Nor­fer bil­den ers­te Se­nio­ren-WG

In ei­nem Bun­ga­low an der Ul­me­n­al­lee sind sechs Pen­sio­nä­re zwi­schen 68 und 90 Jah­ren zu­sam­men­ge­zo­gen. Sie or­ga­ni­sie­ren sich selbst­ha­ben aber Be­treu­er, die ih­nen hel­fen und als An­sprech­part­ner im­mer vor Ort sind.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON CHRIS­TI­NE SOM­MER­FELD

NORF In fröh­li­cher Run­de sit­zen die WG-Be­woh­ner um den Wohn­zim­mer­tisch. Al­le sind der Mei­nung, dass es ei­ne rich­tig gu­te Idee war, zu­sam­men­zu­zie­hen. Denn je­der von ih­nen hat­te sich die Fra­ge ge­stellt: „Was wird aus mir, wenn ich al­lei­ne nicht mehr kann?“

Ken­nen­ge­lernt ha­ben sie sich bei der Se­nio­ren-Ta­ges­be­treu­ung der Fa­mi­lie Loch an der Neus­ser He­se­mann­stra­ße und be­reits dort Freund­schaft ge­schlos­sen. Ein Se­nio­ren­heim kam für kei­nen von ih­nen in Fra­ge – und so muss­te ein an­de­rer Plan her.

In dem Bun­ga­low an der Nor­fer Ul­me­n­al­lee, den sie jetzt be­zo­gen ha­ben, füh­len sich nun al­le rund­um wohl und gut auf­ge­ho­ben: „Das hier ist jetzt mei­ne Fa­mi­lie“, sagt Die­ter Käth­ner, mit 68 der jüngs­te im Haus und ein­zi­ger Mann im Team.

„Un­stim­mig­kei­ten gibt es hier so gut wie kei­ne“, meint auch Za­ne­ta Loch, die sich tags­über um die sechs Be­woh­ner zwi­schen 68 und 90 Jah­ren küm­mert. Ih­re Mut­ter, Eli­sa­beth Loch, ist als Ei­gen­tü­me­rin des Hau­ses nicht nur die Ver­mie­te­rin für die Se­nio­ren, sie über­nimmt mit ei­ni­gen an­de­ren Kräf­ten auch die Nacht­wa­chen, so dass im­mer ein An­sprech­part­ner im Haus ist.

Die Bä­der wur­den se­nio­ren­ge­recht um­ge­stal­tet und ei­ni­ge wei­te­re Um­bau­ten vor­ge­nom­men, so dass nun ne­ben den Ge­mein­schafts­räu­men für je­den Be­woh­ner ein pri­va­tes Zim­mer zur Ver­fü­gung steht. Die Kos­ten wer­den auf al­le ver­teilt, nö­ti­ge Pfle­ge­diens­te or­ga­ni­siert je­der für sich selbst. „Das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zur Fa­mi­lie Loch hat uns bei der Grün­dung ge­hol­fen“, sagt Gi­se­la Kam­phau­sen (81) – und wohl auch die Tat­sa­che, dass sich al­le be­reits vor dem Ein­zug kann­ten.

So wird nun ge­mein­sam der Tag ge­plant, Lan­ge­wei­le kommt da nur sel­ten auf: „Wir ma­chen Spie­le oder wir ge­hen spa­zie­ren“, zählt Bran­ka Breu­er auf. Vor­her sei sie fast den gan­zen Tag al­lein ge­we­sen, be­rich­tet die 73-Jäh­ri­ge. Und auch Hil­de­gard Schra­eder, mit ih­ren 90 Jah­ren auf den Roll­stuhl an­ge­wie­sen, wird in die Spa­zier­gän­ge oder in die Be­su­che im Ca­fé am Les­sing­platz ein­be­zo­gen. „Al­les ist schön hier“, sagt die Se­nio­rin mit ei­nem Lä­cheln.

Gern ge­nutzt wird zu­dem der klei­ne Gar­ten mit Ter­ras­se, in dem ne­ben Son­nen­blu­men und Ro­sen To­ma­ten, Gur­ken, Pe­ter­si­lie und Schnitt­lauch wach­sen. Doch auch im Haus ha­ben die sechs WG-Be­woh­ner gut zu tun. Je­den Tag wird das Essen aus fri­schen Zu­ta­ten zu­be­rei­tet – und al­le hel­fen den Be­treue­rin­nen beim Schä­len und Schnip­peln. Gi­se­la Kam­phau­sen mag am liebs­ten Hüh­ner­sup­pe, Eri­ka Ax­nix (90) isst ger­ne Nu­deln, und Die­ter Käth­ner liebt ein saf­ti­ges Steak – da wird eben ab­ge­wech­selt.

Beim Fern­seh­pro­gramm im Wohn­zim­mer hat Käth­ner mit „sei­nen Da­men“al­ler­dings ei­nen De­al ge­macht: „Ich sor­ge da­für, dass al­le im­mer zu trin­ken und zu essen ha­ben – da­für darf ich Fuß­ball gu­cken.“Zwar ha­ben die meis­ten auch ei­nen zu­sätz­li­chen Fern­se­her in ih­rem Zim­mer, aber ge­mein­sam macht es doch mehr Spaß. Das gilt auch für die Aus­flü­ge.

Wich­tig ist den Be­woh­nern, dass sich je­der ernst ge­nom­men fühlt und bei Kri­sen je­man­den zum Re­den hat. So trau­ert Kä­the Pan­ra­del (81) um ih­ren Ehe­mann, der ei­gent­lich mit ihr in den Bun­ga­low zie­hen soll­te, aber kurz vor­her starb.

FOTO: A. WOITSCHÜTZKE

In Norf hat sich ei­ne selbst­or­ga­ni­sier­te Se­nio­ren­w­ohn­ge­mein­schaft ge­bil­det. In ih­re le­ben (v.l.) Hans Die­ter Käth­ner, Eri­ka Ax­nix, Gi­se­la Kam­phau­sen, Kä­the Pan­radl, Bran­ka Breu­er und Hil­de­gard Schra­eder zu­sam­men. Für ih­re Be­treu­ung sor­gen (ste­hend, v.l.) Ja­ne­ta Loch, Eli­sa­beth Loch und Eli­sa­beth Fal­bors­ka.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.