Mög­lich­keit, die Fah­rer et­was län­ger zu se­hen.“

FOTOS: -NAU/KI-/DPA/STADT­WER­KE

Die Stadt und Neuss Mar­ke­ting zie­hen ein po­si­ti­ves Fa­zit nach der Tour. Und hof­fen auch ei­ne nach­hal­ti­ge Wir­kung.

Der Mu­si­ker Ma­ximNoi­se (r.) an der Seite von Stadt­wer­keSpre­cher Jür­gen Scheer.

Pro­mi­nent plat­ziert: Das Feu­er­wehr-Lösch­boot im Ha­fen war im TV gut zu se­hen.

200 Vol­un­ters zu fin­den, stell­te kein Pro­blem dar.

Ein Hin­weis für die pfeil­schnel­len Rad­sport­ler.

Vie­le Zu­schau­er wapp­ne­ten sich mit Re­gen­schir­men.

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