Mi­kro­schad­stof­fe stres­sen Erft­tier­chen

Die Klär­an­la­gen in Gre­ven­broich sind Teil ei­ner groß an­ge­leg­ten Un­ter­su­chung. Der Erft­ver­band will her­aus­fin­den, wel­che Spu­ren­stof­fe sich in der Erft be­fin­den – und wie sie sich auf wir­bel­lo­se Klein-Le­be­we­sen im Fluss aus­wir­ken.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - GREVENBROICH - VON CARS­TEN SOMMERFELD

GRE­VEN­BROICH Was al­les au­ßer vie­len Le­be­we­sen im Erft­was­ser ist – die­ser Fra­ge geht der Erft­ver­band auf den Grund. Der Ver­band un­ter­sucht, wel­che Mi­kro­schad­stof­fe, bei­spiels­wei­se Arz­nei­en und Pflan­zen­schutz­mit­tel, im Fluss­was­ser ent­hal­ten sind – und wel­che Aus­wir­kun­gen die auf wir­bel­lo­se Tie­re wie Lar­ven, Schne­cken und Mu­scheln ha­ben. Teil des Un­ter­su­chungs­pro­gramms ist die Klär­an­la­ge in Noit­hau­sen.

Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te der Erft­ver­band das For­schungs­pro­jekt „Spu­ren­stoff­a­gen­da Erft“ge­star­tet. Da­mit soll ge­klärt wer­den, wel­che Spu­ren­ele­men­te von Che­mi­ka­li­en auf wel­chen We­gen in die Erft ge­lan­gen und wel­che Maß­nah­men nö­tig sind, um sie an den Klär­an­la­gen her­aus­zu­fil­tern. „Noch vor ei­ni­gen Jah­ren lie­ßen sich sol­che Mi­kro­schad­stof­fe in so ge­rin­ger Kon­zen­tra­ti­on – wir spre­chen von Mi­kro­gramm je Li­ter – nicht nach­wei­sen“, er­läu­tert Bio­lo­ge Udo Ro­se vom Erft­ver­band. Un­ter an­de­rem an zehn Klär­an­la­gen, dar­un­ter in Noit­hau­sen und We­ve­ling­ho­ven, wur­den aus 800 Was­ser­pro­ben cir­ca 110.000 Da­ten­sät­ze ge­won­nen. Die sol­len bis zum Herbst aus­ge­wer­tet wer­den. Ers­te Er­kennt­nis­se lie­gen vor. Im Was­ser des Ablaufs der Klär­an­la­ge in Noit­hau­sen wur­den „wie bei an­de­ren Klär­an­la­gen un­ter an­de­rem Rönt­gen­kon­trast­mit­tel, An­ti­bio­ti­ka und Schmerz­mit­tel fest­ge­stellt“, be­rich­tet der Bio­lo­ge. Auf 170 Pa­ra­me­ter vom Be­ta­blo­cker über An­tie­pi­lep­ti­ka bis zum Rost- und Frost-schutz­mit­tel wur­den die Pro­ben im La­bor un­ter­sucht. Aufs Trink­was­ser ha­ben die Mi­kro­schad­stof­fe in der Erft laut Udo Ro­se kei- nen Ein­fluss, da es nicht aus dem Fluss­was­ser ge­won­nen wer­de.

Doch wie le­ben Flie­gen­lar­ven, Mu­schel, Krebs und Co. mit die­sem Che­mi­ka­li­en­cock­tail? „Es gibt Hin­wei­se, dass sich die Spu­ren­ele­men­te im Was­ser auf Le­be­we­sen schäd­lich aus­wir­ken“, sagt Udo Ro­se. Auch das will der Erft­ver­band nun ge­nau­er wis­sen – er ko­ope­riert beim Pro­jekt „Öko­lo­gi­sche Aus­wir­kun­gen von Mi­kro­schad­stof­fen“mit an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen. „Die Idee war, den Zu­stand der Tie­re an­hand des Stoff­wech­sels fest­zu­stel­len“, er­läu­tert er. „Geht es ih­nen gut, le­gen sie mehr Re­ser­vestof­fe wie Fet­te oder Spei­cher­stär­ke an. Das ist wie beim Men­schen zu Weih­nach­ten“, führt der Bio­lo­ge aus. Al­so wur­den Kö­cher­flie­gen-Lar­ven im La­bor der Uni Ko­blenz in un­ter­schied­li­chem Was­ser ge­hal­ten und dann un­ter­sucht. Die Tier­chen in un­be­las­te­tem Bach­was­ser hat­ten mehr Re­ser­ven „an­ge­setzt“als die Lar­ven, die im Was­ser aus dem Ablauf der Noit­hau­se­ner Klär­an­la­ge ge­hal­ten wor­den wa­ren. Die­se wa­ren „ge­stress­ter“, ver­brauch­ten mehr Ener­gie, um den Stoff­wech­sel auf­recht zu er­hal­ten. Bes­ser wie­der­um ging es Flie­gen­lar­ven aus ge­klär­tem Was­ser, das mit Ak­tiv­koh­le von Mi­kro­schad­stof­fen be­rei­nigt wur­de. „Die Tests ha­ben ge­zeigt, dass un­ser Un­ter­su­chungs­vor­ge­hen über den Stoff­wech­sel rich­tig ist“, sagt Ro­se.

Die Ana­ly­se wird nun mit Pro­ben aus dem Frei­land wie­der­holt. Bio­lo­gen zo­gen los und hol­ten Klein­tie­re aus der Erft – un­ter an­de­rem wie­der­um an der Klär­an­la­ge in Noit­hau­sen. Die­se Was­ser­be­woh­ner wer­den nun der­zeit eben­falls auf ih­ren Stoff­wech­sel un­ter­sucht. Die Er­geb­nis­se sol­len dann in die „Spu­ren­stoff­a­gen­da Erft“ein­flie­ßen.

FO­TOS: ERFT­VER­BAND

An der Uni Ko­blenz wur­den Kö­cher­flie­genLar­ven (klei­nes Bild) auf ih­ren Stoff­wech­sel un­ter­sucht. Für wei­te­re Stu­di­en wur­den Klein-Le­be­we­sen aus der Erft ge­holt.

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