Ha­dri­an V.: Kon­kla­ve bei Was­ser und Brot

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - UNTERHALTUNG -

Ei­ne Papst­wahl im Mit­tel­al­ter konn­te ei­ne Tor­tur sein. Kaum je­mand wuss­te das bes­ser als Kar­di­nal Ot­to­bo­no Fie­schi. Fünf­mal war er nach dem Tod ei­nes Paps­tes ei­ner der ein­be­ru­fe­nen Kar­di­nä­le ge­we­sen. Un­ter an­de­rem hat­te er 1271 Gre­gor X. mit­ge­wählt – bei ei­ner mehr als drei Jah­re dau­ern­den Wahl. Da­mit der Stuhl Pe­tri nie wie­der so lan­ge un­be­setzt blei­ben soll­te, gab es seit dem Zwei­ten Kon­zil von Lyon 1274 neue Re­geln für die Papst­wahl – die be­inhal­te­te un­ter an­de­rem den Ein­schluss der Kar­di­nä­le im Kon­kla­ve. Da­durch soll­ten die Emi­nen­zen zur Ei­le an­ge­trie­ben wer­den, denn im Kon­kla­ve konn­te es un­ge­müt­lich wer­den. Be­son­ders un­an­ge­nehm wa­ren die Um­stän­de bei der Papst­wahl Ha­dri­ans V. im Ju­li 1276. Schuld dar­an war Karl von An­jou, Se­na­tor von Rom. Er miss­brauch­te sei­ne ört­li­che Macht und ließ den Kar­di­nä­len nur Was­ser und Brot ser­vie­ren. Al­ler­dings galt das nur für die ita­lie­ni­schen Emi­nen­zen – die Fran­zo­sen be­ka­men feins­te Spei­sen ser­viert. Der Se­na­tor woll­te da­durch ei­nen fran­zö­si­schen Kan­di­da­ten auf dem Papst­thron durch­set­zen. Die Kar­di­nä­le wähl­ten nach nur neun Ta­gen trotz­dem ei­nen Ita­lie­ner: Ot­to­bo­no Fie­schi. Er wähl­te den Papst­na­men Ha­dri­an V., wur­de je­doch nie in­thro­ni­siert. Nach dem Kon­kla­ve war er be­reits ge­schwächt, et­wa ei­nen Mo­nat spä­ter starb er, mög­li­cher­wei­se an den Fol­gen der Ent­beh­run­gen. Sein Nach­fol­ger wur­de Jo­han­nes XXI.

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