„Die De­mo­kra­tie muss je­den Tag ver­tei­digt wer­den“

Das Köl­ner NS-Dok zeigt bis zum 8. Ok­to­ber die au­ßer­ge­wöhn­li­che Wan­der­aus­stel­lung „Ras­sen­dia­gno­se Zi­geu­ner“.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KÖLN KOMPAKT - VON STE­PHAN EPPINGER

KÖLN Das NS-DOK zeigt bis zum 8.Ok­to­ber ei­ne be­deu­ten­de Aus­stel­lung des Do­ku­men­ta­ti­ons- und Kul­tur­zen­trums Deut­scher Sin­ti und Ro­ma. Im Zen­trum steht der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Völ­ker­mord an den Sin­ti und Ro­ma: von der Aus­gren­zung und Ent­rech­tung der Min­der­heit im Deut­schen Reich bis zu ih­rer sys­te­ma­ti­schen Ver­nich­tung im be­setz­ten Eu­ro­pa.

Der men­schen­ver­ach­ten­den Per­spek­ti­ve der Tä­ter wer­den Zeug­nis­se der Op­fer ge­gen­über­ge­stellt. His­to­ri­sche Fa­mi­li­en­fo­tos von Sin­ti und Ro­ma ge­ben Ein­bli­cke in die Le­bens­wirk­lich­keit der Men­schen und las­sen sie als In­di­vi­du­en her­vor­tre­ten. Die Fo­to­gra­fi­en zei­gen Ar­bei­ter und Hand­wer­ker ge­nau­so wie Sol­da­ten. Es sind Fa­mi­li­en­fo­tos von Tau­fen oder Kom­mu­nio­nen. Dem ge­gen­über ge­stellt wer­den Bild­kar­ten, die Sin­ti und Ro­ma in ei­ner ste­reo­ty­pi­schen Art und Wei­se dar­stel­len, die nichts mit de­ren All­tag zu tun hat.

Die Aus­stel­lung macht die zer­stör­ten Le­bens­we­ge hin­ter den abs­trak­ten Do­ku­men­ten der bü­ro­kra­tisch or­ga­ni­sier­ten Ver­nich­tung sicht­bar. Be­han­delt wird auch die Ge­schich­te der Über­le­ben­den im Nach­kriegs­deutsch­land, die erst spät als NS-Op­fer an­er­kannt wur­den. Es war die Bür­ger­rechts­be­we­gung der deut­schen Sin­ti und Ro­ma, die die ideo­lo­gi­schen und per­so­nel­len Kon­ti­nui­tä­ten aus der Zeit des „Drit­ten Rei­ches“zum Ge­gen­stand ei­ner ge­sell­schaft­li­chen De­bat­te ge­macht hat­te. Am En­de der Aus­stel­lung steht ein Aus­blick auf die Men­schen­rechts­si­tua­ti­on der Sin­ti und Ro­ma-Min­der­hei­ten in Eu­ro­pa nach 1989.

„Es geht nicht um ei­ne Schuld­über­tra­gung auf heu­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen, es geht um die Ge­samt­ver­ant- wortung für un­se­re Ge­sell­schaft. Wir wol­len raus aus der Op­fe­rol­le. Wir sind Deut­sche und las­sen uns die­ses Recht nicht ab­spre­chen. Aber be­stimm­te Grup­pen wol­len uns wie­der zum Sün­den­bock ab­stem­peln“, sagt der Vor­sit­zen­de des Zen­tral­rats Deut­scher Sin­ti und Ro­ma, Ro­ma­ni Ro­se und be­rich­tet von Um­fra­gen, bei de­nen 60 Pro­zent der Be­fra­gen kei­ne Sin­ti und Ro­ma als Nach­barn ha­ben möch­ten. „Die De­mo­kra­tie ist nicht selbst­ver­ständ­lich, sie muss je­den Tag ver­tei­digt wer­den“, sagt Ro­se bei ei­nem Rund­gang durch die Aus­stel­lung. www.ns­dok.de

FO­TO: EPPINGER

Ro­ma­ni Ro­se, NS-Dok-Chef Wer­ner Jung und Ku­ra­tor Frank Reu­ter (v.l.) in der Son­der­aus­stel­lung im NS-Dok.

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