Die In­klu­si­on ist ei­ne Schne­cke

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - STIMME DES WESTENS - VON HEN­NING RA­SCHE

Gün­ter Grass wa­ren Uto­pi­en su­spekt. Der Den­ker hin­ter dem Kanz­ler Wil­ly Brandt war der Auf­fas­sung, dass es die Schne­cke sei, die den Fort­schritt sym­bo­li­sie­re. Die Schne­cke kriecht so lang­sam, dass ihr wahr­lich nichts Um­stür­zen­des an­haf­tet. Als ei­ne Uto­pie jün­ge­rer Zeit darf die In­klu­si­on gel­ten: Dass al­le Schü­ler mit För­der­be­darf ei­ne Re­gel­schu­le be­su­chen, wird so schnell nicht Rea­li­tät wer­den. Das liegt dar­an, dass die Bun­des­län­der die­ses Vor­ha­ben mit un­ter­schied­li­chem Ver­ve vor­an­trei­ben. Man wür­de sich ein biss­chen mehr Mut und Sinn zur Rea­li­tät wün­schen. Ge­wiss, In­klu­si­on ist ein kom­pli­zier­tes Feld, die Ge­mü­ter er­hit­zen sich hier schnel­ler als an an­de­rer Stel­le. Bil­dungs­po­li­tik lan­det als Ge­sprächs­stoff an den Kü­chen­ti­schen der meis­ten Fa­mi­li­en. Schul­kin­der brin­gen Er­fah­run­gen mit; sie wis­sen, wo es gut läuft und wo nicht. Die rei­ne In­klu­si­ons­quo­te ist bloß ein po­li­ti­scher Mo­ti­va­ti­ons­in­di­ka­tor. Die­ser be­legt, wel­chen Stel­len­wert ei­ne Re­gie­rung dem The­ma bei­misst. Gleich­wohl geht es bei der In­klu­si­on nicht um Ge­schwin­dig­keit. Sie muss sinn­voll und plan­voll sein. Vor al­lem aber muss sie den be­trof­fe­nen Schü­lern hel­fen. Die In­klu­si­on ist ei­ne Schne­cke. Und das ist auch ganz gut so. BE­RICHT BRE­MEN IST IN­KLU­SI­ONS-MEIS­TER, TI­TEL­SEI­TE

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