Hin­ter den Ku­lis­sen des Ra­baue-Fes­tes in Gre­ven­broich

Zwi­schen Lam­pen­fie­ber und Schmink­spie­gel: Back­s­tage be­rei­ten sich die Künst­ler sorg­fäl­tig auf ih­re Auf­trit­te vor.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - GREVENBROICH & DORMAGEN - VON CHRIS­TI­AN KANDZORRA

GRE­VEN­BROICH Von Ner­vo­si­tät will Sa­scha Klaar nicht spre­chen. „Ich tre­te ja schon seit 30 Jah­ren auf“, sagt der „Teu­fel­spia­nist“selbst­be­wusst, wäh­rend er sich hin­ter der Büh­ne noch ein­mal den An­zug zu­recht­zupft. „Der muss per­fekt sit­zen. Da bin ich ei­tel“, gibt er zu. Ein biss­chen an­ge­spannt ist der Show­Pia­nist mit den knall­ro­ten Schu­hen aber doch: „Wir ha­ben im Vor­feld kei­nen Sound­check ma­chen kön­nen. Da­für hat die Zeit ein­fach nicht ge­reicht. Ich hof­fe, dass al­les glatt läuft.“Die gu­te Lau­ne des 46-Jäh­ri­gen ist je­doch spür­bar stär­ker als sei­ne Sor­ge: Er sor­tiert kurz vor dem Auf­tritt sei­ne schöpft Ener­gie.

So ma­chen das vie­le der Künst­ler, die die Be­su­cher­mas­sen auf dem Schloss­platz vor dem ei­gent­li­chen Haupt-Act – der Ra­baue – in Stim­mung brin­gen sol­len. Doch kaum je­mand er­hält de­tail­liert Ein­blick in die Welt hin­ter dem gro­ßen schwar­zen Vor­hang. Er­staun­lich: Im Back­s­tage-Be­reich di­rekt hin­ter der Büh­ne und im Haus Hart­mann geht es bei­na­he fa­mi­li­är zu. Dort ist man per Du, es ist ru­hig und vom gro­ßen Tru­bel drau­ßen – ei­gent­lich kei­ne Spur. In der pri­va­ten At­mo­sphä­re be­rei­ten sich die Mu­si­ker ganz un­ter­schied­lich auf ih­re Auf­trit­te vor. Par­ty-Schla­ger­kö­ni­gin An­to­nia aus Ge­dan­ken und Ti­rol et­wa lenkt sich beim Schmin­ken vom Lam­pen­fie­ber ab. Die ös­ter­rei­chi­sche En­ter­tai­ne­rin, die ei­gent­lich San­dra Stumpt­ner heißt, hat stets al­le Uten­si­li­en da­bei – in­klu­si­ve selbst­ent­wor­fe­nem Dirndl, mit dem sie auf die Büh­ne tritt. Die 37-Jäh­ri­ge sagt: „Ein biss­chen Lam­pen­fie­ber ge­hört da­zu. Es wä­re schlimm, wenn das nicht so wä­re.“

Die Frau, die Back­s­tage beim Ra­baue-Open-Air al­les ko­or­di­niert und den Über­blick be­hält, heißt Yvon­ne van den Brock und ist die Toch­ter des Ra­baue-Chefs Pe­ter van den Brock. Sie pen­delt stän­dig zwi­schen der „Ru­he-Oa­se“Haus Hart­mann und dem Büh­nen­be­reich, spricht mit ih­ren Kol­le­gen über ein Funk­ge­rät; ei­ne Kl­ad­de mit al­len Daten im­mer in der Hand. „Am An­fang ist im­mer al­les hek­tisch. Aber das ent­spannt sich im Lau­fe der Zeit“, sagt die ge­lern­te Ver­an­stal­tungs­kauf­frau fast rou­ti­niert.

Da­bei ist der Zeit­plan eng ge­tak­tet: erst die drei Bands „Al­treu­cher“, „Kem­pes Fei­nest“und „Mil­jö“, an­schlie­ßend Sa­scha Klaar, dann An­to­nia aus Ti­rol und schließ­lich – zum Fi­na­le – die Ra­baue. „Al­le Mu­si­ker brin­gen ih­re ei­ge­nen In­stru­men­te mit. Die ei­nen bau­en nach ih­rem Auf­tritt so­fort ab, die an­de­ren zeit­gleich al­les auf. Ein­ge­plant ha­ben wir für die Wech­sel je­weils ge­ra­de ein­mal fünf Mi­nu­ten“, er­zählt die 24-Jäh­ri­ge. Ent­spannt und gut ge­stärkt vom Back­s­tage-Buf­fet lässt es wäh­rend­des­sen Ra­baue-Bas­sist Ben­ny Wei­ßert an­ge­hen, der die Zeit vor dem Auf­tritt im­mer nutzt, um kom­plett ab­zu­schal­ten: „Ich ver­su­che mei­ne Stim­me zu scho­nen und die Ener­gie vom Sound­check bis zum Auf­tritt hoch­zu­hal­ten.“

Ge­dan­ken um sei­nen Bass muss er sich da­bei nicht ma­chen, denn zwei Roa­dies küm­mern sich nur um die Gre­ven­broi­cher Band. Da­zu zählt Mar­kus Meu­rer, der Back­s­tage un­ter an­de­rem die Gi­tar­ren der Mu­si­ker stimmt: „Die Me­tall­sai­ten ver­zie­hen sich bei den Tem­pe­ra­tu­ren ger­ne. Ich stel­le sie wie­der rich­tig ein.“

FO­TOS: C. KANDZORRA

Gut ge­launt – die Ra­baue vor ih­rem gro­ßen Auf­tritt.

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