Chris­tus­kind - Welt­er­lö­ser

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KIRCHLICHE NACHRICHTEN -

Lu­cas Cra­nach d. Ä. (14721553), ei­ner der be­deu­tends­ten Ma­ler der deut­schen Re­nais­sance und Hof­ma­ler des Kur­fürs­ten Fried­rich in Wit­ten­berg, wur­de vor kur­zem im Düs­sel­dor­fer Mu­se­um Kunst­pa­last in ei­ner um­fas­sen­den Schau ge­wür­digt. Sei­ne ge­stal­te­ri­sche Kraft und Mo­der­ni­tät ent­fal­te­te sich in der gro­ßen Um­bruchs­zeit der Re­for­ma­ti­ons­be­stre­bun­gen Martin Lu­thers, mit dem er eng be­freun­det war und des­sen Schrif­ten und Bi­bel­über­set­zun­gen er in sei­ner Werk­statt dru­cken ließ.

Vor al­lem war Cra­nach dar­um be­müht, die re­li­giö­sen Ide­en sei­nes Freun­des mit neu­en Bild­the­men zu ver­an­schau­li­chen. Ne­ben pro­pa­gan­dis­ti­schen, kir­chen­kri­ti­schen Druck­gra­fi­ken, die den Papst als An­ti­chris­ten dar­stell­ten, war es vor al­lem Lu­thers theo­lo­gi­sches Pa­ra­dig­ma, dass der Mensch al­lein durch die gött­li­che Gna­de sei­ne Er­lö­sung fin­det, dem Cra­nach bild­ne­risch Aus­druck ver­lei­hen woll­te.

Un­ter die­sem Aspekt ist auch der Holz­schnitt zu be­trach­ten, der noch bis zum 20. Au­gust in der Ka­bi­net­tAus­stel­lung „Dü­rer & Co.“im Cle­mens Sels Mu­se­um Neuss ge­zeigt wird. Das um 1515 ent­stan­de­ne Blatt zeigt den gänz­lich un­be­klei­de­ten Chris­tus­kna­ben mit ei­nem Reichs­ap­fel als At­tri­but des „Sal­va­tor Mun­di“, des kom­men­den Er­lö­sers der Welt. Sei­ne Rech­te spen­det den Gna­de und Au­fer­ste­hung ver­hei­ßen­den, gött­li­chen Se­gen. Chris­tus steht auf ei­nem ge­öff­ne­ten Gr­ab in ei­ner Land­schaft, die im Hin­ter­grund wohl die Kir­che des Hl. Gr­a­bes Chris­ti in Je­ru­sa­lem zeigt. Über ihm prä­sen­tiert ein Rei­gen aus En­geln die Dor­nen­kro­ne und wei­te­re Lei­dens­werk­zeu­ge sei­ner Pas­si­on, die „Ar­ma Chris­ti“. Die­se „Waf­fen Chris­ti“be­le­gen das frei­wil­li­ge Lei­den des Got­tes­soh­nes und da­mit die Le­gi­ti­ma­ti­on sei­ner gött­li­chen Gna­de. Das Blatt ist al­so kein And­achts­bild, des­sen Er­werb oder An­be­tung dem Men­schen Au­fer­ste­hung und das ewi­ge Le­ben ga­ran­tiert. Viel­mehr soll es an die al­les be­stim­men­de Gna­de ei­nes Got­tes er­in­nern, des­sen mensch­ge­wor­de­ner Sohn durch sei­nen frei­wil­li­gen Op­fer­tod die Mög­lich­keit ei­ner Er­lö­sung ver­spricht.

Das ver­mu­te­te Ent­ste­hungs­jahr des Holz­schnitts 1515 war üb­ri­gens das Jahr der Ge­burt sei­ne Soh­nes Lu­cas der Jün­ge­re. In dem freu­di­gen Er­eig­nis ei­nes neu be­gin­nen­den Men­schen­le­bens könn­te man da­her auch ei­nen wei­te­ren, sehr per­sön­li­chen Be­weg­grund für die Mo­tiv­wahl des Künst­lers se­hen. Martin Lan­gen­berg, Cle­mens-Sels-Mu­se­um

Das Chris­tus­kind als Welt­er­lö­ser auf dem ge­öff­ne­ten Gr­ab: Der Holz­schnitt von Lu­cas Cra­nach d. Ä. (1472 – 1553) ent­stand wohl um 1515 und ge­hört zum Alt­be­stand des Cle­mens-Sels-Mu­se­ums Neuss.

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