Lan­des­re­gie­rung schafft an­ony­me Be­wer­bun­gen ab

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NORDRHEIN-WESTFALEN -

DÜSSELDORF (kib) Die schwarz-gel­be Re­gie­rung in NRW will die Mög­lich­keit an­ony­mer Be­wer­bun­gen auf Lan­des­stel­len ab­schaf­fen. „Die an­ony­mi­sier­te Be­wer­bung in der Lan­des­ver­wal­tung war von An­fang an Murks“, sag­te die Staats­se­kre­tä­rin im Mi­nis­te­ri­um für Kin­der, Fa­mi­lie, Flücht­lin­ge und In­te­gra­ti­on, Se­rap Gü­ler (CDU), un­se­rer Re­dak­ti­on. Es sei der fal­sche An­satz, von Men­schen zu ver­lan­gen, dass sie ih­re Ein­wan­de­rungs­ge­schich­te, ihr Ge­schlecht oder ih­re Be­hin­de­rung ver­ber­gen, um ei­nen Job im öf­fent­li­chen Di­enst zu be­kom­men.

Zu­dem sei es ja ge­ra­de das Ziel, mehr Men­schen mit Ein­wan­de­rungs­ge­schich­te für die Ver­wal­tung zu ge­win­nen. „Des­halb wer­den wir die­ses Ver­fah­ren ein­stel­len.“Im Wett­be­werb um die bes­ten Köp­fe und bei der Be­kämp­fung des dro­hen­den Fach­kräf­te­man­gels wer­de die neue Lan­des­re­gie­rung an­de­re be­währ­te Ver­fah­ren ein­set­zen.

Ziel an­ony­mer Be­wer­bun­gen ist es, un­ter­re­prä­sen­tier­ten Grup­pen in Be­wer­bungs­ver­fah­ren ei­ne fai­re Chan­ce zu ge­ben. Wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en zu­fol­ge ist es sehr schwer, bei der Aus­wahl von Kan­di- da­ten Vor­ur­tei­le aus­zu­blen­den. Laut ei­ner ak­tu­el­len Un­ter­su­chung von „Spie­gel“und Baye­ri­schem Rund­funk gilt dies auch für die Woh­nungs­su­che. Aus­län­der hat­ten es dem­zu­fol­ge deut­lich schwe­rer, in deut­schen Groß­städ­ten ei­ne Woh­nung zu fin­den.

In dem an­ony­mi­sier­ten Ver­fah­ren der bis­he­ri­gen Lan­des­re­gie­rung wur­den Merk­ma­le wie Al­ter, Ge­schlecht oder Na­tio­na­li­tät in Be­wer­bun­gen um Stel­len in den Mi­nis­te­ri­en von ei­ner neu­tra­len Person un­kennt­lich ge­macht. Die­se Person war in die dar­auf­fol­gen­den Be­wer- be­r­aus­wahl nicht ein­ge­bun­den. Die Aus­wahl er­folg­te nur auf­grund von Qua­li­fi­ka­tio­nen.

Im schwarz-gel­ben Ko­ali­tons­ver­trag heißt es, an­ony­mi­sier­te Be­wer­bun­gen hät­ten sich in der Lan­des­ver­wal­tung nicht be­währt. Dem wi­der­spre­chen je­doch die Er­fah­run­gen un­ter Rot-Grün. Ein Zwi­schen­be­richt, den die da­ma­li­ge Re­gie­rung im Mai 2015 ver­fasst hat­te, kommt zu dem Er­geb­nis, dass die Ver­fah­ren ei­nen Bei­trag zur Her­stel­lung von Chan­cen­gleich­heit zwi­schen Be­wer­bern leis­ten kön­nen. An­ony­mi­sier­te Be­wer­bun­gen sei­en ge­eig­net, „mög­li­che Dis­kri­mi­nie­run­gen im Be­wer­bungs­pro­zess zu re­du­zie­ren“. Zu­dem hiel­ten Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che sie für gut rea­li­sier­bar. Und sie trü­gen dem Prin­zip der Bes­ten­aus­le­se eben­so Rech­nung wie an­de­re Ver­fah­ren. Nur ver­ein­zelt gab es in den Mi­nis­te­ri­en Kri­tik am Ver­fah­ren. So wur­de die Aus­wahl auf­grund blo­ßer Fak­ten oh­ne „per­sön­li­che No­te“als un­ge­wohnt emp­fun­den. In ei­nem Res­sort wur­de ein Mehr­auf­wand kri­ti­siert. Für ei­ne ab­schlie­ßen­de Be­wer­tung al­ler­dings war es dem Bericht der Vor­gän­ger­re­gie­rung zu­fol­ge noch zu früh.

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