„Tour-Be­geis­te­rung wird nach­wir­ken“

Der Ma­cher von „Tour haut­nah“in Kaarst und der Chef des Neus­ser Rad­fah­rer­ver­eins zie­hen Bi­lanz nach der Durch­fahrt der Tour de Fran­ce.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - SPORT IM RHEIN-KREIS - VON VOL­KER KOCH

RHEIN-KREIS Wäh­rend Pe­ter Sa­gan ges­tern in Longwy die drit­te Etap­pe ge­wann, wur­de im Rhein-Kreis Neuss ei­nen Tag nach der Durch­fahrt der Tour de Fran­ce Bi­lanz ge­zo­gen. Die NGZ sprach zwei Ex­per­ten um ih­re Ein­schät­zung: Udo Hem­pel (70), Olym­pia­sie­ger mit dem deut­schen Bahn­vie­rer in Mün­chen 1972 und ei­ner der „Ma­cher“bei „Tour haut­nah“in Bütt­gen, so­wie Ste­phan Hil­gers (61), Vor­sit­zen­der des Neus­ser Rad­fah­rer­ver­eins (NRV), der am 26. Ju­li, dem Mitt­woch nach der Ziel­an­kunft der Tour de Fran­ce, zum 16. Mal die „Tour de Neuss“aus­rich­tet.

Herr Hem­pel, wie füh­len Sie sich 24 St­un­den, nach­dem die Tour de Fran­ce an ih­rer Haus­tür vor­bei durch Bütt­gen ge­rollt ist?

UDO HEM­PEL Mü­de. Und die Stim­me ist et­was an­ge­kratzt vom vie­len und lau­ten re­den. Aber da­von ab­ge­se­hen bin ich, sind wir hier in Bütt­gen al­le noch eu­pho­risch über das, was wir am Sonn­tag er­le­ben durf­ten.

Sie klin­gen rund­um zu­frie­den.

HEM­PEL Das sind wir auch. Wir hat­ten mit 10.000 Zu­schau­ern nicht nur ei­ne tol­le Ku­lis­se, im­mer­hin dop­pelt so vie­le, wie Bütt­gen Ein­woh­ner hat, son­dern auch ei­ne fan­tas­ti­sche Stim­mung. Die Leu­te ha­ben den Rad­sport wirk­lich ge­lebt, selbst ein Tour-Ve­te­ran wie Jo­op Zoe­te­melk war be­geis­tert. Und das war nicht nur in Bütt­gen so. Ich war am Sams­tag als Zu­schau­er beim Zeit­fah­ren in Düs­sel­dorf, und auch dort herrsch­te trotz Dau­er­re­gens ei­ne sen­sa­tio­nel­le Stim­mung.

Ha­ben die Deut­schen wie­der ihr Herz für den Rad­sport ent­deckt?

HEM­PEL Ich hof­fe. Es ist wirk­lich ein Neu­be­ginn, ich wa­ge da mal ei­nen küh­nen Ver­gleich mit der Ge­schich­te: Wir Deut­schen wer­den in­zwi­schen ja auch nicht mehr an den schlim­men Din­gen ge­mes­sen, die im Zwei­ten Welt­krieg pas­siert sind. Und genau­so soll­te im Rad­sport Ver­gan­gen­heit sein, was vor zehn, zwölf Jah­ren war. Das heißt ja nicht, dass man die­se Din­ge ver­gisst oder ver- drängt. Aber es sind neue Leu­te da, jun­ge, neue Fah­rer, und die­se Chan­ce müs­sen wir nut­zen.

Glau­ben Sie, dass der Rad­sport das kann?

HEM­PEL Wenn er end­lich be­reit ist, auch die letz­ten al­ten Zöp­fe ab­zu­schnei­den, ja. Die Rah­men­be­din­gun­gen wa­ren schon lan­ge nicht mehr so gut wie im Au­gen­blick. Die Spon­so­ren sind be­geis­tert, das macht Ge­sprä­che leich­ter als frü­her. Und es geht ja nicht nur um den Sport: Das gan­ze The­ma Zwei­rad hat ei­ne neue Di­men­si­on be­kom­men, Rad­fah­ren hat in­zwi­schen ei­ne ganz an­de­re Phi­lo­so­phie als frü­her.

Kurz­zei­ti­ge Eu­pho­rie oder gilt das Mo­de­wort von der Nach­hal­tig­keit?

HEM­PEL Ich glau­be letz­te­res, zu­min­dest, wenn wir Rad­sport­ler uns jetzt ge­schickt an­stel­len. Ich pro­phe­zeie ei­ne po­si­ti­ve Zu­kunft.

Auch für die Re­gi­on?

HEM­PEL Gera­de für un­se­re Re­gi­on. Wenn es nächs­tes Jahr wie­der ei­ne Deutsch­land-Tour gibt, wenn Düs­sel­dorf sich für die Stra­ßen-WM 2020 be­wer­ben soll­te, dann wer­den wir das mer­ken. Wir in Bütt­gen sind je­den­falls so eu­pho­risch, dass wir schon über­le­gen, ob wir uns mit dem Sport­fo­rum nicht wie­der für ein grö­ße­res Er­eig­nis, zum Bei­spiel ei­ne U23-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft auf der Bahn be­wer­ben soll­ten.

Herr Hil­gers, es gab im Vor­feld Stim­men, die vor­her­sag­ten, die Tour de Fran­ce wer­de der Tour de Neuss eher scha­den als nüt­zen. Wie be­ur­tei­len Sie das ei­nen Tag, nach­dem die Tour ein paar Hun­dert Me­ter über „Ih­re“Stre­cke ge­rollt ist?

STE­PHAN HIL­GERS Wir wa­ren ja an die­ser Stre­cke prä­sent, und un­se­re Er­war­tun­gen sind über­trof­fen wor­den, was den Zu­spruch, aber vor al­lem, was die Be­geis­te­rung un­se­rer Gäs­te und der Zu­schau­er drum­her­um an­be­trifft.

Und die Aus­wir­kun­gen auf „Ih­re“Tour am 26. Ju­li?

HIL­GERS Durch­weg po­si­tiv. Wir ha­ben bei un­se­ren Ge­sprä­chen mit Spon­so­ren und Un­ter­stüt­zern schon vor dem Start der Tour de Fran­ce ge­spürt, dass das In­ter­es­se am Rad­sport grö­ßer ist als vor ein paar Jah­ren. Der Sonn­tag hat das be­stä­tigt, ich wür­de so­gar sa­gen, ge­toppt. Wir ste­hen in sehr gu­ten Ge­sprä­chen mit ei­ni­gen nam­haf­ten Tour-Fah­rern, und wenn das mit den Fi­nan­zen klappt, bin ich op­ti­mis­tisch, dass wir ei­ni­ge von ih­nen am 26. Ju­li in Neuss wie­der­se­hen.

NGZ-FOTO: A. TINTER

Be­geis­te­rung am Stre­cken­rand wie hier in Bütt­gen war zwi­schenDüs­sel­dorf und Lüt­tich über­all zu spü­ren. Die Rad­sport­ler hof­fen nun, dass dies kei­ne Ein­tags­flie­ge war.

NGZ-FOTOS: -WOI

Zie­hen po­si­ti­ve Bi­lanz: Udo Hem­pel und Ste­phan Hil­gers (v.r.).

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