Som­mer­nachts­traum als pu­re Come­dy

Die Hand­le­bards aus Lon­don ha­ben zum ers­ten Mal im Glo­be ge­spielt. Zu gern will man sie wie­der­se­hen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS - VON HEL­GA BITTNER

NEUSS Die Ku­lis­se hat et­was von ei­ner Wan­der­büh­ne. Al­te Vor­hän­ge hän­gen über ei­nem Seil, ein biss­chen de­ko­riert mit Tro­cken­blüm­chen, rechts und links sind Lü­cken ge­las­sen zum Rein- und Raus­schlüp­fen. Selbst das Fahr­rad passt, reicht es doch als Trans­port­mit­tel für die­ses ge­nüg­sa­me Büh­nen­bild, in dem gleich Sha­ke­speares gan­zer „Som­mer­nachts­traum“ge­spielt wer­den soll. Von vier Schau­spie­lern. In 16 Rol­len. Die El­fen nicht mal mit­ge­rech­net.

Schnel­lig­keit ge­hört al­so zum täg­lich Brot der Hand­le­bards’ aus Lon- don, die zum ers­ten Mal zum Sha­ke­speare-Fes­ti­val ein­ge­la­den sind. Und hof­fent­lich nicht zum letz­ten Mal. Tom Di­xon, Cal­lum Bro­die, Calum McIn­tosh und Mat­t­hew Se­ager schei­nen selbst den größ­ten Spaß zu ha­ben, die­ser Viel-Per­so­nen-Ge­schich­te je­de Ro­man­tik aus­zu­trei­ben und sie statt­des­sen als rei­ne Come­dy zu zei­gen.

Die Hand­le­bards spie­len mit dem, was auf ein Fahr­rad passt. Das ist zum ei­nen ihr Cre­do. Ein an­de­res: Wenn wir Darstel­ler brau­chen, ho­len wir sie uns aus dem Pu­bli­kum. So wer­den aus Jörg und Norbert El­fen, die vor­ab in­stru­iert und mit ei­nem el­f­en­ty­pi­schen Ko­s­tüm ver­sorgt wer­den, ob­wohl sie doch wie je­der an­de­re Zu­schau­er, nichts Bö­ses ah­nend, ein­fach nur da­sit­zen. Noch schlim­mer er­geht es sechs an­de­ren, die fürs Schluss­bild auf die Büh­ne ge­holt wer­den und auch noch Sät­ze von sich ge­ben müs­sen. Weil aber al­le vier En­sem­ble­mit­glie­der zwei St­un­den lang nicht da­vor zu­rück­scheu­en, sich selbst auch zum Af­fen zu ma­chen, ist dar­an nichts pein­lich, wirkt die­se un­frei­wil­li­ge Zu­schau­er­be­tei­li­gung am Büh­nen-Ge­sche­hen wie selbst­ver­ständ­lich.

Min­des­tens vier Rol­len über­nimmt je­der der Hand­le­bards’ (von Fahr­rad­len­ker = hand­le­bars, mit ei- nem „d“als Hom­mage an den Bar­den Sha­ke­speare). Müss­te er in zwei­en zu se­hen sein, wird so ge­tan als ob: Da steht Ly­san­der als Ja­cke auf der Büh­ne, wenn Calum McIn­tosh als Hip­po­ly­ta spricht. Pucks Um­hang hängt an ei­nem Ha­ken, wenn Cal­lum Bro­die zur Her­mia wird, He­le­nas Rock an ei­nem Bü­gel, wenn Tom Di­xon den Hand­wer­ker Bot­tom gibt und des Her­zogs Kopf­schmuck (ein Fahr­rad­helm!) am aus­ge­streck­ten Arm ei­nes Mit­spie­lers, wenn Mat­t­hew Se­ager sich in De­me­tri­us ver­wan­delt. Wo­bei die Rol­len so ge­schickt auf die Vier ver­teilt sind, dass we­der das Hin- und Her­sprin­gen noch der Rol­len-Stell- ver­tre­ter als sol­cher zum über­reiz­ten Gag wird. Da braucht es nicht mal die Fahr­rad­klin­gel, die je­der Darstel­ler pas­send in der Far­be sei­nes Ko­s­tüms am Fin­ger trägt, und die er je­des Mal zum Klin­gen bringt, wenn er die Rol­le wech­selt.

Dass die Ins­ze­nie­rung von Ja­mes Far­rell ein Rie­sen­spaß ist, hängt auch mit dem Glo­be an sich zu­sam­men. Oh­ne die Nä­he zum Pu­bli­kum, das eher Kom­pli­ze im Spiel als nur Zu­schau­er ist, wür­de die Be­ar­bei­tung nicht funk­tio­nie­ren. Das Spiel­feld für die Hand­le­bards muss klein und eng sein – dann ge­lingt ih­nen mit ho­her Pro­fes­sio­na­li­tät schöns­tes Wan­der­büh­nen-Thea­ter.

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