Rück­schritt im Be­wer­bungs­ver­fah­ren

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - STIMME DES WESTENS - VON KIRSTEN BIALDIGA

Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund sind in der Lan­des­ver­wal­tung un­ter­re­prä­sen­tiert. Ihr An­teil an der Be­völ­ke­rung in NRW liegt bei 22 Pro­zent, aber sie be­set­zen nur zwölf Pro­zent der Stel­len. An­ony­mi­sier­te Be­wer­bun­gen sind ein Mit­tel, dar­an et­was zu än­dern. Sie sol­len ver­hin­dern, dass Be­wer­ber mit aus­län­di­schem Na­men oder et­wa Äl­te­re zu Be­ginn ei­ner Aus­wahl dis­kri­mi­niert und aus­sor­tiert wer­den. Das In­stru­ment ist so an­er­kannt, dass es in Län­dern wie Bel­gi­en oder in in­ter­na­tio­na­len Kon­zer­nen wie Sie­mens An­wen­dung fin­det. Auch Orches­ter las­sen Be­wer­ber an­onym hin­ter ei­nem Vor­hang vor­spie­len.

Ge­wiss gibt es Nach­tei­le. Manch ei­nem Be­wer­ber mö­gen or­tho­gra­fi­sche Feh­ler eher ver­zie­hen wer­den, wenn deut­lich ist, dass er kein Mut­ter­sprach­ler ist. Auch ist ei­ni­gen Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen der Auf­wand zu hoch. An­ony­me Be­wer­bun­gen sind eben auch nur ein Weg von vie­len, Dis­kri­mi­nie­rung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Es spricht da­her nichts da­ge­gen, das Ver­fah­ren mit an­de­ren Maß­nah­men zu ver­knüp­fen. Das aber hat die schwarz-gel­be Lan­des­re­gie­rung nicht vor, sie kün­digt neue Me­tho­den an und bleibt da­bei va­ge. An­ony­me Be­wer­bun­gen vor die­sem Hin­ter­grund ab­zu­schaf­fen, ist ein Rück­schritt. BE­RICHT PRE­MIE­REN IM PLENUM . . ., SEI­TE A3

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