BGH kippt Ge­bühr für Fir­men­kre­di­te

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT -

KARLS­RU­HE (dpa) Gu­te Nach­richt für Hand­wer­ker und Mit­tel­ständ­ler: Ban­ken dür­fen auch von Fir­men bei der Ver­ga­be von Kre­di­ten kei­ne Be­ar­bei­tungs­ge­bühr kas­sie­ren. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) ges­tern in zwei Fäl­len ent­schie­den. Da­mit über­tra­gen die Rich­ter ih­re Grund­sät­ze ei­nes weg­wei­sen­den Ur­teils zu Ver­brau­cher­kre­di­ten von 2014 auf den Un­ter­neh­mens­sek­tor. Die In­sti­tu­te ha­ben ih­ren fi­nan­zi­el­len Auf­wand künf­tig al­lein über die Kre­dit­zin­sen zu de­cken. Jetzt dro­hen den Ban­ken ho­he Rück­for­de­run­gen. Al­lein den bei­den Klä­gern müs­sen sie 30.000 Eu­ro und 13.500 Eu­ro er­stat­ten.

Der Ver­such der Ban­ken, Kos­ten in ei­nem von der Lauf­zeit un­ab­hän­gi­gen Ex­tra-Pos­ten auf die Kun­den ab­zu­wäl­zen, be­nach­tei­ligt die Kun­den nach Auf­fas­sung des Se­nats un­an­ge­mes­sen. Für Un­ter­neh­mer gilt nach der neu­en Ent­schei­dung nichts an­de­res: Es sei nicht er­sicht­lich, war­um sie vor ei­ner ein­sei­ti­gen Gestal­tungs­macht der Ban­ken we­ni­ger ge­schützt wer­den müss­ten als Pri­vat­leu­te (Az. XI ZR 233/16).

Von dem Grund­satz­ur­teil pro­fi­tie­ren nicht nur Un­ter­neh­mer, die in Zu­kunft ei­nen Kre­dit auf­neh­men. So­lan­ge die An­sprü­che nicht ver­jährt sind, kön­nen die Ge­schäfts­leu­te auch be­reits ge­zahl­te Be­ar­bei­tungs­ent­gel­te von der je­wei­li­gen Bank zu­rück­for­dern. Bis En­de des Jah­res gilt das in je­dem Fall noch für Ge­büh­ren, die 2014 oder spä­ter kas­siert wur­den.

Wie stark sol­che Rück­for­de­run­gen die Ban­ken be­las­ten könn­ten, war zu­nächst nicht ab­zu­schät­zen. Der Ban­ken­fach­ver­band teil­te mit, das hän­ge „je nach Bank da­von ab, in wel­chem Ma­ße und auf wel­che Art Be­ar­bei­tungs­ent­gel­te ge­nom­men wur­den“. Nach der BGH-Ent­schei­dung zu den Ver­brau­cher­kre­di­ten kam das Ur­teil nicht ganz über­ra­schend. 2016 hat­ten die Rich­ter zu­dem noch ei­ne Ge­bühr ge­kippt, die Bau­spa­rer zah­len muss­ten, um ihr Dar­le­hen in An­spruch zu neh­men. In­so­fern wä­re vor­stell­bar, dass Ban­ken mit den Be­ar­bei­tungs­ent­gel­ten schon vor­sich­ti­ger ge­wor­den sind. In bei­den Karls­ru­her Fäl­len ging es um Ge­büh­ren für Dar­le­hen in Mil­lio­nen­hö­he. Die An­wäl­te der be­trof­fe­nen Ban­ken hat­ten ar­gu­men­tiert, dass das Prü­fen der Kre­dit­wür­dig­keit bei Dar­le­hen die­ser Grö­ßen­ord­nung viel mehr Auf­wand ver­ur­sa­che. Ge­schäfts­leu­te könn­ten au­ßer­dem ganz an­ders ver­han­deln und kal­ku­lie­ren als ein­fa­che Bank­kun­den. Die be­zahl­te Ge­bühr wir­ke sich au­ßer­dem bei der Steu­er güns­tig für die Fir­men aus. Das lie­ßen die Rich­ter aber nicht gel­ten: Nur weil ein er­fah­re­ner Un­ter­neh­mer die Ge­samt­be­las­tung mög­li­cher­wei­se bes­ser ab­schät­zen kön­ne, ma­che das die Ge­bühr nicht bes­ser.

Ban­ken müs­sen den Klä­gern 30.000 und 13.500 Eu­ro er­stat­ten

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.