Er­neu­te Frau­en-Dis­kus­si­on bei „Zog Zog“

Bei der 174. Bür­ger­ver­samm­lung gab es ste­hen­de Ova­tio­nen für Prä­si­dent Tho­mas Ni­ckel – aber auch ei­ni­ge Sei­ten­hie­be.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR - VON SI­MON JANSSEN

NEUSS Um Punkt 20.20 Uhr gab es Ge­wiss­heit: Nach­dem Schüt­zen­Prä­si­dent Tho­mas Ni­ckel die Kar­di­nals­fra­ge ge­stellt hat­te, wur­de durch das lau­te „Zog Zog“be­sie­gelt, dass das Neus­ser Bür­ger-Schüt­zen­fest auch in die­sem Jahr statt­fin­det. Ste­hen­de Ova­tio­nen für den Prä­si­den­ten, ein we­nig Me­lan­cho­lie – und ei­ni­ge Sei­ten­hie­be: Die rund 300 Schüt­zen in der Stadt­hal­le – 100 fehl­ten, wie Ni­ckel zu Be­ginn mo­nier­te – er­leb­ten ei­ne lau­ni­ge 174. Bür­ger­ver­samm­lung im 194. Jahr des Ver­eins­be­ste­hens.

In sei­ner Re­de er­in­ner­te sich Ni­ckel an ein Er­leb­nis am 2. Ju­li die­ses Jah­res. Be­reits zu die­sem frü­hen Zeit­punkt ha­be ein Neus­ser Schüt­ze an die­sem Tag „D’r Zoch kütt“ge­ru­fen. Je­ner Schüt­ze mein­te da­mit je­doch die Fah­rer der Tour de Fran­ce, die mit ho­her Ge­schwin­dig­keit durch Neuss ras­ten. „Wie tief un­ser Schüt­zen­fest im Her­zen der Men­schen ver­wur­zelt ist, kann die­se klei­ne Be­ge­ben­heit zei­gen“, sag­te Ni­ckel und hob tra­di­tio­nell die Be­son­der­hei­ten der Qui­ri­nus-Stadt und der Men­schen, die in ihr le­ben, her­vor: „Dort, wo an­ders­wo An­ony­mi­tät herrscht, gibt es in Neuss ein gan­zes Stück mehr Ge­mein­we­sen und Ge­mein­schaft. Das ist auch ei­ne Frucht un­se­rer Fes­tes“, so der Schüt­zen­prä­si­dent, für den es ste­hen­de Ova­tio­nen gab, nach­dem Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breu­er ihm für sei­ne Ver­diens­te dank­te.

Schließ­lich be­geht Ni­ckel in die­sem Jahr sein letz­ten Schüt­zen­fest als Prä­si­dent. „Ich ha­be mir ei­gent­lich vor­ge­nom­men, in die­sem Jahr nicht bei je­der Ver­an­stal­tung zu den­ken, dass es für mich die letz­te ist. Das macht es ei­nem schwer. Ich sa­ge mir je­den Mor­gen: Im No­vem­ber sind erst die Wah­len. Bis da­hin fei­ern wir noch al­le ge­mein­sam Schüt­zen­fest.“

Doch bei Lo­bes­hym­nen und Dank­sa­gun­gen blieb es nicht. So wur­den auch in die­sem Jahr wie­der ei­ni­ge Sei­ten­hie­be ver­teilt. Kri­tik in Rich­tung Rei­ner Breu­er gab es von Ko­mi­tee-Mit­glied Mar­kus Jan­sen: „Herr Bür­ger­meis­ter, Sie wis­sen, dass sich die Stadt wie­der mehr ein­brin­gen und auch das gut ge­füll­te Stadt­sä­ckel wie­der wei­ter öff­nen muss.“Schließ­lich wür­den vie­le Auf­ga­ben, die die Stadt seit je­her für das Fest über­nom­men hat­te, „scheib­chen­wei­se dem Ver­ein zu­ge­scho­ben“.

Nach­dem Ni­ckel sich wie­der­holt da­ge­gen aus­sprach, Frau­en zur Pa­ra­de zu­zu­las­sen, kon­ter­te Breu­er zu Be­ginn sei­ner Re­de: „Hopp­la, da ha­be ich ja tat­säch­lich die Da­men des Haupt­aus­schus­ses der Stadt Neuss be­grüßt. Sor­ry, da bin ich in mei­ner Re­de ein Jahr wei­ter in die Zu­kunft ge­gan­gen.“Schließ­lich kön­ne es ja sein, dass ein neu­er Prä­si­dent neue Din­ge ein­führt.

Doch nicht nur an Ni­ckel, son­dern auch an Land­rat Hans-Jür­gen Pe­t­rausch­ke rich­te­te Rei­ner Breu­er ei­ni­ge spitz­zün­gi­ge Wor­te: So er­in­ner­te der Ver­wal­tungs­chef dar­an, dass es ein Land­rat ge­we­sen ist, der erst­mals die­se Ver­samm­lung der Bür­ger und Bür­gers­söh­ne ein­be­rief: „Das war wohl das letz­te Mal, dass ein Land­rat in Neuss wirk­lich not­wen­dig war.“

NGZ-FO­TO: WOI

Prä­si­dent Tho­mas Ni­ckel, Bür­ger­meis­ter Rei­ner Breu­er und Oberst Wal­ter Pesch (v.l.) prä­sen­tie­ren das neue Schüt­zen­fest-Pla­kat.

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