Mer­kel spielt auf Zeit

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - STIMME DES WESTENS - VON MARTIN KESS­LER

In Zei­ten deutsch-ame­ri­ka­ni­scher Ir­ri­ta­tio­nen ist Frank­reich der wich­tigs­te Part­ner der Kanz­le­rin. Klar, dass Mer­kel jetzt al­les, was mit die­sem Part­ner geht, in gro­ßem Stil aus­spielt: ein ge­mein­sa­mer Kampf­jet, ein neu­er Pan­zer, bes­se­re Ter­ror­ab­wehr. Hier ha­ben bei­de Län­der die glei­chen In­ter­es­sen. Und es ist gut, dass sie vor­an­kom­men wol­len.

Kri­ti­scher ist die Wirt­schafts­po­li­tik. Hier will Frank­reich mit ei­nem groß­an­ge­leg­ten In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm aus der Kri­se, wäh­rend in Deutsch­land schon die Über­hit­zung der Kon­junk­tur droht. Der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Ma­cron ver­spricht Ar­beits­markt­re­for­men, weiß aber, dass selbst das streikar­me Deutsch­land meh­re­re Jah­re für die Mam­mut­auf­ga­be Agen­da 2010 be­nö­tigt hat. Zum Schwur kommt es 2018 – nach der Bun­des­tags­wahl. Bis da­hin kann Mer­kel ih­ren Part­ner ver­trös­ten. Dann muss sie – im Fal­le ei­nes Wahl­siegs – ent­schei­den, wie weit sie Ma­crons Plä­nen für mehr Aus­ga­ben und ei­ne EU-wei­te Haf­tung der Schul­den ent­ge­gen kommt. Sie darf es nicht wi­der die öko­no­mi­sche Ver­nunft tun, auch wenn die Ach­se Berlin – Pa­ris noch so wich­tig ist. BE­RICHT DER AN­SPRUCHS­VOL­LE PART­NER, SEI­TE A5

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