Blau-Weiss Neuss peilt im Du­ell der Alt­meis­ter Auf­takt­sieg an

2. Ten­nis-Bun­des­li­ga: Mor­gen kommt Re­kord­meis­ter LTTC Rot-Weiss Ber­lin an die Jahn­stra­ße.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - SPORT IM RHEIN-KREIS - VON VOL­KER KOCH

NEUSS Vor fast 34 Jah­ren, ge­nau am 25. Sep­tem­ber 1983, wur­de der TC Blau-Weiss Neuss erst­mals Deut­scher Ten­nis-Mann­schafts­meis­ter – auf der An­la­ge des ent­thron­ten Ti­tel­ver­tei­di­gers TC Am­berg am Schanzl durch ei­nen 6:3-Sieg über den LTTC Rot-Weiss Ber­lin.

Von den Spie­lern, die sich mor­gen ab 11 Uhr zum Auf­takt der Zwei­ten Ten­nis-Bun­des­li­ga Nord an der Jahn­stra­ße in ei­ner Neu­auf­la­ge die­ses Du­ells ge­gen­über­ste­hen, war zu die­sem Zeit­punkt noch kei­ner ge­bo­ren. Die „gol­de­nen Zei­ten“ih­rer Klubs ken­nen sie, wenn über­haupt, nur vom Hö­ren­sa­gen: Die Ber­li­ner sind mit 13 Ti­tel­ge­win­nen zwi­schen 1923 und 1976 im­mer noch der er­folg­reichs­te Klub bei Deut­schen Ten­nis-Mann­schafts­meis­ter­schaf­ten, die Neus­ser mit de­ren zehn zwi­schen 1983 und 1994 Re­kord­hal­ter der Ten­nis-Bun­des­li­ga.

Der All­tag an­no 2017 ist ein an­de­rer. Im Spit­zen­ein­zel ste­hen sich mor­gen al­ler Vor­aus­sicht nach Bo­tic van de Zand­schulp und Da­ni­el Alt­mai­er ge­gen­über. Der 21 Jah­re al­te Nie­der­län­der in Di­ens­ten der Gast­ge­ber wird auf der ak­tu­el­len Welt­rang­lis­te der ATP auf Po­si­ti­on 330 ge­führt, der drei Jah­re jün­ge­re Ber­li­ner auf Rang 210 – für bei­de die bis­her höchs­te Plat­zie­rung in ih­rer noch jun­gen Kar­rie­re. Bei­de zäh­len da­mit ein­deu­tig zu den bes­ten Spie- lern in der zweit­höchs­ten deut­schen Spiel­klas­se – ei­ner Li­ga, die nicht so recht weiß, wel­che Rol­le ihr im deut­schen Ten­nis zu­kommt.

Von der Ers­ten un­ter­schei­det sie sich al­lein schon da­durch, dass wie zu „gu­ten al­ten Zei­ten“sechs Ein­zel und drei Dop­pel über Sieg und Nie­der­la­ge ent­schei­den. Al­ler­dings wird wie in Li­ga eins kein drit­ter Satz, son­dern ein Match-Tie­break ge­spielt. Der Zu­schau­er­zu­spruch hält sich in Gren­zen: „Re­kord“in der ver­gan­ge­nen Sai­son wa­ren die 580, die die Par­tie zwi­schen dem Bie­le­fel­der TTC und dem TC So­lin­gen se­hen woll­ten. Der Club an der Als­ter in Ham­burg hat­te aber auch schon mal nur „60“auf dem of­fi­zi­el­len Spiel­be­richt ste­hen. Frei­lich: Auch in der Ers­ten Li­ga ist das In­ter­es­se stark rück­läu­fig, die vier Be­geg­nun­gen des ers­ten Spiel­tags lock­ten am ver­gan­ge­nen Sonn­tag bei bes­tem Ten­nis­wet­ter ge­ra­de mal ei­ne Ge­samt­zahl von 7000 Be­su­chern an. Nur mal zum Ver­gleich: Als Micha­el Stich ei­nen Mo­nat nach sei­nem Wim­ble­don-Sieg mit Iphi­tos Mün­chen am 9. Au­gust 1991 zum Bun­des­li­ga­spiel beim TC Blau-Weiss auf­lief, platz­te die Jahn­stra­ße mit 5000 Zu­schau­ern aus al­len Näh­ten.

Wie vie­le mor­gen kom­men, weiß kei­ner. Ma­ri­us Zay, der Neus­ser Te­am­chef, der dem Bun­des­li­gaTeam den Slo­gan sei­ner Ten­nis­schu­le „Ten­nis Ewi­ge Lie­be“als of­fi­zi­el­len Na­mens­zu­satz ver­pass­te, gibt of­fen zu: „Ich bin mal ge­spannt, ob die Neus­ser Ten­nis­fans un­se­re Be­mü­hun­gen ho­no­rie­ren.“Denn mü­he­voll war es, nach dem Ab­stieg so­wohl ei­nen Etat als auch ein Team auf die Bei­ne zu stel­len. Bei­des ge­lang: „Wir ste­hen fi­nan­zi­ell nicht schlech­ter da als in der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit“, sagt Zay, der im Ge­gen­satz zum Ab­stiegs­jahr auf ei­nen fes­ten Stamm von Spie­lern set­zen möch­te.

Die For­ma­ti­on für den mor­gi­gen Auf­takt hat­te er schon am Don­ners­tag pa­rat. Hin­ter Bo­tic van de Zand­schulp, der als fri­sche Emp­feh­lung den Sieg beim Fu­ture-Tur­nier in Mid­del­burg mit­bringt, wo er sich im Fi­na­le mit 6:4, 6:4 ge­gen Thie­mo de Bak­ker durch­setz­te, neh­men der Spa­nier Bern­a­be Za­pa­ta Mi­ral­les (20, ATP 370) und der Nie­der­län­der Niels Loots­ma (22, ATP 327) die Spit­zen­po­si­tio­nen ein. Und an Po­si­ti­on sechs ider Bel­gi­er Ju­li­en Ca­gni­na (23, ATP 522) ers­te Wahl.

Da­zwi­schen sol­len zwei Rou­ti­niers, die schon in der ver­gan­ge­nen Sai­son Neus­ser Bun­des­li­ga-Luft schnup­per­ten, die jun­ge Gar­de füh­ren, auch wenn Fre­de­rik Niel­sen (33) und Hans Pod­lip­nik-Cas­til­lo (29) auf der ATP-Tour vor­nehm­lich im Dop­pel un­ter­wegs sind. Der Dä­ne wur­de 2012 an der Sei­te von Jo­na­than Mar­ray so­gar Wim­ble­don­sie­ger – an je­nem Ort, an dem sein Groß­va­ter Kurt Niel­sen 1953 und 1955 im Ein­zel­fi­na­le stand. Hans Pod­lip­nik-Cas­til­lo, in San­tia­go de Chi­le ge­bo­re­ner Ös­ter­rei­cher, spiel­te sich in die­sem Jahr an der Sei­te des Weiß­rus­sen And­rej Wa­si­lew­skij bis ins Vier­tel­fi­na­le, wo sie nach ei­ner 7:6, 4:6, 6:7, 5:7-Nie­der­la­ge ge­gen die Kroa­ten Ni­ko­la Mek­tic/Fran­ko Sku­gor aus­schie­den.

Bo­tic van de Zand­schulp.

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