Töd­li­che Ra­se­rei

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - STIMME DES WESTENS - VON HEN­NING RA­SCHE

Wer sich zu ei­nem Wett­ren­nen mit mehr als 200 PS star­ken Au­tos in ei­ner In­nen­stadt ver­ab­re­det, dem ist nicht zu hel­fen. Es ist zu be­grü­ßen, dass der Bun­des­ge­richts­hof hart ge­gen Ra­ser vor­geht und er­neut ein schar­fes Ur­teil ge­fällt hat. Dass Men­schen bei il­le­ga­len Au­to­ren­nen ge­tö­tet wer­den, ent­springt aus ju­ris­ti­scher Sicht nicht dem Zu­fall, son­dern dem Vor­satz. Wer ins Au­to steigt und ei­ne Fünf­zi­g­er­zo­ne mit dem Nür­burg­ring ver­wech­selt, der muss, nach al­lem, was be­reits ge­sche­hen ist, mit dem Tod ei­nes Men­schen rech­nen. Ja, er nimmt den Tod ei­nes Men­schen in Kauf. Op­fer die­ses Irr­sinns kann je­der wer­den. Ra­ser wol­len viel­leicht kei­ne To­ten, aber Ra­ser tö­ten. Das ist es, was zählt.

Die Be­grün­dung der Ent­schei­dung aber ist be­fremd­lich. Das Rechts­emp­fin­den der Be­völ­ke­rung ist nicht kon­stant. In an­de­ren Fäl­len droht da­bei Un­ge­mach: Sol­len sich Ge­rich­te bei Kin­der­schän­dern am Rechts­emp­fin­den der Be­völ­ke­rung ori­en­tie­ren? Oder bei Ter­ro­ris­ten? Bes­ser nicht. Die Jus­tiz ist be­son­ne­ner als das Volk. Sie soll­te ihm nicht nach dem Mund re­den, son­dern schlicht Ge­set­ze an­wen­den. BE­RICHT MIT BAUCH­GE­FÜHL GE­GEN RA­SER, SEI­TE B 10

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