NRW muss Vor­bild in der Schul­po­li­tik wer­den

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - GREVENBROICH -

RHEIN-KREIS Die Schul­po­li­tik ist ei­nes der wich­tigs­ten lan­des­po­li­ti­schen The­men­fel­der, weil die Zu­kunft un­se­rer Kin­der ent­schei­dend von ei­ner gu­ten Aus­bil­dung als Grund­la­ge für das Er­wach­se­nen­le­ben ge­prägt wird. Das Ziel muss da­her sein, NRW zum Spit­zen­rei­ter in der deut­schen Bil­dungs­po­li­tik zu ma­chen. Hier­zu ge­hört auch, für je­des Kind die rich­ti­ge Schu­le zu fin­den, die die ei­ge­nen Stär­ken för­dert.

NRW kann stolz sein auf sein viel­fäl­ti­ges Schul­an­ge­bot. Wich­tig ist aber auch, dass die­ses An­ge­bot Ak­zep­tanz fin­det. Hier ha­ben die letz­ten sie­ben Jah­re un­ter der grü­nen Schul­mi­nis­te­rin Syl­via Löhr­man viel Ver­trau­en bei den El­tern ge­kos­tet. An­ge­fan­gen von der Um­set­zung und Aus­ge­stal­tung von G8, über Un­ter­richts­aus­fall, Lehrer­man­gel, schlech­te Qua­li­tät der Schul­ge­bäu­de, Schlie­ßung der För­der­schu­len bis hin zur Um­set­zung der In­klu­si­on. Nicht nur, aber be­son­ders beim viel­leicht öf­fent­lich­keits­wirk­sams­ten Schul­the­ma G8/G9 ist nun ei­ne Lö­sung er­for­der­lich, die die­ses ver­lo­re­ne Ver­trau­en wie­der­her­stellt. Wäh­rend an man­chen Schu­len G8 gut funk­tio­niert, ist dies an den meis­ten Schu­len je­doch nicht der Fall. Wir wer­den des­we­gen dem ein­deu­ti­gen Wunsch des über­wie­gen- den Teils der Schü­ler- und El­tern­schaft fol­gen: Als Lei­tent­schei­dung wird ab dem Schul­jahr 2019/20 an den Gym­na­si­en wie­der der neun­jäh­ri­ge Bil­dungs­gang G9 ein­ge­führt. Wie auch in un­se­rem Wahl­pro­gramm ge­for­dert, er­hal­ten dar­über hin­aus al­le Gym­na­si­en die Wahl­frei­heit beim jet­zi­gen G8-Sys­tem zu blei­ben, was ei­ne zu­sätz­li­che Un­ter­stüt­zung durch das Land für die­se Schu­len mit sich brin­gen wird, um so ei­ne qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Um­set­zung si­cher­zu­stel­len.

Die Qua­li­tät der Bil­dungs­po­li­tik hängt aber nicht nur von der Fra­ge G8 oder G9 ab. Schul­viel­falt, qua­li­ta­tiv gut aus­ge­stat­te­te Schu­len, her- vor­ra­gend aus­ge­bil­de­te und mo­ti­vier­te Leh­rer so­wie vor al­lem auch ei­ne Un­ter­richts­ga­ran­tie sind ele­men­ta­re Punk­te, die für ei­ne erst­klas­si­ge Schul­po­li­tik un­ab­ding­bar sind. Mit Grund-, För­der-, Se­kun­dar-, Haupt-, Re­al- und Ge­samt­schu­len, Gym­na­si­en so­wie Be­rufs­und Wei­ter­bil­dungs­kol­legs ha­ben wir in NRW ein sehr breit ge­fä­cher­tes Schul­an­ge­bot. Die­se Viel­falt, die Kin­dern und Ju­gend­li­chen er­mög­licht, die für sie in­di­vi­du­ell best­mög­li­che Schul­lauf­bahn mit viel­fäl­ti­gen Ab­schluss- und An­schluss­mög­lich­kei­ten zu durch­lau­fen, muss auf je­den Fall er­hal­ten blei­ben. Das be­trifft auch gera­de ein The­ma, für das wir uns als FDP schon seit Jah­ren auch auf Kreis­ebe­ne ein­ge­setzt ha­ben, den Er­halt der För­der­schu­len im Rah­men ei­ner qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Um­set­zung der In­klu­si­on. In­klu­si­on wie un­ter Rot-Grün rein ideo­lo­gisch ge­prägt, über­stürzt, oh­ne Qua­li­täts­stan­dards und aus­rei­chen­des Per­so­nal um­ge­setzt, wird den in­di­vi­du­el­len Wün­schen und Be­dürf­nis­sen über­haupt nicht ge­recht und hat teil­wei­se zu chao­ti­schen Ver­hält­nis­sen ge­führt, da die not­wen­di­ge Un­ter­stüt­zung der Kin­der mit Be­hin­de­rung durch Son­der­päd­ago­gen nicht ge­währ­leis­tet wer­den konn­te.

Nicht die Schlie­ßung der För­der­schu­len ist das rich­ti­ge Ziel, son­dern ei­ne ech­te Wahl­frei­heit, die je­dem Kind mit Be­hin­de­rung den ei­ge­nen Weg zur gleich­be­rech­tig­ten Teil­ha­be er­mög­licht. Un­ter­richt an der Re­gel­schu­le mit den not­wen­di­gen Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­ten oder an ei­ner För­der­schu­le, bei­des kann der rich­ti­ge Weg sein. Gera­de die Qua­li­tät der in­di­vi­du­el­len För­de­rung al­ler Kin­der und Ju­gend­li­chen soll des­we­gen im Zen­trum der An­stren­gun­gen ste­hen. Zum Spit­zen­rei­ter wird NRW nicht von heute auf mor­gen, aber es wir end­lich Zeit, dass wir die rich­ti­gen Wei­chen stel­len und uns auf den Weg ma­chen.

FO­TO: L. BERNS

Rolf Klut­hau­sen ist Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der FDP im Kreis­tag.

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