Bür­ger stel­len For­de­run­gen an die Stadt

An­woh­ner be­schrei­ben Zu­stän­de im Bahn­hofs­quar­tier als un­trag­bar. Die Rats­frak­ti­on „Mein Grevenbroich“möch­te mit Bür­gern ei­nen Ka­ta­log mit For­de­run­gen an die Stadt er­stel­len. Es müs­se mehr ge­gen so­zia­le Pro­ble­me ge­tan wer­den.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - GREVENBROICH - VON JU­LIA ZUEW

GREVENBROICH Laut­star­ke Strei­tig­kei­ten zu spä­ter St­un­de, Au­to­ren­nen, Dro­gen­kon­sum- und Han­del, Be­läs­ti­gun­gen durch Sucht­kran­ke und Ob­dach­lo­se: Aus Sicht der Teil­neh­mer der Bür­ger­ver­samm­lung herr­schen am Bahn­hofs­vier­tel un­er­träg­li­che Zu­stän­de. Dre­ckig und un­si­cher sei es, be­rich­ten An­woh­ner bei der von „Mein Grevenbroich“or­ga­ni­sier­ten Ge­sprächs­run­de an der Bahn­stra­ße 49. Mar­ti­na Su­er­mann, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Wäh­ler­al­ter­na­ti­ve und Rats­frak­ti­on, kün­dig­te an, die For­de­run­gen dies­mal nicht nur an die Stadt zu rich­ten, son­dern auch der Öf­fent­lich­keit zu­gäng­lich zu ma­chen. „Der Abend hat ge­zeigt: Es be­steht aku­ter Hand­lungs­be­darf“, so lau­tet Su­er­manns Fa­zit nach der Ver­samm­lung.

Es herrsch­te ho­her An­drang – vie­le An­woh­ner des Bahn­hofs und der Bahn­stra­ße wa­ren an­we­send. Ziel war es, ge­mein­sam Be­schwer­den und Hand­lungs­vor­schlä­ge für ei­nen For­de­rungs­ka­ta­log zu­sam­men­zu­tra­gen. „Wir möch­ten ei­ne Öf­fent­lich­keit her­stel­len, die sich zu die­sem The­ma äu­ßert“, sag­te Su­er­mann. Mit ein­zel­nen An­fra­gen an die Stadt­ver­wal­tung sei es nicht ge­tan. „Wir ha­ben es wirk­lich lan­ge auf die­sem Weg ver­sucht.“

„Über die Jah­re ist es nur berg­ab ge­gan­gen“, sag­te Jes­si­ca Hint­zen, ei­ne An­woh­ne­rin der Bahn­hof­stra­ße. „Es ist im­mer un­si­che­rer und dre­cki­ger ge­wor­den.“Am Krie­ger­denk­mal wür­den Per­so­nen „am hell­lich­ten Tag pin­keln“, sagt sie. Ei­ne an­de­re Bür­ge­rin be­rich­te­te von Pas­san­ten, de­ren Hun­de ihr Ge­schäft an den Häu­ser­rei­hen er­le­di- gen – an­schlie­ßend wer­de der Kot lie­gen­ge­las­sen.

Kri­tik gab es un­ter an­de­rem auch dar­an, dass durch das In­nen­stadt­Ent­wick­lungs­kon­zept (ISEK) das Bahn­hofs­vier­tel und der Platz der Deut­schen Ein­heit neu ge­stal­tet wer­den sol­len, aber nichts ge­gen die so­zia­len Pro­ble­me im Quar­tier ge­tan wer­de. „Wenn da neue Geh­weg­plat­ten lie­gen, ist der Hun­de­kot trotz­dem drauf“, sag­te ei­ne An­woh­ne­rin. Be­vor es an ei­ne Neu­ge­stal­tung der Flä­chen ge­he, müss­ten die so­zia­len Ver­hält­nis­se in dem Are­al ge­klärt wer­den, so der Te­nor der Ge- sprächs­run­de. Nach Wolf­gang The­yssens Emp­fin­den „ist die Ver­wal­tung gar nicht wil­lig, was an den Um­stän­den zu än­dern“. Auch er wohnt an der Bahn­stra­ße.

In der Um­ge­bung des Bahn­hofs soll es ne­ben Be­läs­ti­gung durch Al­ko­ho­li­sier­te und Ob­dach­lo­se auch ein mas­si­ves Pro­blem mit Dro­gen­kon­su­men­ten- und Dea­lern ge­ben. Auch Pa­ti­en­ten ei­ner Metha­donPra­xis an der Bahn­hof­stra­ße sol­len sich weit über ih­re Be­hand­lungs­dau­er hin­aus im Quar­tier auf­hal­ten. Thomas Wie­den­hö­fer, Vor­sit­zen­der von „Mein Grevenbroich“, be­ton­te: „Die Pa­ti­en­ten und der be­han­deln­de Arzt schlie­ßen ei­nen Ver­trag, der die Pa­ti­en­ten ver­pflich­tet, sich nach der Be­hand­lung an ei­nen an­de­ren Ort oder nach Hau­se zu be­ge­ben.“

Vie­le der ge­schil­der­ten Be­schwer­den ken­ne sie aus ei­ge­ner Er­fah­rung, da sie seit gut 20 Jah­ren im Bahn­hofs­quar­tier le­be, sagt Mar­ti­na Su­er­mann. Den Abend wer­te­te die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de als Er­folg: „Ei­ner wei­te­ren Es­ka­la­ti­on im Vier­tel muss man ent­schlos­se­nes Han­deln ge­gen­über stel­len“, sag­te Su­er­mann. „Heu­te wur­de da­zu der An­fang ge­macht.“

FOTO: JU­LIA ZUEW

Be­woh­ner des Bahn­hofs­quar­tiers (im Bild die Rhe­ydter Stra­ße) be­kla­gen nächt­li­che Un­ru­he, Au­to­ren­nen, Be­läs­ti­gung und Dro­gen­ge­schäf­te im Vier­tel.

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