Jaz­zi­ges Fi­na­le des Sha­ke­speare-Fes­ti­vals im Glo­be

Die Sän­ge­rin, Pia­nis­tin und Kom­po­nis­tin Ca­roll Van­wel­den war um­ju­bel­ter Gast bei „Sha­ke­speare in Jazz“.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS -

NEUSS (Ni­ma) Das Sha­ke­speareFes­ti­val im Glo­be Neuss en­de­te am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de an zwei aus­ver­kauf­ten Aben­den mu­si­ka­lisch und mit glän­zen­dem Er­folg. Zum drit­ten Mal war die im bel­gi­schen Gent ge­bo­re­ne und in Heidelberg le­ben­de Sän­ge­rin, Pia­nis­tin und Kom­po­nis­tin Ca­roll Van­wel­den um­ju­bel­ter Gast bei „Sha­ke­speare in Jazz“. Nach der Be­geis­te­rung, die ihr Auf­tritt 2013 beim Fes­ti­val in Neuss aus­lös­te, hat sie sich in ih­ren Kom­po­si­tio­nen bei­na­he aus­schließ­lich auf Sha­ke­speares So­net­te ein­ge­las­sen. Nun war sie mit der Urauf­füh­rung ih­res be­reits drit­ten Al­bums „Ca­roll Van­wel­den: Sha­ke­speares Son­nets 3.0“im Glo­be.

Sie sieht nun­mehr die Tri­lo­gie als vollen­det an. Wie­der­um hat sie 16 So­net­te ver­tont, da­bei sind ihr „die Tex­te das wich­tigs­te und ste­hen des­halb im Vor­der­grund. Mei­ne Mu­sik se­he ich wie um die Tex­te flie­ßen­de Far­ben, die Emo­tio­nen ver­stär­ken“. Die oh­ne­hin zeit­los in schö­ne Spra­che ge­gos­se­nen Ver­se Sha­ke­speares er­hal­ten in ih­ren klas­sisch jaz­zi­gen Ver­to­nun­gen span­nen­de Ak­tua­li­tät.

Im So­nett 108 lebt die Lie­be nach dem Tod wei­ter. Ei­ne ru­hi­ge Ein­lei­tung in ele­gan­tem Groo­ve er­fährt ei­nen groß­ar­ti­gen Hö­he­punkt, „eter­nal love in love’s fresh ca­se“, um in ei­nem me­lan­cho­li­schen Cho­ral zu en­den. Den spielt wie meist auf dem wei­che­ren Flü­gel­horn der Trom­pe­ter Tho­mas Siff­ling. Über­haupt gibt Ca­roll Van­wel­den in ih­ren jüngs­ten Kom­po­si­tio­nen ih­ren Mit­spie­lern viel Raum für Im­pro­vi­sa­tio­nen, wäh­rend die Pia­nis­tin den Flü­gel sel­ten her­vor­spielt. Den nut­zen Bas­sist Mi­ni Schulz und der Gi­tar­rist Hans van Oost, der nur, aber re­gel­mä­ßig, in Neuss da­bei ist, zu tem­pe­ra­ment­vol­len Ex­kur­sio­nen. Das So­nett 73, in dem Sha­ke­speare über die Ver­gäng­lich­keit des Le­bens nach­denkt, wid­met die Kom­po­nis­tin ih­rem ver­stor­be­nen Va­ter. Gleich­wohl dür­fen in ko­los­sa­len und be­ju­bel­ten Im­pro­vi­sa­tio­nen Gi­tar­re und Trom­pe­te glän­zen.

Da blüh­te auch der zu­ver­läs­sig ver­hal­ten agie­ren­de Drum­mer Jens Düp­pe auf. Weil es aber vor­nehm­lich um die Tex­te geht, ist das be­stim­men­de Ele­ment die kla­re, wan­del­ba­re und in Hö­hen und war­men Tie­fen an­ge­neh­me Stim­me Ca­roll Van­wel­dens.

Im So­nett 127 par­odiert sie las­ziv die se­xu­ell def­ti­ge Ly­rik um die ge­lieb­te „dark La­dy“. Auf der neu­en CD ist mit dem So­nett 18 das be­kann­tes­te aus der ins­ge­samt 154 So­net­te um­fas­sen­den Ly­rik­samm­lung auf­ge­nom­men. Da­bei geht es um die Uns­terb­lich­keits­idee: „So lan­ge Men­schen at­men, Au­gen se­hen, wirst du, wie mein Ge­sang, nicht un­ter­ge­hen.“Wie zu­tref­fend für d die­sen gan­zen Abend! Ein be­geis­ter­tes Pu­bli­kum ver­an­stal­te­te nach dem Kon­zert ge­ra­de­zu ei­nen „Run“auf die CD, die vor ih­rem of­fi­zi­el­len Er­schei­nen nun ex­klu­siv beim Sha­ke­speare-Fes­ti­val zu er­hal­ten war.

FO­TO: CHRIS­TOPH KREY

Pia­nis­ten und Sän­ge­rin Ca­roll Van­wel­den prä­sen­tier­te mit ih­ren Mit­spie­lern „Sha­ke­speares Son­nets 3.0“.

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