Kri­tik am neu­en Waf­fen­ge­setz

Seit dem 6. Ju­li gilt das neue Waf­fen­ge­setz. Kri­tik an den Än­de­run­gen kommt von Sport­schüt­zen und Jä­gern.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR - VON SI­MON JANSSEN

RHEIN-KREIS Wer sich in na­her Zu­kunft sei­ne ers­te Schuss­waf­fe zu­le­gen möch­te, der muss seit dem 6. Ju­li ganz be­son­ders auf die Wahl des Auf­be­wah­rungs­schranks ach­ten. Denn seit­dem gilt das neue Waf­fen­ge­setz, das der Bun­des­tag Mit­te Mai die­ses Jah­res be­schlos­sen hat.

Zu den wich­tigs­ten Än­de­run­gen ge­hö­ren die Vor­schrif­ten für die Auf­be­wah­rung. Wer bis­her ei­nen Waf­fen­schrank der Klas­se A oder B hat, darf die­sen auch wei­ter­hin be­nut­zen, bis die La­ger­ka­pa­zi­tät er­reicht ist. Wenn je­doch wei­te­re Waf­fen hin­zu­kom­men, muss ein Waf­fen­schrank mit Wi­der­stands­grad 0 an­ge­schafft wer­den. Die­se Schrän­ke äh­neln ei­nem Tre­sor und wie­gen teil­wei­se weit mehr als 200 Ki­lo­gramm. Der Be­stands­schutz gilt auch für Er­ben und für im Haus­halt le­ben­de An­ge­hö­ri­ge. Wer sich al­ler­dings zum ers­ten Mal ei­ne Waf­fe zu­legt, muss so­fort ein Si­cher­heits­be­hält­nis der Klas­se 0 kau­fen. Be­stands­schutz gilt für al­le Schrän­ke, die bis zur Rechts­kraft ge­kauft wur­den. Die Bun­des­re­gie- rung schätzt den Mehr­auf­wand für die An­schaf­fung neu­er Waf­fen­schrän­ke pro Jahr auf 4,5 Mil­lio­nen Eu­ro.

Dar­über hin­aus soll die An­zahl an il­le­ga­len Waf­fen re­du­ziert wer­den. Dar­um kön­nen die­se – auch Mu­ni­ti­on – auf­grund ei­ner Am­nes­tie­re­ge­lung noch bis zum 5. Ju­li 2018 straf­frei bei der Po­li­zei ab­ge­ge­ben wer­den. Im Rhein-Kreis kann dies bei der Kreis­po­li­zei­be­hör­de in Neuss er­le­digt wer­den. Po­li­zei­spre­che­rin Dia­ne Dra­we macht dar­auf auf­merk­sam, dass die Waf­fe bei der Über­ga­be ent­la­den sein und so ver­packt wer­den soll­te, dass man sie nicht sieht. Dann muss der Be­sit­zer un­ter­zeich­nen, dass er mit der Ver­nich­tung der Waf­fe ein­ver­stan­den ist.

Be­reits bei der letz­ten Am­nes­tie­re­ge­lung im Jahr 2009 sei laut Dra­we im Rhein-Kreis ei­ne Viel­zahl von il­le­ga­len Waf­fen ab­ge­ge­ben wor­den. Da­bei han­del­te es sich je­doch zum Groß­teil um Erb­stü­cke.

Doch die teil­wei­se kom­ple­xe und un­durch­sich­ti­ge Ge­set­zes­än­de­rung kommt nicht über­all gut an. Pe­ter Kal­len, Ers­ter Vor­sit­zen­der der Kreis­jä­ger­schaft Neuss, be­zeich­net die Än­de­rung als „Ak­tio­nis­mus“. „Für Jä­ger gab es dort kei­nen Re­ge­lungs­be­darf. Die ha­ben ih­re Waf­fen schon im­mer sorg­fäl­tig auf­be­wahrt. Da gibt es kei­ne Pro­ble­me“. Dass Neu-Jä­ger oder Be­sit­zer,

die ih­ren Be­stand er­wei­tern wol­len, sich nun grö­ße­re und di­cke­re Waf­fen­schrän­ke der Klas­se 0 zu­le­gen müs­sen, füh­re zu ei­ner nicht un­er­heb­li­chen fi­nan­zi­el­len Mehr­be­las­tung: „Das ist nicht nach­voll­zieh­bar.“

Kri­tik kommt auch von Han­sJür­gen Schmitz, Ers­ter Vor­sit­zen­der der Or­ke­ner Sport­schüt­zen in Gre­ven­broich: „Ich ha­be ge­ra­de den ak­tu­el­len Fall, dass Mit­glie­der Waf­fen zum sport­li­chen Schie­ßen be­an­tragt ha­ben – sich jetzt aber ei­nen Schrank der Ka­te­go­rie 0 zu­le­gen müs­sen. Und die kos­ten das drei­fa­che.“Dem Vor­sit­zen­den ist es je­doch wich­tig, zu dif­fe­ren­zie­ren. „Grund­sätz­lich ist es gut, wenn die Si­cher­heit bei Waf­fen ei­ne gro­ße Rol­le spielt. Ich ha­be aber noch von kei­nem Fall ge­hört, dass ei­ne Waf­fe aus ei­nem Schrank der Ka­te­go­rie A oder B ge­stoh­len wur­de.“Andre­as Ch­le­win­ski, In­ha­ber des Dor­ma­ge­ner Waf­fen­la­dens „ACP Waf­fen“, be­zwei­felt stark, dass die ver­schie­de­nen Än­de­run­gen den von der Bun­des­re­gie­rung er­hoff­ten Ef­fekt ha­ben wer­den. „Das wird die Si­cher­heit nicht si­gni­fi­kant er­hö­hen. Wenn je­mand seit 20 Jah­ren ei­ne il­le­ga­le Waf­fe be­sitzt. War­um soll er sie jetzt auf ein­mal ab­ge­ben?“. Der Händ­ler geht noch ei­nen Schritt wei­ter und be­zeich­net die Maß­nah­me als „Zü­cker­chen, das man der un­in­for­mier­ten Öf­fent­lich­keit hin­wirft, um zu sa­gen, man ha­be ihr Le­ben si­che­rer ge­macht“. Ein wei­te­res Pro­blem macht Ch­le­win­ski bei den Tre­so­ren aus. Und die sind nicht nur fi­nan­zi­el­ler Art: „Die sind teil­wei­se so schwer, dass man vor dem Auf­stel­len die Sta­tik des je­wei­li­gen Ge­bäu­des prü­fen muss.“Aus die­sem Grund ha­be er sich auch da­ge­gen ent­schie­den, sie zu ver­kau­fen. „Wie sol­len die denn zum Kun­den kom­men“, fragt der Waf­fen­händ­ler.

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