An­spruchs­vol­le Un­ter­hal­tung im AEG

Das Duo Ulan & Ba­tor for­der­te mit „Ir­re­pa­ra­beln“das Pu­bli­kum – vie­le Zu­schau­er hiel­ten nicht durch.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KAARST - VON ELI­SA­BETH KELDENICH

KAARST Zwei Stüh­le, zwei Män­ner, zwei Strick­müt­zen: Ulan und Ba­tor prä­sen­tier­ten im nur mä­ßig be­such­ten Al­bert-Ein­stein-Fo­rum ihr neu­es Pro­gramm „Ir­re­pa­ra­beln“. Wer wer war, blieb un­auf­ge­klärt. Der Abend war nichts für Couch-Po­ta­toes, die sich ein­fach be­rie­seln las­sen und an den rich­ti­gen Stel­len klat­schen woll­ten. Für Letz­te­res blieb so­wie­so kei­ne Zeit. Denn es hieß (höl­lisch) auf­pas­sen, dass ei­nem in dem ab­sur­den Wort­thea­ter nichts ent­ging. Wer durch­hielt – ei­ni­ge Zu­schau­er gin­gen schon nach kur­zer Zeit – wur­de mit Ka­ba­rett der be­son­de­ren Klas­se be­lohnt.

In zum Teil im­pro­vi­sier­ten Sze­nen lie­fer­ten sich die ge­lern­ten Schau­spie­ler Se­bas­ti­an Rü­ger und Frank Smil­gies gro­tes­ke Dia­lo­ge: Im „So­cken­kauf­haus“en­de­te das Er­ste­hen dunk­ler Strümp­fe „gleich wel­cher Far­be“in ei­nem mit be­kann­ten Sprach­hül­sen wie „Sie kom­men zu­recht?“ge­spick­ten Ver­kaufs­ge­spräch. Ein Spa­zier­gang im Stadt­park, von bei­den Künst­lern mit ent­spre­chen­den Ge­räu­schen un­ter­legt, mün­de­te in ein „Droh­nen füt­tern“und den Wunsch, von ih­nen doch bit­te scham­los „ge­scannt“zu wer­den.

Das Mot­to „Ge­sund­heit als Chan­ce“ent­larv­te ei­nen Arzt­be­such als kom­plet­te Far­ce: Der Me­di­zi­ner schau­te den sich kon­vul­si­visch win­den­den Pa­ti­en­ten gar nicht an, son­dern dia­gnos­ti­zier­te ei­ne Pho­bie (das Wort musst er erst nach­schla­gen) vor Maul­wür­fen. Bei ei­ner „Re­gie­rungs­er­klä­rung“be­zo­gen Ulan und Ba­tor das Pu­bli­kum mit ein: Es soll­te bei be­stimm­ten Be­we­gun­gen Ekel- oder Schock­ge­räu­sche von sich ge­ben, was sehr zur Er­hei­te­rung der Zu­schau­er bei­trug. Po­li­tikund Kul­tur­ma­ga­zi­ne im Fern­se­hen be­ka­men beim Pro­gramm­punkt „Phra­sen­be­ton“ihr Fett weg und im Interview be­rich­te­te ein preis­ge­krön­ter Au­tor über die Ent­ste­hung sei­nes ero­ti­schen Ro­mans „Im Del­ta der Rau­te“.

Nach der Pau­se hat­te sich der Zu­schau­er­raum sicht­lich ge­leert. Ulan und Ba­tor lie­fen nun trotz­dem zur Hoch­form auf und sorg­ten als Vä­ter, die die Tauf­na­men ih­rer Kin­der we­gen aku­ten Geld­man­gels in Mar­ken­na­men um­wan­del­ten, vor dem erns­ten Hin­ter­grund der Ar­beits­platz­pro­ble­ma­tik für vie­le La­cher. Hö­he­punkt der ab­sur­den Darstel­lung war das Schie­ben ih­rer Stüh­le über die Büh­ne – das Kratz­ge­räusch sym­bo­li­sier­te den Ti­tel „Gau­men­se­gel-De­kon­strukt“(Schnar­chen) des „Kul­tur­ra­dio Klas­sik mo­dern“. Das ver­blie­be­ne Pu­bli­kum amü­sier­te sich köst­lich und spen­de­te dank­ba­ren Bei­fall.

AR­CHIV­FO­TO: EINSLIVE

Das Duo Ulan & Ba­tor trat im AEG auf – mit Strick­müt­zen.

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