Er konn­te sei­ne Mei­nung än­dern

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - POLITIK -

Kar­di­nal Meis­ner war ei­ne mar­kan­te Gestalt, die nie­man­den kalt ließ. Des­we­gen ver­such­te man ihn in Schub­la­den zu zwän­gen, um ihn ir­gend­wie in den Griff zu be­kom­men. Doch nie­man­dem ist das wirk­lich ge­lun­gen, nicht mal dem Papst. Meis­ner hat Jo­han­nes Paul II. wi­der­spro­chen, auch sei­nem Freund Be­ne­dikt XVI. und eben­so Papst Fran­zis­kus. Er war nie un­ter­wür­fig. Er war kei­ner von den lang­wei­li­gen Kon­ser­va­ti­ven, die sich nur in Zir­keln von Gleich­ge­sinn­ten wohl­füh­len und al­les nur des­we­gen schon gut fin­den, weil es im­mer so war. Man­che von de­nen fand er „pfäf­fisch“, er ließ sich auch da nicht ver­ein­nah­men, aber wenn sie mal wie­der, wie er fand, un­ge­recht at­ta­ckiert wur­den, dann ver­tei­dig­te er sie.

Si­cher ist er nicht nur mit sei­nem für Rhein­län­der oft zu her­ben schle­si­schen Hu­mor man­chem un­sanft auf die Fü­ße ge­tre­ten und das hat ihn in nach­denk­li­chen Mo­men­ten be­drückt. Den­noch, ob es um bio­ethi­sche Fra­gen ging oder zum Bei­spiel die „Pil­le da­nach“: Wenn man ihm über­zeu­gen­de wis­sen­schaft­li­che Ar­gu­men­te dar­le­gen konn­te, war er fä­hig, sei­ne Mei­nung zu än­dern. Wenn er über­zeugt war. Das ge­lang bei­lei­be nicht im­mer. Bei un­se­rer letz­ten Be­geg­nung sag­te er beim Ab­schied ein­dring­lich: Wenn Sie wie­der mal an­de­rer Mei­nung sind, kom­men Sie trotz­dem wie­der. Der Tod sei, hat er ein­mal ge­sagt, das Hin­über­ge­hen von der ei­nen gu­ten Hand Got­tes in die an­de­re gu­te Hand Got­tes. Das wün­sche ich auch dem al­ten Kar­di­nal. gro­ßer Men­schen­lie­be, prä­zi­ser Analyse und tie­fem Glau­ben. Hen­ri­et­te Re­ker

Ober­bür­ger­meis­te­rin Köln

Sei­ne kri­ti­sche Stim­me wird uns feh­len. Sig­mar Ga­b­ri­el

Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter

Mit Kar­di­nal Meis­ner konn­te man strei­ten, weil sei­ne Po­si­ti­on und Hal­tung stets auf ei­nem

FO­TO: DPA

Der Arzt und Theo­lo­ge Man­fred Lütz (63) be­fasst sich in sei­nen Bü­chern auch mit der ka­tho­li­schen Kir­che.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.