Sie­mens klagt we­gen Gas­tur­bi­nen

Die Lie­fe­rung auf die Krim stellt das Russ­land-Ge­schäft in Fra­ge.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT -

MÜN­CHEN (dpa) Nach dem Be­kannt­wer­den ver­trags- und sank­ti­ons­wid­ri­ger Tur­bi­nen-Trans­por­te auf die Krim stellt Sie­mens sei­ne Ge­schäft in Russ­land auf den Prüf­stand. „Man muss si­cher­lich über­le­gen, was das für die Be­zie­hun­gen zwi­schen Sie­mens und dem Land be­deu­tet, da kann man nicht ein­fach zur Ta­ges­ord­nung über­ge­hen“, hieß es in Un­ter­neh­mens­krei­sen, „das wird si­cher­lich nicht oh­ne Wir­kun­gen auf be­ste­hen­de Kon­stel­la­tio­nen blei­ben.“Man müs­se aber be­son­nen vor­ge­hen.

Am Vor­tag hat­te Sie­mens er­klärt, dass min­des­tens zwei nach Russ­land ge­lie­fer­te Gas­tur­bi­nen ver­trags- und sank­ti­ons­wid­rig auf die Krim wei­ter­trans­por­tiert wor­den sei­en. „Die­ses Vor­ge­hen stellt ei­nen kla­ren Bruch der Lie­fer­ver­trä­ge mit Sie­mens dar“, er­klär­te der Elek­tro­kon­zern. Der rus­si­sche Kun­de ha­be mehr­fach schrift­lich be­stä­tigt, dass ei­ne Ver­wen­dung auf der Krim nicht ge­plant sei. Jetzt for­de­re Sie­mens, dass die Ge­ne­ra­to­ren ver­trags­ge­mäß ins süd­rus­si­sche Ta­man zu­rück­ge­bracht wer­den oder der Ver­trag rück­ab­ge­wi­ckelt wird. Russ­lands In­dus­trie­mi­nis­ter De­nis Man­turow ver­tei­dig­te das Vor­ge­hen Mos­kaus. Russ­land ha­be sich bei der Ver­wen­dung der Tech­nik völ­lig kor­rekt ver­hal­ten, sag­te er der Agen­tur Tass: „Die Tur­bi­nen ha­ben ein rus­si­sches Zer­ti­fi­kat.“In dem Kraft­werk auf der Schwarz­meer­halb­in­sel kä­men nur rus­si­sche Pro­duk­te zum Ein­satz, die im­por­tier­te Kom­po­nen­ten ent­hal­ten könn­ten, sag­te er.

Die Agen­tur Tass mel­de­te un­ter Be­ru­fung auf Jus­tiz­quel­len, ei­ne Kla­ge von Sie­mens sei bei ei­nem Mos­kau­er Ge­richt ein­ge­gan­gen. Da­zu sag­te Man­turow, Sie­mens sei da­zu ge­zwun­gen ge­we­sen.

Sie­mens sei an dem Wei­ter­trans­port der Tur­bi­nen auf die Krim nicht be­tei­ligt ge­we­sen, hieß es am Di­ens­tag in Un­ter­neh­mens­krei­sen. Man wer­de „ga­ran­tiert nicht et­was un­ter­stüt­zen, was ei­ne kri­mi­nel­le Hand­lung ist.“Es ge­be aber ei­ne „mo­ra­li­sche Mit­ver­ant­wor­tung“.

Die EU er­laubt den Ex­port von Kraft­wer­ken nach Russ­land, nicht aber auf die von Russ­land an­nek­tier­te Krim. Der­zeit setzt Sie­mens noch rund 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr in Russ­land um. Der Kon­zern hat­te die Tur­bi­nen im ver­gan­ge­nen Som­mer ge­lie­fert. In dem Ver­trag mit den Rus­sen war dem­nach aus­drück­lich fest­ge­schrie­ben, dass die Tur­bi­nen nicht auf die Krim ge­lie­fert wer­den durf­ten.

Sie­mens hat die Un­ter­su­chun­gen ei­ner Task Force auf al­le Ein­hei­ten und Part­ner in Russ­land aus­ge­wei­tet. Die Münch­ner Staats­an­walt­schaft prüft, ob Sie­mens-Ver­ant­wort­li­che ge­gen Russ­land-Sank­tio­nen ver­sto­ßen ha­ben.

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