Bau­ver­ein muss kei­ne Di­vi­den­de an die Stadt zah­len

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NEUSS - VON CHRIS­TOPH KLEINAU

NEUSS Die für heute an­ge­setz­te nicht-öf­fent­li­che Haupt­ver­samm­lung der Neus­ser Bau­ver­eins AG wur­de ab­ge­sagt. Grund da­für ist der Vor­schlag von Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breuer, auf die Di­vi­den­de des städ­ti­schen Toch­ter­un­ter­neh­mens in Hö­he von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro (vor­erst) zu ver­zich­ten. Die Idee des Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den kann auch Alt-Bür­ger­meis­ter Her­bert Napp in­halt­lich nach­voll­zie­hen, das Ver­fah­ren aber nennt er ei­nen Eklat. Denn die ab­ge­sag­te Haupt­ver- samm­lung muss nun im Bun­des­an­zei­ger ver­öf­fent­licht wer­den – ein­schließ­lich der Mit­tei­lung, dass der Ge­winn­ver­wen­dungs­be­schluss ge­än­dert wer­den muss. „Da wer­den sich vie­le fra­gen: Was ist da in dem Un­ter­neh­men los?“, sagt Napp.

Da­bei ist die Antwort ganz ein­fach: Die Stadt be­han­delt ih­re Toch­ter­un­ter­neh­men gleich. Nach­dem sich Po­li­tik und Ver­wal­tung schon mit den Stadt­wer­ken dar­auf ver­stän­digt ha­ben, ei­ne Ge­winn­aus­schüt­tung von drei Mil­lio­nen Eu­ro zu­züg­lich ei­ner ein­ma­li­gen Son­der­zah­lung in glei­cher Grö­ßen­ord­nung zu­min­dest bis zu den Etat­be­ra­tun­gen 2018 im Un­ter­neh­men zu be­las­sen, soll die­ser Be­schluss jetzt auf den Bau­ver­ein aus­ge­wei­tet wer­den. Al­ler­dings: For­mal ist Be­schluss­la­ge ei­ne an­de­re, wenn der Auf­sichts­rat heute zu­sam­men­tritt. Man­che Mit­glie­der füh­len sich des­halb über­rum­pelt, sind ver­är­gert.

Der Ver­zicht trifft die Klein­ak­tio­nä­re, die rund zwei Pro­zent der Ak­ti­en hal­ten, kaum. Ih­re Di­vi­den­de ad­diert sich auf rund 2000 Eu­ro. „Klein­ak­tio­nä­re hal­ten ih­re An­tei­le aus Zu­nei­gung zum Un­ter­neh­men“, sagt Napp, dem rund 26 Eu­ro Ren­di- te „flö­ten“ge­hen. Für das Un­ter­neh­men ist der Ver­zicht aber ein Se­gen. „Als Vor­stand kann ich da nur froh­lo­cken“, sagt Bau­ver­eins-Boss Frank Lu­big. Denn die zu­rück­be­hal­te­ne Di­vi­den­de stärkt das knap­pe Ei­gen­ka­pi­tal und macht es dem Un­ter­neh­men leich­ter, am (Ka­pi­tal)Markt zu agie­ren. Hin­zu kommt, so er­klärt Eli­sa­beth Hey­ers vom Be­tei­li­gungs­aus­schuss, dass nun auch nicht 16 Pro­zent Ka­pi­tal­er­trags­steu­er fäl­lig wer­den.

Die Be­reit­schaft zum Ver­zicht wird mit ei­ner im März ein­ge­gan­ge­nen, un­er­war­te­ten Ge­wer­be­steu­er- zah­lung in Hö­he von 152 Mil­lio­nen Eu­ro er­klärt. Das ver­schafft der Stadt so viel Li­qui­di­tät, dass so­gar Straf­zin­sen an­fal­len. Bür­ger­meis­ter Breuer hat­te schon ein­mal ei­nen Di­vi­den­den­ver­zicht an­ge­regt, da­mit mehr Geld für den Woh­nungs­bau ver­füg­bar ist. Oh­ne Er­folg. Nun soll der Jah­res­ab­schluss die Ak­tio­nä­re am 31. Au­gust be­schäf­ti­gen.

Das Lu­kas­kran­ken­haus als ge­mein­nüt­zi­ge GmbH schüt­tet per se kei­ne Ge­win­ne aus. An­ders liegt der Fall Spar­kas­se, an der auch der Kreis be­tei­ligt ist. Aber auch da, sagt Breuer, ha­be man ei­ne Lö­sung ge­fun­den.

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